Auch Buffalo Bill und Billy the Kid hätten im Saltendorfer Steinbruch ihre Freude

Der Western- und Country-Club Wild Bunch Burglengenfeld hat seit der Gründung vor 52 Jahren im Saltendorfer Steinbruch eine ganze City geschaffen. Jeden ersten Sonntag im Monat öffnet sich das große Tor kostenlos für die Bevölkerung. Zuletzt nutzte auch eine Reporterin der MZ die Chance, in das Amerika des 19. Jahrhunderts abzutauchen.
Über 100 Jahre trennen Indianer-Fred und Flinten-Earny eigentlich. Friedlich sitzen sie an diesem Sonntagnachmittag zusammen vor dem Sheriff’s Office mit den zwei Gefängniszellen. An Freds blechernem Pott, aus dem er immer wieder einen tiefen Schluck nimmt, baumelt ein Goldklumpen.
Während Indianer-Fred alias Alfred Sigl (78) aus Schierling etwa um das Jahr 1850 in den Südstaaten gelebt hat, also kurz vor Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs und während der Ära des Goldrausches, befindet sich der Fallensteller Flinten-Earny alias Ernst Berger (51) aus Walderbach noch viel früher in der Geschichte, nämlich etwa Anfang des 18. Jahrhunderts.
In der Westernstadt Wild Bunch sind alle Charaktere erlaubt – solange sie authentisch sind. Denn der Traum vom Wilden Westen ist in Teublitz Wirklichkeit geworden. Vor der Kulisse hoher Felsen des stillgelegten Saltendorfer Steinbruchs, die wie eine staubige, karge Prärie in den USA anmutet, hat man eine eigene Welt geschaffen. Man fühlt sich Jahrhunderte zurückversetzt.
Eine ganze Stadt aufgebaut
Der Western- und Country-Club Wild Bunch, also die „Wilde Horde“, hat seit der Gründung vor 52 Jahren eine ganze City geschaffen. Einmal im Monat öffnet sich das große Tor kostenlos für die ganze Bevölkerung, die das gerne annimmt. Von weit her strömen Menschen hierher, viele entsprechend gekleidet, und niemand kann sich der Faszination entziehen.

Auf den ersten Blick werden alle Klischees erfüllt: Whiskeytrinkende Cowboys im Saloon treffen auf mutige Indianer mit Pfeil und Bogen und sorgen für Wildwestromantik und Abenteuerfeeling. Immer wieder hört man Schüsse. Tatsächlich steckt jedoch eine Philosophie dahinter. Die 74 Mitglieder des ethnologischen gemeinnützigen Vereins stellen das Leben in Amerika westlich des Mississippi, das in legendären Filmen wie Winnetou, Rauchende Colts oder Bonanza viele Fans fand, authentisch dar.
Das Augenmerk der Besucher lenken sie auf Kultur, Lebensweise und Philosophie der Cowboys und Indianer und stellen alles möglichst wirklichkeitsgetreu nach. „Wir leben dieses Gefühl aus“, sagt Nordstaatensoldat Dieter Peters (77) aus Maxhütte-Haidhof, neben Helmut Haas und Gert Haas einer der drei Gründungsmitglieder, und stopft seine Pfeife. Indianer-Fred zeltet zum Beispiel bis heute gerne, wie er sagt – zurzeit in seinem Garten.
Wie alles begann...
Damals, im Jahr 1972, hatten sieben Männer die Idee zu der Gründung des Vereins. „Mein Vater Georg Böhm verpachtete ihnen den Steinbruch“, erzählt Anna Böhm (71), die ein weißes langes Kleid trägt, das von der Schneiderin des Vereins genäht wurde, natürlich nach originalgetreuen Vorgaben. Auch Anna Böhm ist längst vom Wildwestvirus infiziert. Mindestens einmal im Monat verwandelt sie sich in eine Südstaatendame und liebt es.

Im Jahr 1973 baute man zunächst den Saloon, dann das Office mit dem Gefängnis, später kamen das Hotel, die Feuerstelle, die Tanzfläche, wo gerade Line Dance stattfindet, ein Tipi, in dem auch Kinderfeste stattfinden, und ein Schießstand hinzu. Denn Wild Bunch ist auch ein regulärer und erfolgreicher Schützenverein, wie Vorsitzender „Doc“ Norbert Baumann und Schriftführer „Deputy“ Martin Schnebelt erklären und im Saloon ihren Colt neben den Whiskey legen.
Wir wollen authentischer sein als in den Wildwestfilmen.
Martin Schnebelt, Schriftfürher
Bis zu Bayerischen Meisterschaften haben es Mitglieder schon gebracht. Ein bis zweimal in der Woche trifft man sich im Saloon und bespricht anstehende Themen oder übt am Schießstand. „Wir wollen authentischer sein als in den Wildwestfilmen“, erklärt der Deputy, der die Filme aber noch immer gerne anschaut, wie „12 Uhr mittags“, und sich nach Festus des Films Rauchende Colts benannt hat.
Der romantische Cowboy ist eine Erfindung
Dabei ist den Mitgliedern durchaus bewusst, wie hart das Leben im Wilden Westen war. „Den romantischen Cowboy gibt es nicht“, betont Baumann, der sich lange mit der Geschichte dieser Epoche beschäftigte. Siedler und indigene Gruppen kämpften um Land und Ressourcen – auch darauf will man aufmerksam machen.

Finanziert wird die Wildweststadt unter anderem von den Einnahmen der offenen Sonntage oder vom Ferienprogramm, das Ende August wieder durchgeführt wird und gut ankomme. Welches Kind liebt es schließlich nicht, als Cowboy am Lagerfeuer zu sitzen, Gold zu schürfen, beim Rodeo mitzumachen oder (Kinder-)Whiskey im Saloon, diesem mystischen Ort, zu trinken?
Raufereien im Saloon sind tabu
Im Saloon geht es stets friedlich zu, im Gegensatz zu damals, wo wilde Raufereien an der Tagesordnung waren. Obwohl, so schmunzelt Baumann, es zu Beginn der Vereinsgeschichte auch einige echte Raufereien gegeben habe.
Das ist längst vergessen. Der Verein wächst, und das Interesse der Bevölkerung auch. Ihr Hobby sei nicht billig, und viel Arbeit mache es, betonen die Mitglieder. Schließlich wird kein Detail dem Zufall überlassen. Von den Utensilien oder der Wolle ihrer Kleidung über die vereinseigene Band bis zum Holzofen im Saloon – alles soll so echt wie möglich sein. Jeder bringt dabei seine Fähigkeiten ein und packt mit an.
Zwei Probleme beschäftigen sie gerade, wie Martin Schnebelt einräumt: Die Zufahrt zur Westernstadt sei in einem sehr schlechten Zustand. Und man würde gerne bei Umzügen oder anderen Veranstaltungen unechte Waffen tragen, was bislang verboten ist. „Es fehlt ein wichtiges Detail – eine Waffe gehört zu einem Cowboy.“
Übrigens seien schon mehrmals Amerikaner zu Besuch hier gewesen. „Die finden das toll, sie haben daheim so was gar nicht“, berichtet Baumann. „Die kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.“