Zum 60. einen Wunsch erfüllt: Hans Hofrichter radelte von Rieden bis ans Nordkap

Von Michael Rabenhofer · 22. August 2025 um 19:00

Radfahren ist Hans Hofrichters große Leidenschaft. „Das Fahrrad ist das Fortbewegungsmittel meiner ersten Wahl“, sagt er im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung. Unzählige Kilometer hat der 60-jährige aus Rieden (Landkreis Amberg-Sulzbach) im Laufe seines Lebens auf dem Radl zurückgelegt, Reisen in benachbarte Länder unternommen und oft das Fahrrad auf dem Weg in die Arbeit nach Regensburg benutzt.

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Daheim in Rieden ist Hans Hofrichter vor allem als langjähriger Theaterspieler und Gründungsmitglied bei „D’Goaslandler“ bekannt. Nun gipfelte seine Leidenschaft in einer imposanten Tour ans nördliche Ende Europas. Von Rieden aus legte Hans Hofrichter 3370 Kilometer, 19 400 Höhenmeter und 163 Stunden im Sattel, wohlgemerkt ohne elektronischen Antrieb, zurück und kam nach 20 Tagen am Polarkreis an.

„Den Wunsch, einmal mit dem Fahrrad ans Nordkap zu fahren, hatte ich schon länger. Letztlich beschenkte ich mich selbst zu meinem 60. Geburtstag mit dieser Radtour“, erklärt Hofrichter.

Der Starttag, 2. Juli: Am Ende kamen bei der Strecke noch 120 Kilometer wegen Umfahrungen einer Schnellstraße hinzu. - Foto: Hans Hofrichter

Einfach so spontan nach Norwegen, das wird auf dem Fahrrad schwierig und so war eine lange Vorbereitung notwendig. Dabei steigerte Hans das Fahrradtraining, im Winter schraubte er etliche Kilometer auf dem Indoor-Bike im eigenen Keller runter.

„Da habe ich mir natürlich zur Motivation Internetvideos über Skandinavien und das Nordkap angeschaut“, lacht Hofrichter. Zu Gute kam ihm natürlich die große Erfahrung rund um das Fahrradfahren. Sobald es das Wetter zulässt, fährt Hans Hofrichter zweimal wöchentlich von Rieden nach Regensburg zu seiner Arbeitsstelle als Drucktechniker bei der Firma Aumüller Druck.

Auf zwei Rädern unterwegs

Ausflüge mit Ehefrau Hildegard und den drei gemeinsamen, erwachsenen Kindern, etwa nach Amberg unternimmt er gern ohne Motor. „Klar, das machen wir fast immer mit dem Radl, da kann ich in Amberg bis ans Geschäft fahren und brauche auch keinen Parkplatz“, so der Riedener. Frühere Reisen führten ihn mit dem Fahrrad in benachbarte europäische Länder. Im vergangenen Jahr fuhr er mit seiner Hildegard auf dem Drahtesel von Rieden nach Venedig. Nun stand im Winter rund um seinen 60. Geburtstag die Planung und Vorbereitung für die anspruchsvolle Reise an. Hans nahm dafür einen Großteil seines Jahresurlaubs her, hatte somit für die Reise etwas mehr als drei Wochen Zeit.

Am Ende bin ich durchschnittlich jeden Tag 180 Kilometer gefahren und kam etwas zu früh am Nordkap an.

Hans Hofrichter

„Hinaufkommen in den drei Wochen ist kein Problem, wenn alles glatt läuft, aber wieder zurückfahren, so viel Urlaub hatte ich nicht übrig“, so Hans weiter. Die Lösung fand sich schnell mit den Töchtern Hanna und Franziska sowie Ehefrau Hildegard.

