See in Neustadt wird regelmäßig zur Party-Zone – die Badegäste sind genervt vom Müll

Von Jochen Dannenberg · 20. August 2025 um 11:13

Das Naherholungsparadies Stadtweiher hat ein Problem – es ist zu beliebt. Der See, der Strand, die Spielgeräte und die Liegewiese locken zu viele Menschen an. Der Müll, der liegenbleibt, ärgert die Stammgäste.

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Claus Englert ist einer von ihnen. Der 63-jährige Neustädter kommt oft an den Badesee. Er genießt wie viele andere – Familien mit Kindern, Jugendliche und Rentner – die Erholung in der Natur, die weitläufige Wiese und das klare Wasser des Sees. So wie Englert kommen auch andere Besucher regelmäßig zum „Schwoagara Meer“, viele der Besucher kennen sich untereinander. Man ratscht miteinander, tauscht Neuigkeiten aus.

Doch vor wenigen Tagen war für den 63-jährigen Schluss mit der Gemütlichkeit am See. Es war Montag. Dafür musste Claus Englert nicht in den Kalender sehen, er sah es daran, wie es an dem ehemaligen Baggerweiher aussah. Überall lag Müll rum. Flaschen, Verpackungen von Lebensmitteln, Kronkorken, Kippen und sogar eine Schüssel, in der sich noch die Reste eines Essens befanden.

„Es sah schlimm aus“, sagt Englert. „Am Sonntag war gegrillt und gefeiert worden“, stellt er fest und fragt sich, warum das so ist, warum die Leute nicht die Mülltonnen für ihren Abfall nutzen und zeigt welche Auswüchse die Gedankenlosigkeit erreicht hat: Statt in der Tonne liegt der Müll daneben. Lagerfeuer werden nicht in den dafür vorgesehenen Stellen entfacht, sondern anderswo. Für die Lagerfeuer werden bisweilen sogar junge Bäume „mit einer Akkusäge“ abgesägt, um verfeuert zu werden, hat der 63-Jährige beobachtet. Andere Besucher bringen statt der Säge ihr eigenes Kaminholz mit.

„Gerammelt voll“

„Am Wochenende ist es hier oft gerammelt voll“, beschreibt Englert die Situation am See. „Und dann kommen auch Leute mit Lautsprecherboxen und beschallen die ganze Umgebung“, sagt ein anderer Badegast im Gespräch mit dem Reporter dieser Zeitung.

Hinterlassenschaften einer Party: eine Schüssel, in der sich noch die Reste einer Mahlzeit befinden, und Verpackungsmüll - Foto: Jochen Dannenberg

„Normal ist es richtig schön hier“, sagt Claus Englert. „Aber“, sagt der andere Badegast, „man weiß ja manchmal nicht, wo man sich hinsetzen oder -legen soll.“ Vor den fest installierten Tischen und Bänken gruselt‘s ihm. Unter denen liegen – fest im Rasen eingetreten – unzählige Zigarettenkippen und Kronkorken.

Immer wieder, betont Englert, habe er deshalb mit Besuchern gesprochen, die nicht daran dächten, dass auch die übrigen Badegäste sich erholen wollten. Die Ergebnisse dieser „Unterredungen“ scheinen allerdings nicht allzu erfolgreich gewesen zu sein, wie sich regelmäßig nach den Wochenenden am See zeigt.

Nicht in der Tonne, sondern daneben landete dieser Müll. - Foto: Jochen Dannenberg

Tatsächlich ist der Stadtweiher, seit er vor rund 20 Jahren für den Badebetrieb hergerichtet wurde, äußerst beliebt – nicht nur bei Neustädtern, sondern auch bei Auswärtigen. An den Fahrzeugkennzeichen auf dem großen Parkplatz kann man sehen, woher die Besucher kommen. Die Landkreise Eichstätt, Landshut und Pfaffenhofen a.d. Ilm sind genauso vertreten wie Ingolstadt. Der See lockt dabei nicht nur mit seiner Anlage – Toiletten, Kiosk, Bar, Spielgeräten und großer Wiese –, sondern auch mit kostenlosem Eintritt. Auch der Parkplatz kann kostenlos benutzt werden.

Die Logik, warum man weite Anfahrten in Kauf nimmt, erschließt sich damit schnell: Was man an Eintritts- und Parkplatzgebühren spart, kann man für Getränke und Imbiss ausgeben. Und wenn keiner für Ordnung sorgt, lässt man seinen Müll ganz ungeniert liegen.

In die Tonne oder mitnehmen

Bürgermeister Thomas Memmel weiß um die Probleme am See. Auch ihm gefällt nicht, was da bisweilen abgeht. „Wir haben nichts gegen Partys am See“, stellt er klar. Aber anschließend müsse der Müll auch eingepackt und mitgenommen oder in die Tonnen am See geworfen werden.

Damit der Müll nicht überhand nimmt und im besten Fall nicht zu einem großen Problem wird, schickt die Stadtverwaltung an sechs Tagen pro Wochen einen Mitarbeiter vorbei, der zwei Stunden lang aufräumt.

Ein immer wiederkehrendes Ärgernis sind für den Mann die Scherben, die sich von zerbrochenen Glasflaschen in der Anlage finden lassen. „Da ist unser Mitarbeiter hinterher, er versucht die Wiese scherbenfrei zu kriegen“, betont der Bürgermeister. Einfacher wäre es freilich, wenn die Besucher die Mülltonnen benutzen würden. „Dann bräuchte unser Mitarbeiter nur die Abfalleimer ausräumen.“

Feuerplatz: Manche Besucher bringen sich Kaminholz mit. - Foto: Jochen Dannenberg

Die Lösung? Der Bürgermeister sagt: „Ich kann nur an die Besucher appellieren, auf Ordnung am See zu achten.“ Vielleicht braucht es aber auch mehr Leute wie Claus Englert, die auch mal mit denen reden, die es zu wüst treiben. Vielleicht wird denen das ja doch mal zu dumm.

Während der Woche geht es am Badesee äußerst entspannt zu. - Foto: Jochen Dannenberg