Karibik-Feeling in Neustadt: Riesige Staude liefert Bananen aus dem eigenen Garten

Ein Bild wie aus der Karibik. Mike Hartl und seine Ehefrau Marion stehen unter einer haushohen Bananenstaude. Zierliche Bananen hängen unter den riesigen Palmwedeln. Doch das Foto täuscht. Es stammt nicht aus der Karibik oder Asien, sondern aus Niederbayern, aus Schwaig (Landkreis Kelheim).
Costa Tropicana in einem niederbayerischen Dorf. Das ist kein Marketingtrick findiger Tourismusexperten, sondern gelebte Gartenidylle mit Einfamilienhaus. Marion und Mike können es selbst nicht fassen, welches Gärtnerglück sie haben. Andere Menschen noch viel weniger. „Immer wieder bleiben Radfahrer bei uns am Zaun stehen, zücken ihre Handys und fotografieren die Bananenstaude“, sagt Marion. Sie und ihr Mann fühlen sich deshalb nicht belästigt, sie wissen um die Seltenheit des Gewächses in diesen Breitengraden.
Am Dorfrand, da wo ein paar Meter weiter die Felder beginnen und sich die Landwirtschaft in Richtung Pförring öffnet, ist ihnen gelungen, wovon andere Hobbygärtner nur träumen. Begonnen hat es damit, dass Mike beim Blick in seinen Garten befand, dass da etwas fehlte. Zwar gab es schon einen Mammutbaum zwischen Fichten, Sträuchern, Weinstöcken und allerlei Gemüse, aber das reichte nicht. „Ich wollte etwas anderes haben als die anderen“, sagte Mike, „und dann bin ich im Internet auf Bananen gestoßen.“
Erfolg im dritten Versuch
„Winterhart“, versprach der Anbieter, sollten die sein, ließ aber offen, wie das zu verstehen sei. „Der erste Versuch funktionierte nicht“, stellte Mike Hartl nach dem ersten Winter fest. Die Bananenstaude in seinem Garten hatte Frost und gelegentlichen Schnee nicht überstanden. Doch Hartl und seine Frau gaben nicht auf, wagten einen zweiten Versuch, der auch misslang. Ein dritter Versuch glückte. Die Pflanze ist seit einigen Jahren die wohl meist fotografierte neben dem Maibaum in Schwaig.
Die Hartls hatten dazu gelernt. Die Staude hatten sie in einen Bottich gepflanzt und über den Winter in die Garage geholt. Als der Bottich zu schwer und die Pflanze zu groß wurde, blieb die Staude im Garten, wurde aber bei sinkenden Temperaturen im Spätherbst mit einem Vlies abgedeckt. Das schützt vor der ärgsten Kälte. „Das muss aber immer wieder gelüftet werden, weil sich unter dem Vlies Feuchtigkeit sammelt“, erklärt der „Onkel Tucca“ von Schwaig, der seinen Spitznamen einer frühen Fernsehwerbung verdankt.

Die Pflege ist trotz der immer milderen Temperaturen nicht einfach. Im Herbst entkleidet Hartl die Staude ihres umfangreichen und großen Blattwerks. Die Blätter müssen für den kommunalen Kompost außerdem klein geschnitten werden, denn so große nimmt die Anlage nicht an. Und dann geht es das ganze Jahr über weiter. Bei jedem Sturm oder starkem Regen schaut er nach der Staude, bestätigt seine Frau. Mike Hartl selbst stellt fest: „Ich kämpfe um die Bananenstaude.“
Dabei geht es ihm wohl nur um die Zierde für seinen Garten, wenn er sich um die Staude kümmert. Einen Ertrag hat er nicht. Keine einzige Banane haben der Schwaiger und seine Frau bisher essen können. „Die“, sagt Hartl , „sind viel zu klein“ und zeigt auf die Früchte, die von den Blättern geschützt werden. Sie sind so groß wie ein kleiner Finger. Die Blüten gleich daneben sind fast faustgroß. Dennoch sind die Früchte echte Bananen. „Onkel Tucca“ erklärt: „Es handelt sich um keine tropische, sondern eine japanische Staude.“ Der botanische Name lautet „Musa basjoo“, so schrieb es jedenfalls der Versandhändler auf seiner Homepage.
Wie im Urlaub
Das Klima in Schwaig – oder ist das schon der Klimawandel – tut „Musa Basjoo“ gut. „Alle ein, zwei Wochen kommt ein neues Blatt“, sagen die Hartls. „Wir achten auch darauf, dass die Staude im Sommer genug Wasser bekommt. Sie braucht wahnsinnig viel.“ Wie viel genau, haben Mike und Marion nicht gemessen. Möglicherweise würde das ihre Liebe zu „Musa Basioo“ nachhaltig verringern. Für die gute Pflege sprechen nicht nicht nur die neuen Blätter: Jedes Jahr entwickelt die Staude neue Triebe, die aus dem Erdreich drängen. Man könnte sie ausgraben und anderswo einpflanzen, doch das tun die Hartls nicht. Sie erfreuen sich an ihrem Unikat.

„Es ist ein Gewächs, das in unseren Breiten exotisch ist“, sagt Mike Hartl. „Es erinnert uns an Urlaub“, ergänzt seine Frau, „und an die Tropen.“ Selber sind sie zwar noch nicht da gewesen, dafür aber mehrfach in der Türkei. „Da wachsen ja auch Bananen“, weiß Onkel Tucca.
Sommer, Sonne, Palmen haben die Hartls vor der Tür, gewissermaßen die Copa Tropicana im eigenen Garten. Den passenden Strand für den Hauch von Karibik in Niederbayern gibt es ein paar Hundert Meter entfernt, am Schwoagara Meer, dem Neustädter Stadtweiher.