Neues Buch von Regensburgerin: Als Frau ab 50 noch einmal beruflich durchstarten?

Die Regensburger Schriftstellerin Carola Kupfer hat gemeinsam mit Christine Weiner das Buch „Simply the Best – Wenn Frauen 50 plus beruflich noch einmal durchstarten“ geschrieben. Im Interview spricht sie über Pippi Langstrumpf, ihre eigenen 50er und was sie von einer Frauenquote hält.
Frau Kupfer, vor fast 20 Jahren haben Sie und Christine Weiner das Buch „Das Pippilotta-Prinzip“ veröffentlicht. Auch Ihr neuestes gemeinsames Projekt „Simply the Best“ richtet sich wieder explizit an Frauen. Wie kam es dazu?
Carola Kupfer: Die Idee damals war: Wie wäre Pippi Langstrumpf, wenn sie zwischen Mitte 20 und Mitte 40 wäre? Wir haben deshalb die Geschichten von Pippi ausgewertet und geschaut, was man daraus für Frauen um die 30 ableiten kann. Weil das Buch sehr erfolgreich war und Pippi Langstrumpf im vergangenen Jahr 80 wurde, haben wir gemeinsam mit dem Campus Verlag überlegt, ob es Sinn macht, diese Idee fast zwei Jahrzehnte später nochmal aufzuarbeiten – nur eben jetzt für Frauen ab 50 Jahren.
Sie haben sich offenbar entschieden, ein neues Buch zu schreiben. Die Kinderbuchfigur von Astrid Lindgren spielt in „Simply the Best“ aber keine Rolle...
Kupfer: Wir kamen schnell darauf, dass Frauen 50 plus sich nicht mehr so sehr für Pippi Langstrumpf interessieren. Die Zielgruppe ist aber super interessant. Sowohl Christine Weiner als auch ich können mittlerweile auf unsere 50er zurückblicken. Und wir haben damals beide ziemlich viel Neues gemacht.

Das bedeutet, in das Buch sind auch Ihre eigenen Erfahrungen mit eingeflossen. Wie blicken Sie auf Ihre 50er zurück?
Kupfer: Für mich war das eine ganz tolle Zeit. Dadurch, dass meine Kinder ausgezogen sind, hatte ich plötzlich relativ viel Zeit. Mein Mann und ich haben damals entschieden, dass wir zu zweit auch kein so großes Haus mehr brauchen und sind in Regensburg in eine Wohnung in der Stadt gezogen. Ich bin dort voll in die Kultur- und Kreativwirtschaft eingestiegen – eine Branche, in der in den letzten zehn Jahren wahnsinnig viel passiert ist. Ich durfte daran beteiligt sein und automatisch kam dadurch in meinen eigenen Beruf unglaublich viel Schwung.
Wie meinen Sie das?
Kupfer: Ich bin ja Schriftstellerin. Da habe ich viele neue Kolleginnen und Kollegen kennengelernt. Aber ich verdiene mein Geld auch als Ghostwriterin. Darüber kann ich natürlich nicht viel reden, weil das – wie es immer so schön heißt – ein sehr diskretes Geschäft ist. Aber auch hier ergaben sich viele neue Kontakte. Beruflich tat sich einfach sehr viel.
2019 haben Sie auch den Bayerischen Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft (BLVKK) mitgegründet und sind seitdem dessen Präsidentin. Außerdem sind Sie mittlerweile Vizepräsidentin der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw).
Kupfer: Diese Perspektive habe ich auch in das Buch eingebracht: sich einfach mal etwas zuzutrauen. Ich bin nicht als Verbandschefin geboren. Das musste ich lernen. Genauso wie Lobbyarbeit, die sehr viel mit Diplomatie und Zuhören zu tun hat. Aber ich wollte das lernen, habe das gelernt und jetzt macht es mir unglaublich viel Spaß.
Neben ihren eigenen Erfahrungen sind natürlich auch die Ihrer Co-Autorin Christine Weiner in „Simply the Best“ eingeflossen. Blättert man in dem Buch, merkt man aber, dass noch viele weitere Frauen zu Wort kommen: Sie nennen sie Role Models, also Vorbilder.
