Kunstwerke, Geld, Fahrräder: Diese Dinge verlieren die Regensburger

Manfred Stuber ist der Herr der verlorenen Dinge im Regensburger Fundamt. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet er dort, zur kommenden Dultzeit erwartet er vor allem wieder „Nachschub“ an Trachtenjankern, Sonnenbrillen oder Taschen. Die nächste Versteigerung findet am 12. November statt.
Monet vermisst sein Bild im Regensburger Fundamt wohl nicht – zumindest kann er es nicht mehr abholen. Ohne Besitzer landet das Gemälde eines womöglich mediterranen Sonnenuntergangs dann einfach im Fundamt. Wie wohl ein Gemälde wie dieses seinen Weg dorthin findet?
Diese Frage stellt sich Manfred Stuber bei so einigen Gegenständen, die bei ihm landen. Er arbeitet seit mehr als 25 Jahren im Minoritenweg, empfängt, verwahrt, retourniert, versteigert oder entsorgt verlorene Gegenstände. Neben den eher spärlich verfügbaren Kunstwerken sind zahlreiche Schlüsselbunde, Handys und Handtücher im Angebot.
600 Schlüsselbunde pro Jahr
Auch circa 250 Fahrräder sind aktuell im Bestand des Fundamts. Ständig werden diese von Findern oder der Polizei abgegeben. Das sind die üblichen Dinge, die der Regensburger so verliert – über das Jahr verteilt werden rund 600 Schlüsselbunde im Fundamt aufbewahrt. Darunter finden sich auch einige Sportwagenschlüssel. Ansonsten sind noch kistenweise Kleidung oder Badesachen in den Lagerregalen.
Es werden gar nicht alle Kleidungsstücke einzeln registriert, sagt Stuber, das wäre auch gar nicht möglich bei der großen Garderobe. Für die kommende Herbstdult erwartet er wieder einiges an Trachtenjankern, Sonnenbrillen oder Taschen, die am Dultplatz aufgegabelt werden.
Etwas rarer wird es bei Geldbeträgen, die in den Tausenderbereich gehen. Hin und wieder werden solche Bündel in bar tatsächlich abgegeben – der gesetzliche Finderlohn ist dabei nur ein geringer Prozentsatz des Betrages, drei bis fünf Prozent.
Stammkunden hoffen auf Schnäppchen
Wenn während des sechsmonatigen Zeitraums der Aufbewahrung im Minoritenweg kein Besitzer ausfindig gemacht wird, werden die Stücke versteigert. Insgesamt sechsmal im Jahr – dreimal nur für Fahrräder, dreimal für Sonstiges. Dabei sind oft Stammkunden vertreten, die dann darauf hoffen, teuren Schmuck oder sonstige Artefakte für geringes Geld zu ersteigern. Bei verlorenen Handys ist es ähnlich, davor wird aber von Technikern der komplette Speicher der Geräte auf Null gesetzt. Somit wird der Datenschutz nicht verletzt und die Telefone werden wie neu versteigert – allerdings übers Internet und nicht bei den Versteigerungen.
Wer den imitierten Monet oder Matisse ersteigern will, kann sein Glück am 12. November versuchen – und wer weiß, vielleicht kreuzt das Gemälde per Zufall irgendwann mal wieder seinen Weg mit dem ursprünglichen Besitzer. Bis dahin verweilt es noch im Lagerregal des Fundamts.