Wolfshunde greifen Chamer Kaplan an und beißen ihm tiefe Wunden in Arme und Beine

Von Christoph Klöckner · 19. August 2025 um 19:00

Nichtsahnend was da kommt, joggt man durch Wiesen, vorbei an einem Hoftor – da tauchen aus dem Nichts drei Wolfshunde auf und greifen an. So passiert vergangene Woche in einem Ortsteil der Gemeinde Traitsching (Landkreis Cham) – das Opfer: Kaplan David Lubuulwa.

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Der Geistliche, der im Sattelbogener Pfarrhof wohnt und täglich immer auf der gleichen Strecke seine Joggingrunde läuft, war auch am Dienstagmittag vergangener Woche gegen 12.40 Uhr dort unterwegs. Der 41-Jährige war dort gerade in der Nähe des Ortsteils Atzenzell, als drei Wolfshunde aus einem offen stehenden Hoftor auf ihn zurannten und ihn attackierten.

Bisse an Armen und Beinen

Laut Polizeihauptkommissar Marco Müller, stellvertretender Dienststellenleiter der PI Cham, erlitt der Kaplan durch den Angriff der Hunde massive Verletzungen an Armen, Beinen und Füßen. Er habe sich mit einem Stock gegen die aggressiven Vierbeiner gewehrt, bevor ein zufällig vorbeikommender 28-jähriger Bulldogfahrer ihm zu Hilfe eilte und ihn auf ein Nachbargrundstück in vorläufige Sicherheit brachte, erläutert Marco Müller den Ablauf.

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Die Hunde hätten zunächst von ihrem Opfer abgelassen und seien weggerannt. Doch seien sie schließlich wieder umgekehrt, um den 28-Jährigen anzugreifen. „Der 28-Jährige hat die Hunde dann mit den Fäusten abgewehrt“, so Marco Müller. Polizei wie Rettungswagen seien angerückt, um dem verletzten Kaplan zu helfen. Ein Hubschrauber habe zudem einen Notarzt aus Straubing eingeflogen. Der 41-jährige Geistliche sei laut Polizeibericht dann zur Wundversorgung ins Krankenhaus nach Cham gebracht worden, sagt Müller.

Die herbeigerufenen Polizeistreife habe schließlich die Anwohnerin ermittelt, zu deren Anwesen die Hunde gehören. Die habe die Wolfshunde dann wieder eingefangen. „Es wird jetzt gegen den 38-jährigen Hundebesitzer wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt“, sagt der stellvertretende Dienststellenleiter der PI Cham.

Bereits vier Angriffe gezählt

Da der Hund per Gesetz als Sache gelte, liege eine gravierende Verletzung der Obliegenheitspflichten vor. Der Polizeibericht gehe ans Veterinäramt und an die Gemeinde, die als Sicherheitsbehörde hier zuständig sei, erläutert Müller. Geprüft werden könne etwa ein Hundebesitzverbot für die Halter, da die Hunde bereits mehrfach auffällig geworden seien.

In der Gemeinde Traitsching sieht man wenig Möglichkeiten, mehr zu tun, als bereits geschehen ist. „Wir machen das Menschenmögliche!“, sagt Bürgermeister Josef Marchl. Die Gemeinde habe wieder ein Bußgeld für die Besitzer der drei Hunde erlassen und die längst bestehenden Anordnungen nochmals erneuert. „Das ist ja nicht der erste Vorfall dieser Art!“, so Marchl. Insgesamt seien bereits vier Attacken aktenkundig: zwei auf Menschen, zwei auf andere Hunde. Doch mehr als Geldzahlungen, Leinenpflicht- und Einzelausführanordnung außerhalb des eigenen Grunds sei schwierig – das sei dann ein Eingriff ins Eigentumsrecht – es seien laut Liste keine Kampfhunde. „Wir hoffen jetzt auf die Staatsanwaltschaft“, sagt Josef Marchl, der den Gemeindebericht mit Eilvermerk dorthin geschickt hat, um die Sache zu beschleunigen.

Lange Zähne – tiefe Wunden

Er ärgert sich auch, dass der Polizeibericht erst am Montag bei der Gemeinde eingetroffen ist. Denn hier müsse möglichst schnell etwas geschehen: „Was ist, wenn da eine Mutter mit Kinderwagen vorbeiläuft und die Hunde ausrasten?“ In der ganzen Gemeinde werde gefordert, hier endlich tätig zu werden. Wichtig sei auch, dass der Kaplan Strafantrag stelle, um mehr machen zu können, was bislang aber nicht passiert sei.

Bislang hat sich Kaplan David Lubuulwa mit seinem Anwalt noch nicht dazu durchringen können – „wir haben uns noch nicht entschieden“, sagt er. Er sei noch am Dienstag nach etwa fünf Stunden Behandlung in der Notaufnahme aus dem Chamer Krankenhaus entlassen worden, nachdem ein Teil der Wunden genäht, ein anderer verbunden wurde. Dennoch muss er immer dorthin, um sich die teils tiefen Bisswunden neu verbinden zu lassen, erläutert er im Gespräch. Manche der zahlreichen Wunden seien sehr tief durch die langen Hundezähne – dadurch sei auch der Schmerz unter der Haut groß. Vor allem Arme und Beine seien mit Pflaster übersät. Er habe zwar lange Hose und lange Ärmel getragen, doch sei die Kleidung zerfetzt worden.

Kleidung zerfetzt

Er sei an dem Tag wie immer an dem Anwesen vorbeigejoggt, schildert der 41-Jährige den Schockmoment. Normalerweise würden die Hunde bellen, wenn er vorbeilaufe. Doch an dem Dienstag sei gerade der Besitzer durchs geöffnete Tor rausgefahren, das sich dann ganz langsam wieder schloss – im gleichen Augenblick hätten ihn die Wolfshunde bereits angegriffen. „Ich habe dem Besitzer noch gewunken, doch der hat nicht bemerkt, was da passiert!“, sagt der Kaplan. Er sei zum Zaun gekrabbelt, auf dem ein Stock gelegen sei, mit dem er die Hunde abzwehren versucht habe.

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„Ich hatte extreme Angst!“, beschreibt er. Zu seinem Glück sei ein Bauer mit Bulldog vorbeigekommen, den er angehalten habe. Der habe den Rettungsdienst gerufen. Gleichzeitig seien weitere Menschen auf der sonst wenig befahrenen Straße vorbeigekommen und hätten geholfen. „Es hätte schlimmer ausgehen können...“, ist sich der Kaplan sicher. Er habe mittlerweile gehört, dass es außer den gemeldeten weitere Attacken der Hunde gegeben habe, die aber nie der Polizei gemeldet worden seien.

Kaplan David Lubuulwa (41) wurde jetzt Opfer einer Hundeattacke. - Foto: Archiv/Elisabeth Lang