Furioses Drachenstich-Finale und ein Loblied auf das Ehrenamt in Furth im Wald

Könnte man sich ein Drachenstichfinale malen, es würde so aussehen, wie es am Sonntagabend über die Bühne gegangen ist: Furios, spektakulär, emotional, garniert mit einer Prise Humor. Hut ab dafür. Man muss aber an dieser Stelle – Achtung Wortwitz – eine Lanze für das Ehrenamt brechen, das die Stadt Furth im Wald (Landkreis Cham) zu dem macht, was sie ist: Eine Hochburg für Großveranstaltungen.
Die Tore gehen auf, wütende Krieger auf Pferden und Streitwagen donnern durch die Arena. Huch, was ist denn das? An zwei Wagen hängen lustige, aufblasbare Drachen. Der letzte Abend ist traditionell mit kleinen Änderungen oder Gimmicks geschmückt, die vor allem Kenner des Stücks amüsieren.
Aus dem Falken wird ein Uhu
Da haben große Krieger schon mal eine Nikolausmütze auf oder bunte Federn am Helm. Aus Udos Falken wird ein Uhu und warum während des ganzen Stücks immer wieder ein aufgespießter Saukopf auftaucht – wer weiß es schon? Man sitzt zu zweit auf dem Pferd, Moslem und Juden haben auf einmal Kinder neben sich auf der Bühne stehen. Alles zu entdecken, was sich die Spieler ausgedacht haben, ist wohl kaum möglich. Oder wer hat mitbekommen, dass nicht Gewolf den Anhänger mit der Rose zur Ritterin bringt, sondern der Ritter höchstselbst? Doch natürlich fehlt auch an diesem Abend nicht das Drama, wenn der Sekretarius sein in Mark und Bein gehendes „Krieg!“ brüllt, die verzweifelte Ritterin sich den Todesengeln entgegenstellt oder Pater Willibald vom Blutbad vor den Toren der Stadt berichtet.
Dann schließlich ist es soweit: Der Drache betritt die Bühne, spuckt Feuer und lässt sein ohrenbetäubendes Brüllen hören. Auch wenn man das schon häufiger gesehen hat, hinterlässt es jedes Mal aufs neue Eindruck. Ein letztes Mal kündigt der Sattelbogner den Ansturm des Ritters auf den Drachen an: Der stürmt, die Lanze in der einen, Goyas Zügel in der anderen Hand, in die Arena und versenkt die Waffe im Maul des Drachen. Nach einem tollkühnen Kampf kommt auch noch Sam zu seinem letzten Auftritt. Tobias Jelinek lässt es sich nicht nehmen, auch mit ihm gegen den Drachen zu reiten. Schließlich ist die Schlacht geschlagen, die Blumen an die Spieler verteilt und der verdiente Applaus abgeholt. Die Schauspieler versammeln sich auf der Bühne, werden von den Zuschauern umringt und freuen sich über Lob. „Das hast du wirklich gut gemacht, das hat mir sehr gut gefallen“, sagt ein junger Mann zum Chamerauer.
Ritterin Antonia Buschek und Ritter Tobias Jelinek reiten auf Goya und Sam unter dem Jubel der Zuschauer aus der Arena. Servus ihr beiden, ihr wart ein mehr als würdiges Ritterpaar.


























Furth lebt, so lange der Drache stirbt, heißt ein geflügeltes Wort in der Stadt. Abgewandelt stimmt aber auch: Furth stirbt nicht, so lange das Ehrenamt lebt. Es ist tatsächlich ganz erstaunlich, was die Drachenstädter bereit sind, zu investieren, um Veranstaltungen wie den Drachenstich, das Cave Gladium, Festumzüge für kleine und große Historienfans oder in diesem Jahr zusätzlich die Landesgartenschau möglich zu machen. Schauspieler auf der Bühne, Helfer hinter der Bühne, Organisatoren, Hand- und Spanndienste zu jeder Tages- und Nachtzeit und vieles mehr, gefühlt sind Jung und Alt im Dauereinsatz.
Beifall für die Further
Bewundernswert und in dieser Form wohl einmalig in Bayern oder sogar Deutschland. Dafür dürfen sich die Further zum Abschluss der Drachenstichsaison noch einmal selbst kräftig Beifall klatschten.