Tochter verhilft Papa zum neuen Job - Für Helmut Liedl ist es „Schicksal“

Warten lohnt und manchmal ist es besser, nicht auf das erstbeste Angebot einzugehen. Diese Erfahrung musste jetzt auch die Stadtverwaltung machen, als sie nach einem neuen Fährmann für die Eininger Fähre suchte. Der ist jetzt da und scheint ein echter Glücksgriff zu sein.
Helmut Liedl, leicht sonnenverbrannt, ist total begeistert von seinem neuen Job. „Ich bin heute bestimmt schon 20 Mal hin- und hergefahren“, sprudelt es beim Pressetermin mittags im Biergarten an der Fähre aus ihm heraus. „Es war Schicksal, dass ich diese Stelle gefunden habe“, meint der neue Fährmann. „Ich bin an der Donau in Vilshofen aufgewachsen. Wir hatten eine Hütte direkt am Fluss, dort haben wir als Kinder gespielt.“ Nach den ersten Tagen im neuen Job ist er überzeugt: „Ich bin gern in der Natur unterwegs. Hier habe ich mich wieder gefunden.“
Schicksal war es wohl auch, dass seine Tochter davon gehört hatte, dass in Eining ein neuer Fährmann gesucht wird, erzählt Liedl. Der 32-Jährige überlegte nicht lange und rief im Neustädter Rathaus an. So verhalf die Tochter dem Papa zum neuen Job.
Zuvor hatte der 32-Jährige, der mit seiner Familie in Abensberg wohnt, sein Geld unter anderem als Versicherungskaufmann verdient. Bevor er als Fährmann engagiert war, musste Helmut Liedl den Umgang mit der Fähre lernen und eine Prüfung ablegen.
Prüfung vom TÜV
„Vor sechs Wochen war das. Mit Theorie und Praxis“, erzählt er. Die Prüfung habe ein Mitarbeiter des TÜV vorgenommen, der Theorieteil wurde im Biergarten abgenommen. Seither ist der 32-Jährige stolzer Besitzer eines sehr seltenen Dokuments – dem amtlichen Gierseil-Führerschein. Der Hinweis auf Gierseil ist dabei wichtig, denn darum geht es bei der Eininger Fähre: Sie hängt an einem Seil und wird von der Strömung von einem Ufer zum anderen getrieben.

Trotz inzwischen vieler Fahrten über die Donau hat Helmut Liedl den Respekt vor seiner Arbeit nicht verloren. „Von außen sieht das alles sehr leicht aus“, sagt er: Fahrzeuge und Menschen rauf auf die Fähre, mit einem kräftigen Stecken vom Ufer abstoßen und auf der anderen Seite des Flusses wieder anlegen. „Doch“, sagt Liedl weiter, „Sicherheit ist wichtig. Die Gefahr ist groß, dass jemand von der Fähre ins Wasser fällt.“ Das kann während der Überfahrt passieren, aber auch beim Anlegen, wenn der Schiffskörper zu hart am Ufer aufsetzt und ein Ruck durch den Rumpf geht.
Deshalb muss der Fährmann auch immer auf die Belastung der Fähre achten. Maximal drei Tonnen darf sie transportieren. 30 Personen dürfen mitfahren, die größte Einzellast darf 1,8 Tonnen nicht überschreiten, wobei das für moderne Traktoren oder auch große Pkw bedeuten kann, dass sie nicht auf die Fähre dürfen, weil sie das Einzelgewichtslimit überschreiten.
Helmut Liedl hat sich in seinem neuen Beruf sofort wohl gefühlt, sagt er. Und das liege nicht nur an der Arbeit in der Natur. Ihm sei auch der Kontakt zu den Menschen wichtig. Und da scheint der 32-Jährige ein echter Glücksgriff für die Stadt zu sein. Er kommt mit allen Fahrgästen, vor allem auch Touristen, schnell ins Gespräch, erzählt von den Besonderheiten der Region und wirbt auf diese Weise für den Fremdenverkehr und Urlaub im Landkreis Kelheim.

Bürgermeister Thomas Memmel kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. „Man trifft immer irgendwelche Leute, mit denen man ins Reden kommt“, sagt er. Egal, ob es sich dabei um Touristen aus England, der Schweiz oder den Niederlanden handelt – „wir bringen die Menschen zusammen“, stellt der Fährmann fest, der seine ersten prägenden Erlebnisse bereits gehabt hat.
Und der Fährmann schiebt
So kam unlängst eine Gruppe von 20 Mofafahrern zur Fähre. Sie wollten von Hienheim nach Eining übersetzen, doch Helmut Liedl hatte gerade Mittagspause und saß am Eininger Ufer. Da hat der 32-Jährige kurzerhand über den Fluss gerufen und die Mofatruppe über die Pause informiert. „Die haben brav gewartet, bis die Pause um war, dann bin ich rüber und habe sie geholt.“ Als dann am Eininger Ufer ein Mofa nicht ansprang, gab Liedl auch noch „Anschubhilfe“.
Gut in Erinnerung hat der Abensberger auch noch die Hienheimer Kinder, die sich jetzt in den Sommerferien oft von ihm über die Donau schippern ließen. Sie wollten nur auf den Eininger Kinderspielplatz. „Und dann gibt es noch die Besucher, die von der Fährer so begeistert sind, dass sie gleich mehrfach hin und herfahren“, erzählt der 32-Jährige.