51 Häufchen auf 200 Metern: „Tretminen“ in Rötz sorgen für Frust – auch bei Hundebesitzern

In Frankreich oder Südtirol, so wurde in den letzten Jahren publik, werden Hunde oder besser gesagt deren Besitzer nun mittels DNA-Test überführt, wenn sie die Hinterlassenschaften ihres Lieblings nicht beseitigen. So weit geht man in Rötz (Landkreis Cham) zwar nicht, doch das Problem der „Tretminen“ im Stadtgebiet wird auch hier immer größer.
Das haben mehrere Hundebesitzer bei einem Pressetermin im Rathaus berichtet, die sich ihrerseits selbst über diejenigen ärgern, die die Häufchen einfach liegen lassen und so im Endeffekt alle Hundehalter in Verruf bringen. Sie sind Teil einer jeweils sechs- bis siebenköpfigen Gruppe, die sich regelmäßig zum Spaziergang mit ihren Hunden treffen.
Bürgermeister Dr. Stefan Spindler nutzte den Termin allerdings zunächst, um ein anderes Thema anzusprechen, das die Besitzer der Vierbeiner betrifft: die Hundesteuer. 200 Hunde seien im Gemeindegebiet gemeldet, doch die Anwesenden waren sich einig, dass es in Wahrheit durchaus noch ein paar mehr sein könnten. Sie selbst haben ihre Hunde natürlich angemeldet.
Ein Bußgeld droht
Seit 1. März 2021, so Spindler weiter, betrage die Hundesteuer in Rötz 30 Euro im Jahr, für einen Kampfhund mit Negativzeugnis 50 Euro und für einen Kampfhund ohne Negativzeugnis 300 Euro. Macht Einnahmen aus der Hundesteuer in Höhe von rund 6000 Euro pro Jahr. Wer seinen Hund nicht gemeldet hat oder noch nicht, da er frisch nach Rötz gezogen ist, solle das nachholen, appellierte der Bürgermeister. Ansonsten könne später eine Nachzahlung verlangt werden.
Was den Kampf gegen den Hundekot betrifft, betonte Spindler: „Grundsätzlich ist jeder dazu verpflichtet, diesen zu entfernen.“ Es gebe sehr viele, die sich daran halten würden. Sophie Schneider vom Ordnungsamt der Stadt Rötz hatte die Zahlen zu den Bußgeldern parat, die drohen, wenn man beim „Liegen lassen“ erwischt wird: Zwischen 20 und 150 Euro könne einen das zu stehen kommen.
So viele „Tretminen“ wie noch nie
Manchmal, berichtete Spindler, könne man einen Hundehalter direkt mit den Tatsachen konfrontieren: Auf einem örtlichen Spielplatz habe ein Hund öfter einmal sein Geschäft verrichtet. Einmal habe ein Mitarbeiter des Stadtbauhofs diesen dabei fotografieren können und den Hundehalter mit dem Vorwurf konfrontiert – der das Ganze zunächst abgestritten habe, mit dem Foto-Beweis aber letztlich doch zugeben musste.
Einer der anwesenden Hundehalter berichtete von einer Begebenheit: Wenn man höre, wie ein Frauchen ihren Liebling, nachdem dieser auf dem Privatgrundstück von jemand anderem sein Geschäft verrichtet habe, lobe und dann einfach weitergehe, sei das besonders ärgerlich. So viele „Tretminen“ wie derzeit habe es noch nie gegeben, waren die Anwesenden sich einig.
Großes Problem für Landwirte
Eine Berufsgruppe, für die liegengelassene Hundehaufen ein großes Problem darstellen können, sind Landwirte. Wenn der Hundekot in der Wiese landet und die Rinder diesen dann später mit aufnehmen, können diese erkranken, machten die Anwesenden auf die Thematik aufmerksam. Und auch für andere Hunde könnten die Häufchen der Artgenossen auf Gehwegen und Wiesen gesundheitlich bedenklich sein. Ganz zu schweigen davon, wenn der Kot auf Spielplätzen landet und für die Gesundheit der Kinder gefährlich werden könnte – dann könne der betreffende Hundehalter sich sogar strafbar machen, wusste einer der Anwesenden.
Er selbst „spendiere“, wenn er Frauchen oder Herrchen „in flagranti“ erwische, gern auch einmal ein Tüterl, damit die Hinterlassenschaften ihres Lieblings auch in einem der 17 Hundetoiletten im Gemeindegebiet landen würden.
Diese Anzahl, so Spindler, sollte ausreichend sein, so sei es auch in einem Stadtratsbeschluss festgehalten worden. Gemeinsam mit der Gruppe der Spaziergänger, die sich regelmäßig treffen, werde man sich den bestehenden Plan anschauen und aktualisieren, je nachdem, wo weniger oder mehr Bedarf herrsche. Im Bereich Hetzmannsdorf, Richtung Brücke, hatte einer der anwesenden Hundehalter einmal 51 Haufen auf 200 Metern neben der Straße gezählt: „Das ist der schlimmste Bereich, da könnte man noch eine Hundetoilette hinstellen.“ Im Frühjahr soll der neue Plan veröffentlicht werden. An der Schwarzach stehen viele Hundetoiletten, dort sei aber auch der Bedarf groß. „Es gibt keine Ausreden mehr“, unterstrich der Bürgermeister. Auch hat er vor, einige „Verdächtige“ demnächst diesbezüglich anzusprechen.
Hoher Kostenaufwand
Jeden Freitag, also wöchentlich, werden die Hundetoiletten von Mitarbeitern des Stadtbauhofs geleert. Das ist ein großer Personal- und Kostenaufwand und übersteige mit Sicherheit den Betrag aus der Hundesteuer, so Spindler.
Und dann gibt es Stellen in der Stadt, da steht eine Hundetoilette – und 20 Meter weiter liegt ein Haufen. „Wir wollen auch einen sauberen Weg, auf dem wir mit unseren Hunden spazieren gehen können“, betonen die Hundebesitzer.
Obacht geben beim Spazierengehen in Rötz
Natur: Im Herbst 2022 hat sich die Stadt an einer Umweltkampagne beteiligt. Mit Humor und nicht mit dem erhobenen Zeigefinger will man auf den rücksichtsvollen Umgang mit der Natur hinweisen. Bei der Initiative „Obacht. Nach dir kimmt wer.“ soll mit Schildern für den Landschafts- und Naturschutz sensibilisiert werden.
Themen: Nicht nur Hundehaufen, sondern Müll verschiedener Art wird auf den Schildern thematisiert.