Kupfer: Einige der Frauen kannten wir persönlich, von anderen hatten wir nur gehört oder gelesen. Sie erzählen zu einem bestimmten Thema, ihrem Lebensweg oder ihrer eigenen beruflichen Veränderung. Sophie Mahlo zum Beispiel war Anwältin, gab ihre Kanzlei auf und baute mit den „Gluckigluck-Fischen“, das sind Keramik-Kannen aus England, ein erfolgreiches Unternehmen auf. Yvonne Schuppler-Kammerer zeigt als Influencerin über 50, dass in diesem Alter auch solche Entscheidungen erfolgreich sein können. Es gibt so viele tolle Lebenswege, die die Leserinnen hoffentlich inspirieren.
Ihr Buch trägt den Untertitel „Wenn Frauen 50 plus beruflich noch einmal durchstarten“. Ist das heute einfacher möglich als noch vor einigen Jahren?
Kupfer: Natürlich ist das einfacher. Da müssen wir gar nicht drüber diskutieren. Als wir „Das Pippilotta-Prinzip“ geschrieben haben – und das ist nur 20 Jahre her – war es eine andere Welt. Es hat sich wahnsinnig viel verändert. Das sieht man auch an unseren Role Models: Wir haben viele Frauen dabei, die in Vorständen sitzen oder in leitender Funktion von Organisationen oder Unternehmen waren oder sind. Auf der anderen Seite kommen aber auch Frauen zu Wort, die mit dem, was sie machen vor 20 Jahren wahrscheinlich noch nicht so erfolgreich gewesen wären beziehungsweise nicht die Möglichkeit gehabt hätten, diesen Weg einzuschlagen.
Was muss sich aber noch verändern, um Frauen mehr Chancen zu öffnen? Eine Quote in manchen Bereichen zum Beispiel?
Kupfer: Ich persönlich bin kein Fan davon – anders als Christine Weiner, was im Buch auch zur Sprache kommt. Ich weiß: Quoten haben bewirkt, dass überhaupt mal etwas passiert ist. Trotzdem bin ich eine Freundin von Fachkompetenz und Expertise an den richtigen Stellen. Meiner Meinung nach ist der Dreh- und Angelpunkt nach wie vor die Kinderbetreuung – obwohl sich wirklich viele Väter gut kümmern. Die muss reibungsloser, besser funktionieren und vor allem günstiger sein. In den ersten zehn bis 15 Jahren mit meinen Kindern war an eine Vollzeit-Festanstellung in einem Unternehmen nicht zu denken. Also habe ich mich damals mehr aus der Not selbstständig gemacht beziehungsweise freiberuflich gearbeitet und das dann mein Leben lang gemacht. Aber da hängt ja ganz viel dran. Zum Beispiel die Rente oder die finanzielle Absicherung von Frauen.
Über Carola Kupfer, Christine Weiner und ihren gemeinsamen Podcast
• Carola Kupfer: Die Regensburgerin, Jahrgang 1964, ist Schriftstellerin, Texterin, Schreib-Coach, und Ghostwriterin. Sie ist unter anderem Präsidentin des Bayerischen Landesverbands der Kultur- und Kreativwirtschaft (BLVKK) und Vizepräsidentin der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw).
• Christine Weiner: Die systemische Supervisorin und Beraterin, Jahrgang 1960, begleitet Frauen, die sich beruflich und persönlich weiterentwickeln wollen. Dazu entwickelt sie auch Mentoring-Programme. Sie lebt und arbeitet in Mannheim, Wien und Weimar.
• Buch: „Simply the Best“ ist am 21. August im Campus Verlag erschienen. Es kostet 25 Euro. Dabei handelt es sich Carola Kupfer zufolge „um keinen klassischen Ratgeber“. Man wolle inspirieren und Frauen dazu animieren, „an den richtigen Stellen in ihrem Leben die richtigen Fragen zu stellen“.
• Podcast: Kurz vor Erscheinen des Buchs starteten Weiner und Kupfer auch einen dazu passenden Podcast. In „Beyond50“ sprechen die Autorinnen untereinander sowie mit Gästinnen über Frauen 50plus im Beruf. Zu hören gibt es den Podcast bei Spotify.