Nach dem Drachenstich Furth im Wald: Das Leben geht weiter, die Erinnerung bleibt

Am Sonntag ist der letzte Vorhang für die Festspielsaison 2025 gefallen. Wie geht es dem diesjährigen Ritterpaar drei Tage später? Sind sie schon wieder in der Realität angekommen oder hängen sie noch im Jahr 1431 fest?
Gut sehen beide aus als wir uns am Mittwochmorgen im Garten des VIP treffen. Antonia hat das lange braune Haar offen, trägt einen luftigen Sommerrock sowie ein weißes Oberteil und zeigt das sympathische Lächeln, das sie so ausmacht. Tobias Jelinek fährt sich durchs Haar, war gerade beim Friseur, blaues T-Shirt, kurze Hose, auch er sieht ausgeruht aus und strahlt.
Ein wenig Wehmut
Inzwischen geht es, meint Tobias. „Aber am Montag war es schon ganz komisch. Ich habe immer wieder aufs Handy geschaut, ob nicht doch noch ein Termin ist.“ Einer war dann auch noch: Am Montagabend ein Abschiedsfest in der Brauerei Dimpfl. Auch Antonia ist ein wenig wehmütig. „Ich war zum Schluss schon traurig, weil es so schön war.“ Schon bei der Vorstellung sind bei ihr die Tränen geflossen, weil alles sehr emotional war.
Spätestens als ihr Ritter als Gewolf auf die Bühne kam und die Kette mit der Rose übergab. In den vorausgegangenen Jahren hat Tobias stets den Gewolf, Überbringer der traurigen Nachricht, gespielt. „Da habe ich ja schon vor einigen Ritterinnen gekniet. Also musste ich das auch bei meiner Ritterin tun“, sagt er und lacht. Zur Erklärung: Bei der letzten Aufführung bauen die Spieler kleine Veränderungen ein. Sehr zur Freude der eingefleischten Drachenstichfans, die versuchen möglichst, alle zu finden (wir berichteten). Gewusst hat Antonia nichts davon, geahnt vielleicht, aber sie hat nicht geglaubt, dass er es wirklich macht. Rückblickend war das für Antonia ein sehr schöner Moment.

Am Sonntag nach der Vorstellung, sagt Tobi, war er erst einmal fix und fertig. Davor war er aufgeregter als sonst. Als das Tor aufgegangen ist, ist ihm erst bewusstgeworden, wie gewaltig das ist, was Furth im Wald hier jedes Jahr auf die Beine stellt. Für sich selbst hat er das erst zwei Tage später realisiert. „Mir ist gestern erst so richtig in den Sinn gekommen, was ich da eigentlich angestellt habe.“ Beide haben ja schon in verschiedenen Funktionen Drachensticherfahrung. Doch während Tobias die Zeit insgesamt nicht anders als sonst empfunden hat, sagt Ritterin Antonia: „Für mich war es noch einmal, wie ein anderes Stück.“ Besonders auch, weil man ja permanent im Mittelpunkt steht und kaum die Möglichkeit hat, sich ein wenig zurückzuziehen.
Jeder hat mich gedrückt und war für mich da.
Ritterin Antoniua Buschek
Bei der Frage nach den schönsten Momenten muss Antonia nicht lange überlegen: „Der Zusammenhalt hinter der Bühne, jeder hat mich gedrückt und war für mich da.“ Der schönste Moment im Stück ist für sie die Anfangsszene hoch oben auf der Burgmauer, wenn sich beide ihr Leben versprechen. „Wir drücken uns vorher noch einmal“, auch der Blick über die Arena, die ausverkauften Ränge, „und wenn 1000 Leute für dich klatschen“, sind atemberaubend.
Den Zusammenhalt und die Harmonie hat Tobias ebenfalls empfunden, kann auch bestätigen, dass es einem durch Mark und Bein fährt, wenn Schauspielkollegen lauthals „Udo“ rufen. Ein anderer Moment hat ihn aber am allermeisten beeindruckt. Das war der Abend, als er vom Pferd gerutscht und sofort wieder aufgesessen ist und seinen Job als Drachentöter bravourös erledigt hat. „Ich werde nie vergessen, wie auf den Rängen alle aufgesprungen sind und gejubelt haben.“ In diesem Zusammenhang betont er auch noch einmal die Verbundenheit zu seinem Reittrainer Willi Späth. „Mir war es immer wichtig, nach dem Stück zu ihm zu gehen und Danke zu sagen.“
Das wird ein Leben lang immer wieder Thema sein.
Ritter Tobias Jelinek
Urlaub gibt es für beide erst einmal nicht. Sie werden an ihren jeweiligen Arbeitsstellen sehnsüchtig erwartet. Zum Schluss: Was möchten sie ihren potenziellen Nachfolgern mit auf den Weg geben? „Auf jeden Fall machen“, sagt Antonia. Aber man müsse sich auch darauf einstellen, dass es Arbeit ist und man viele Termine hat, so Tobi.
Training und Sprechübungen
In Bezug auf das Reiten sagt er: „Trainieren, trainieren, trainieren.“ Auch Antonia hat einen Tipp für ihre Nachfolgerin: „Auf jeden Fall Sprechübungen machen, meine Aussprache ist dadurch so viel besser geworden.“ Ganz zum Schluss: Wie lange werden die Erlebnisse nachwirken? Tobias übernimmt die Antwort für beide: „Das wird ein Leben lang immer wieder Thema sein.“ Zum Beispiel im kommenden Jahr, wenn er wieder den Gewolf spielt und sich denkt, dass er am liebsten mit dem Ritter tauschen möchte.