Beim Horto Historico im Teublitzer Stadtpark können Besucher viele Lager erkunden

Von Petra Beer-Dausch · 18. August 2025 um 10:00

Noch geht es beschaulich zu im Teublitzer Stadtpark (Landkreis Schwandorf). Doch spätestens ab Donnerstag wird sich das schlagartig ändern. Dann beginnen dort die Lagernden für das Mittelalter-Spektakel Horto Historico aufzubauen.

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58 Lager mit rund 600 Teilnehmern und 300 Zelten haben sich bei den Organisatoren Sandra Nuber und Karlheinz Viehauser angemeldet. Vom 22. bis zum 24. August wird der Teublitzer Stadtpark wieder Schauplatz großer Schlachten, Lagerplatz, Marktplatz für 78 Händler und Bühne für Musik, Tanz und Akrobatik.

Ganz wesentlichen Anteil am Erfolg und an der besonderen Atmosphäre beim Horto Historico haben schon immer die Lager, die Besuchern offen stehen. Sandra Nuber und Karlheinz Viehauser legen großen Wert darauf, dass Interessierte – nach kurzer Rückfrage – das mittelalterliche Leben erkunden und mit den Lagernden ins Gespräch kommen können. Denn dort herrscht den ganzen Tag reges Treiben, es wird Brot gebacken, gekocht, geschmiedet, gewebt oder Leder verarbeitet, berichtet Sandra Nuber. Gerade auch für Kinder ist viel geboten, das Gefolge zu Herzoghart aus Neumarkt St. Veit bietet heuer zum Beispiel einen mittelalterlichen Parcours an. Eine Ausnahme – also ein abgesperrter Bereich – ist allerdings die Henkerei und Folterei von Bramdal’s Hauffen aus Breitenthal.

Die Lagernden kommen aus ganz Bayern und darüber hinaus, vom Ein-Mann-Zelt bis zum 30-auf-30-Meter-Lager ist alles dabei. Etwa 50 bis 60 Prozent der Teilnehmer sind laut Sandra Nuber Stammgäste beim Horto Historico, es stoßen aber auch regelmäßig Neue dazu. Immer wieder gern nach Teublitz kommt die Grafschaft Gauberg zu Wartenberg, die eine Grafenfamilie aus der Zeit um 1320 auf Reisen darstellt. Etwa 35 Mittelalterfans haben sich dafür zusammengeschlossen und sind in wechselnden Besetzungen auf Veranstaltungen im In- und Ausland unterwegs, wie Veit und Doerthe Winkler aus Erding im Gespräch mit der MZ berichten. Zuletzt hatten sie ihre Zelte beim Mittelaltermarkt in Neunburg aufgeschlagen, am Donnerstag nun reisen sie mit riesigem Anhänger nach Teublitz an.

Sie stellen eine Grafenfamilie aus der Zeit um 1320 auf Reisen dar. Doerthe Winkler (l.) ist die Gräfin, ihr Sohn Felix (2. v. l.) der Graf und Hausherr. - Foto: Winkler

Eine Grafschaft auf Reisen macht Station in Teublitz

Schlafzelte, ein Tafelzelt, Zelte für Gäste, ein Kapellenzelt und die originalgetreue Ausstattung wie Feuerstellen, Tische, Stühle, Schlafplätze, Geschirr und, und, und... haben die Winklers dabei. Sie tauchen am Wochenende vollkommen in die mittelalterliche Welt ein – und wollen diese Möglichkeit auch anderen geben, die sie im Lager besuchen.

Dabei sind Veit und Doerthe Winkler eher zufällig und über ihre Kinder zu Mittelalter-Fans geworden. In Erding blieben sie beim einem Mittelaltermarkt am Stand von „Die flinke Nadel“ hängen, kamen ins Gespräch – und am Ende war die ganze Familie gewandet, erinnert sich Veit Winkler. Die Woche drauf wurden sie in Marktschwaben zum Lagern eingeladen – „dann waren wir infiziert“. Schnell haben die Winklers Mitstreiter gefunden, die auch Historisches darstellen wollen. Man bemühe sich, „recht nah an gelebtes Mittelalter zu kommen.“ Die Winklers arbeiteten sich im Internet und bei Seminaren immer tiefer in die Materie ein, erweiterten ihre Ausstattung nach und nach über die Jahre.

Mehrere Zelte bringt die Grafschaft Gauberg zu Wartenberg mit. - Foto: Winkler

Die ganze Familie genießt es, als Mitglied der Grafschaft zu Wartenberg in andere Rollen zu schlüpfen. Veit Winkler hat seine Rolle des Grafen und Hausherrn nach zwölf Jahren an seinen Sohn Felix übergeben, der zuvor Page und Knappe war und dann zum Ritter geschlagen wurde. Veit Winkler selbst verkörpert nun ein Mitglied des Klerus. Seine Frau Doerthe ist die Gräfin. „Wir wollen Mittelalter zum Anfassen bieten, jeder kann zu uns ins Lager kommen“, lädt Veit Winkler ein. Besucher können ein 16 Kilogramm schweres Kettenhemd anprobieren oder sich über mittelalterliche Kochrezepte austauschen. Salbei-Huhn mit in Apfelsaft geschmorten Pastinaken, Fleisch- und Gemüse-Pasteten oder Rübengemüse etwa steht bei der Grafschaft zu Wartenberg auf dem Speiseplan. Kinder können im Lager mal einen Helm aufsetzen, an der festlich gedeckten Tafel Platz nehmen oder sehen, wie man im Mittelalter geschlafen hat.