Die drei Frauen machten selbst Urlaub in Schweden mit einem gemieteten Wohnmobil, während Hans sich täglich mindestens 150 Kilometer auf dem Rennrad vornahm Das gemeinsame Ziel: Das Nordkap in Nordnorwegen. „Am Ende bin ich durchschnittlich jeden Tag 180 Kilometer gefahren und kam etwas zu früh am Nordkap an“, schmunzelt Hans. Mentale Fitness ist dabei sehr wichtig, denn Rückschläge gab es auch in der Vorbereitung, die Zweifel aufkommen ließen. „Zwei Wochen Pause wegen einer Erkältung im Frühjahr, manchmal haderte ich, ob ich das alles schaffen werde“, erklärt der Fahrradfan.

Zurück in Rieden ist Hans Hofrichter glücklich über das Erreichte – und hat eine kleine Erinnerung vom Nordkap mitgebracht. - Foto: Michael Rabenhofer

In der Woche vor dem Start war bei ihm die Anspannung groß, der Schlaf entsprechend schlecht. Aber Hans konnte und wollte schließlich keinen Rückzieher machen.

Dann kam der große Tag: Am 2. Juli um 6 Uhr früh schwang sich Hans Hofrichter mit viel Motivation und einem starken Willen auf sein fünf Jahre altes Rennfahrrad und radelte los.

Da sich Hans den kürzesten Weg vom Vilstal in den hohen Norden ausgesucht hatte, führte ihn die Strecke auch rund fünfzig Kilometer durch Tschechien, vorbei an Asch. Bereits nach drei Tagen war er an der Ostsee in Rostock angekommen. Der Weg über das Meer mittels Fähre war der Einzige ohne Fahrradkilometer.

Auf den Streckenabschnitten durch Südschweden und auch weiter nördlich erlebte Hans dabei „den“ skandinavischen Jahrhundertsommer. Während es daheim in der Oberpfalz zu der Zeit recht frisch war, stieg das Thermometer in Schweden auf 35 Grad an. Von den insgesamt 19 Fahrtagen wurde Hofrichter nur an eineinhalb Tagen vom Regen erwischt. Sensationell pannenfrei kamen die zurückgelegten 3370 Kilometer zu Stande.

„Nur eine Schraube vom Gepäckträger ging verloren, aber mit einem Kabelbinder war das Problem schnell gelöst“, zeigt sich Hans zufrieden. Tierische Begegnungen mit zahlreichen Rentieren gab es, vor allem in Lappland. Insgesamt durchquerte Hans nach Deutschland und Tschechien auch die Länder Dänemark, Schweden, Finnland und eben zum Ende hin Norwegen.

23 Stunden Sonnenlicht

Beeindruckt haben den Radsportler die endlosen Weiten im hohen Norden. Immer wieder begegnete er anderen Radfahrern, alle mit dem gleichen Ziel Nordkap. Ein unglaubliches Gefühl sei es, 23 Stunden Sonne an manchen Tagen zu haben, so der Vilstaler. Denn dort oben geht im „Mittsommer“ die Sonne ein paar Wochen lang gar nicht unter. Immer mit dabei knapp 20 Kilo Gepäck, darunter ein nagelneues Zelt zum Übernachten. „Ich habe immer spontan nach Unterkünften gesucht.

Da die Preise überraschend günstig waren bei Hotels mit Frühstück, habe ich das Zelt nur in einer Nacht gebraucht“, freut sich Hans. Diese eine Nacht im Zelt hat den Riedener sichtlich bewegt, denn die gab es am Nordkap unter einem beeindruckenden Sternenhimmel. Dies war am 20. Juli, Sonntagabend, als Hans pannenfrei und körperlich fit das Nordkap erreichte. Einen Abend später fand das feierliche Wiedersehen mit seinen Töchtern und Ehefrau Hildegard bei Pasta und Radler im gemeinsamen Wohnmobil statt.

Eine intensive und für die Seele sehr gute Erfahrung war diese Tour bis ans Nordkap für Hans Hofrichter. Natürlich gibt es schon Ziele für die kommenden Jahre. „Eine Rundfahrt durch ganz Italien würde mich schon sehr reizen“, blickt Hans voller Vorfreude in die Zukunft.