Hirschbergturm bei Neunburg seit halbem Jahr offen: Viel Lob, jüngst aber unschöner Vorfall

Wer den Hirschbergturm bei schönem Wetter besteigt, wird dort selten allein bleiben. Viele Besucher steuern die neue Attraktion bei Neunburg an. Auch während der Stippvisite des Regensburger Bundestagsabgeordneten Stefan Schmidt (Grüne) trafen immer wieder Radler und Wanderer am Hirschbergturm ein – und das unter der Woche an einem Dienstag.
Christian Meyer, Geschäftsführer des Oberpfälzer Naturparkvereins und Wirtschaftsförderer des Landkreises Schwandorf, ist überzeugt, dass sich die Investition gelohnt habe. Fast 800 000 Euro kostete der knapp 30 Meter hohe Hirschbergturm. Die Hälfte wurde über Fördermittel finanziert, die andere Hälfte teilten sich der Landkreis Schwandorf (20 Prozent), die Stadt Neunburg (20 Prozent) und der Naturparkverein (10 Prozent). Ohne die Förderung wäre der Bau des neuen Holzbergturms nicht möglich gewesen, meinte Meyer.
In Anwesenheit vieler Politiker wurde der Neubau am 20. März 2025 eingeweiht – also vor genau einem halben Jahr. Wie viele Besucher seitdem auf dem Hirschbergturm waren, kann keiner sagen, denn der Aufstieg ist kostenlos. Dies war das Ziel der Initiatoren: Auch Angebote zu schaffen, die nichts kosten. Für diejenigen, die sich den Besuch der Holzkugel am Steinberger See nicht leisten könnten, sei der Hirschbergturm die kostenlose Alternative, fand Johannes Lohrer, Geschäftsführer des Zweckverbandes Oberpfälzer Seenland. Und für die anderen sei es eine Ergänzung im touristischen Angebot.
Der Turm kann nicht nur kostenlos besucht werden, auf der Plattform in 26 Meter Höhe gibt es auch ein Fernrohr, das ohne Geldeinwurf genutzt werden kann. Zudem werden Namen und Infos zu den Orten und Bergen in der Umgebung eingeblendet. Meyer hatte ein solches Fernrohr in der Schweiz entdeckt und wollte es auch auf dem Hirschbergturm haben. „Man muss nicht überall einen Euro reinwerfen“, so Meyer.
Bereits das dritte Gästebuch wird am Hirschbergturm gefüllt
Ein Gradmesser, wie groß das Interesse am Hirschbergturm ist, könnten die Gästebücher auf der Plattform sein. Zwei Bücher mit jeweils 70 Seiten sind bereits voll. 454 Eintragungen hat Gebietsbetreuerin Birgit Simmeth im ersten gezählt, im zweiten waren es 397. Auch in das dritte Buch haben sich schon knapp 120 Besucher und Gruppen eingetragen. Es ist etwa zur Hälfte voll. Allein in der vergangenen Woche wurden 15 Seiten gefüllt. Eine sechsköpfige Gruppe hatte am 13. August sogar ein kleines „Gemälde“ mit Turm und Radlern hinterlassen.
Die Eintragungen zeigen, dass es sich bei den Besuchern sowohl um Einheimische wie auch um Urlauber handelt. Die Auswärtigen kommen beispielsweise aus dem Vogtland, dem Allgäu, Augsburg, aus der Nähe von Fürth, Berlin, Rostock, Potsdam, dem Thüringer Wald oder Luxemburg. Auch polnische und tschechische Gäste haben sich verewigt.
Bei gutem Wetter Aussicht bis zum Mariahilfberg bei Amberg
Immer wieder wird die spektakuläre Aussicht gelobt. Wie Birgit Simmeth erklärte, können die Besucher bei gutem Wetter bis zum Mariahilfberg bei Amberg schauen. Auch das Fernrohr wird als „besonders toll“ bezeichnet. „Hierfür haben wir gerne Steuern bezahlt“, schrieb eine Besucherin. Grünen-Politiker Schmidt trug sich auch ins Gästebuch ein: „Hier lässt es sich gut aushalten, zur Ruhe kommen, die Natur erleben, die Aussicht genießen. Vielen Dank für dieses schöne Erlebnis.“
Hier lässt es sich gut aushalten, zur Ruhe kommen, die Natur erleben, die Aussicht genießen.
Stefan Schmidt, Grünen-Bundestagsabgeordneter
An Wochenenden und Feiertagen sei schon mehr los, aber auch unter der Woche kommen viele vorbei, hat Birgit Simmeth bei ihren regelmäßigen Kontrollgängen beobachtet. Die meisten Besucher wüssten, dass sie nicht mit dem Auto bis zum Hirschbergturm fahren können, da er im Naturschutzgebiet steht, so die Gebietsbetreuerin. Hin und wieder würde zwar jemand mit dem Auto vorfahren, doch die Zahl habe gegenüber den ersten Wochen nach der Eröffnung abgenommen.
Für die Turmbesucher gebe es am südlichen Ortsausgang von Fuhrn einen Wanderparkplatz, auf dem mindestens fünf Fahrzeuge Platz finden. Laut Meyer sollen noch weitere Parkmöglichkeiten an anderer Stelle geschaffen werden.
Notdurft auf der Plattform sorgt für Diskussion im Netz
Viele Besucher bergen auch immer die Gefahr von Vandalismus und Vermüllungen. Birgit Simmeth hat bislang nichts derartiges feststellen können. Die Mülleimer werden regelmäßig von Mitarbeitern der Stadt Neunburg geleert.
Auch wenn den Verantwortlichen keine Vermüllungen bekannt sind, so gab es jüngst dennoch einen unschönen Vorfall, der in den sozialen Netzwerken heiß diskutiert wurde. Laut einem Post muss ein Besucher seine Notdurft mitten auf der Plattform hinterlassen haben. Im Diskussionsforum sind sich die User einig, dass so etwas gar nicht geht – selbst wenn es ein Kind war.
Birgit Simmeth hatte den größeren Fleck ebenfalls gesehen, auch wenn die Hinterlassenschaften bereits beseitigt waren. „Es gibt immer Leute, die übers Ziel hinaus schießen.“ Es handele sich aber um einen Einzelfall, betonte sie.
So entstand der neue Hirschbergturm bei Neunburg
• Sperrung: 2019 wurde der alte Aussichtsturm gesperrt. Er war morsch.
• Planung: 2020 wurde der Auftrag für die Planung eines neuen Turmes vergeben.
• Ertüchtigung Wege: Im Herbst 2021 wurden die Wege für die Anfahrt zum Turm durch Staatsforsten ertüchtigt.
• Abbruch: Ebenfalls im Herbst 2021 wurde der alte Turm abgerissen.
• Ausschreibung: 2023 erfolgte die Ausschreibung für den Bau des neuen Turms. Den Auftrag erhielt die Zimmerei Holzbau Aumer aus Weiding im Landkreis Cham.
• Bau: 2024 wurde der neue Turm schließlich errichtet und im Februar 2025 abgenommen.