„Teublitz ist ein tolles Lager mit einer tollen Atmosphäre“, schwärmt Veit Winkler. Selbst als es vor zwei Jahren so stark geregnet habe und sie völlig abgesoffen seien, seien viele Besucher gekommen und hätten Interesse gezeigt. Drei Personen aus der Grafschaft zu Wartenberg nehmen beim Horto Historico auch an der großen Schlacht um Tiubelitz teil – ein Höhepunkt im Programm am Samstag und Sonntag um 17 Uhr mit heuer 32 gemeldeten Kämpfern.

32 Kämpfer sind heuer für die große Schlacht um Tiubelitz gemeldet, die beim Horto Historico zweimal im Stadtpark ausgetragen wird. - Foto: Nuber

Kinder beweisen sich bei Ritterschlacht als große Kämpfer

Es schließt sich jeweils die Kinderritterschlacht an, bei der die Kleinen kaum zu bremsen sind. „Davor haben die großen Ritter fast mehr Angst“, sagt Sandra Nuber mit einem Schmunzeln. Eine Drachenlady, die Märchen erzählt, Kasperltheater mit Peter von Burglengenfeld oder die Aufführung von Gaukler Sepp Schabernack sind weitere Höhepunkte für Kinder. Auch Alpakas, Kamele und Ponys werden wieder im Stadtpark zu finden sein. „Wir wollen ein Programm für die ganze Familie bieten, die Besucher können runterkommen und entspannen, den ganzen Tag beim Horto Historico verbringen“, so Sandra Nuber.

Ein Parcours erwartet die kleinen Besucher beim Gefolge zu Herzoghart. - Foto: Viehauser

Die Organisatoren sind dankbar für die Unterstützung durch die Stadt Teublitz, vor allem durch die Mitarbeiter des Bauhofs, ohne die die Durchführung nicht möglich wäre. Eine Neuerung beim Horto Historico 2025 ist, dass am Freitag, 22. August, der Eintritt für Inhaber der Ehrenamtskarte frei ist. Die Hexenverbrennungen in der Ruine wurden heuer durch einen Hexentanz ersetzt.

Das Programm an allen drei Tagen umfasst viele Punkte, die aus den vergangenen Jahren bekannt und beliebt sind – bis es am Sonntag, 24. August, um 20.30 Uhr dann wieder viel zu schnell heißt: Marktende. Denn auch Ritter müssen schlafen. Die meisten Lagernden bleiben allerdings noch bis Montag und kehren erst dann wieder zurück ins 21. Jahrhundert.

Eckdaten zum dreitägigen Treiben von 22. bis 24. August

• Zeiten: Der Markt beginnt am Freitag, 22. August, um 16.30 Uhr. Um 18 Uhr erfolgt die feierliche Eröffnung mit einem Umzug durch das Gelände. Am Samstag, 23. August, herrscht buntes Treiben ab 12 Uhr bis spät in die Nacht, am Sonntag, 24. August, öffnen die Tore ab 11 Uhr. Marktende ist um 20.30 Uhr.

• Eintritt: für Erwachsene sechs Euro, für Gewandete vier Euro und für Kinder bis 15 Jahre vier Euro pro Tag. Das Drei-Tages-Ticket kostet für Erwachsene 14 Euro, für Kinder 8 Euro, Kinder bis „Schwertmaß“ sind frei. Neuheit am Eröffnungstag: Besucher mit Ehrenamtskarte haben freien Eintritt. Kassenstellen sind am Platz der Freiheit (beim Pavillon am Stadtpark), in der Münchshofener Straße (Einfahrt Stadtpark) und am Fußweg von der Telemann-Schule.

• Gottesdienst: Am Sonntag, 24. August, findet um 10 Uhr in der Ruine ein Gottesdienst mit Pfarrer Lucas Lobmeier statt – für alle Gottesdienstbesucher ist der Eintritt frei.

• Unterhaltung: Für Kurzweil bei den Besuchern sorgen Spielleute, Märchenerzähler, Tänzerinnen und Musikgruppen wie Grex Confusus, Bernd von Ammenberg oder Terzium Laszivus.

• Internet: Nähere Informationen gibt es unter www.teublitz.de/mittelalterfest oder www.horto-historico.de.

So originalgetreu wie möglich ist die Ausstattung der Tafel bei der Grafschaft. - Foto: Winkler