Kinderbetreuung im Städtedreieck gibt Rätsel auf – Tagesmutter ringt um Auftrag

Ungezählt sind die Berichte, in denen junge Eltern verzweifelt nach einem Betreuungsplatz für ihren Nachwuchs suchen. Oft steht für sie nicht weniger als der Wiedereinstieg in den Beruf auf dem Spiel. Umso überraschender ist die Nachricht, dass eine erfahrene Tagesmutter aus dem Städtedreieck in eine ungewisse Zukunft blickt. Seit Monaten werden ihr keine Kinder mehr zugeteilt. Wie ist das möglich?
Gabriele Röckl wirkt ratlos. Die Kinderpflegerin und Kinderkrankenschwester ist seit rund zwölf Jahren in Teublitz zertifizierte Tagesmutter. Immer hatte sie alle Hände voll zu tun, nicht selten musste sie Anfragen sogar ablehnen. Nun ist das anders – und Röckl hat keine Erklärung dafür.
In ihrer Eigentumswohnung in der Hugo-Geiger-Siedlung betreut sie Mädchen und Buben im Kleinkindalter. Der Tagesablauf ist klar strukturiert und beginnt, ähnlich wie in einem Kindergarten, mit einem Morgenkreis. Dann wird gemalt und gebastelt, vorgelesen und musiziert. Falls es das Wetter zulässt, geht es oftmals ins Freie. In der Nähe gibt es für die kleinen Entdecker zwei Spielplätze, und auch der Wildpark Höllohe ist nur einen Katzensprung entfernt. Überhaupt, so berichtet Röckl, sei sie mit den Kleinen gerne in der Natur unterwegs, „um Blumen und alles, was am Boden krabbelt, zu bestaunen“.
Das Telefon will einfach nicht läuten
Natürlich sorgt die Tagesmutter auch für altersgerechte Verpflegung aus der eigenen Küche, wie sie erzählt. Aktuell hat Gabriele Röckl drei Zwergerl im Alter von zweieinhalb bis sechs Jahren in ihrer Obhut. Zwei kommen täglich von 8 bis 14 Uhr, eines nur zweimal die Woche, aber bis 17.30 Uhr. Der Älteste wird ab September in die Schule gehen und nur noch in den Ferien zurückkehren. Das heißt, Röckl hätte wieder Kapazitäten frei. Doch anders als in früheren Jahren steht das Telefon diesmal still.
Längst hat Röckl Werbung in eigener Sache betrieben. Sie sprach in Kitas vor und meldete sich im Burglengenfelder Rathaus. Der Teublitzerin wurde versichert, man behalte sie am Schirm und werde sich gegebenenfalls melden. Passiert ist das bisher aber nicht. Die Ungewissheit bereitet der Teublitzerin wachsende Sorge.
Zahlen alleine sagen offenbar nicht viel
Die Redaktion hat versucht zu ergründen, weshalb sich eine zertifizierte Tagesmama plötzlich so fühlen muss, als wäre sie ein Auslaufmodell. Das Ergebnis der Recherchen: Viele Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen unterliegt gewissen Schwankungen, und die nackten Zahlen über potenzielle Krippen- oder Kindergartenkinder reichen offenbar nicht aus, um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln.
Fakt ist: Maxhütte-Haidhof und Teublitz haben ihr Angebot in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Das sei sogar in Burglengenfeld zu spüren, verriet Bürgermeister Thomas Gesche (CSU). Die ehemalige Kreisstadt musste indes erst vor wenigen Monaten wieder einräumen, dass sie nach wie vor weit davon entfernt ist, den rechtlichen Ansprüchen auf Krippenplätzen gerecht zu werden. Daran habe auch die heuer gegründete Großtagespflege „Dschungelbande“ nicht viel geändert.
Der vermittelnde Sozialdienst bleibt zuversichtlich
Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), der sich seit über 30 Jahren im Auftrag des Landratsamts um die Ausbildung, Vermittlung und Betreuung der Tagesmütter kümmert, hält die Situation, in der sich Gabriele Röckl aktuell befindet, nicht für so ungewöhnlich. Bei der Nachfrage nach Betreuungsplätzen habe es schon immer Höhen und Tiefen gegeben, wusste Sozialpädagogin Nicole Borinsky zu berichten.
Dass Röckl fast händeringend nach einem Kind sucht, ist dem SkF bekannt. Man sei diesbezüglich am Ball und zuversichtlich, dass bis Herbst mindestens eine Vermittlung zustande komme. „Bis jetzt hat es ja fast immer geklappt“, so Borinsky. Die Erfahrung habe gezeigt, dass manche Eltern im Oktober erkennen würden, dass sich ihr Kind in einer größeren Kita-Gruppe unwohl fühle. Dann würden sie gerne auf die individuellere Lösung, die eine Tagesmutter biete, zurückgreifen. Insgesamt sind beim SkF derzeit 26 Frauen dafür registriert. Nur sehr wenige sind im Städtedreieck zu Hause.
Haben Eltern Scheu vor den Kosten?
Sabrina Bauer, eine der beiden Leiterinnen der „Dschungelbande“, berichtete, auch ihre Einrichtung sei, entgegen anders lautender Gerüchte, derzeit nicht ausgebucht. Und überhaupt habe sie von vielen Seiten gehört, dass es sogar in Regensburg plötzlich freie Plätze in Krippen geben würde, denn: Manche Eltern wollten sich in den ersten Jahren lieber selbst um den Nachwuchs kümmern, andere scheuten die Kosten vor einer Fremdbetreuung. Wieder andere würden sich erst auf den letzten Drücker entscheiden.
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Wie auch immer: Gabriele Röckl steht als Tagesmutter Gewehr bei Fuß. Kürzlich hat sie beim SkF für weitere fünf Jahre verlängert. Der Umgang mit Kindern halte eben auch jung, meint die Teublitzerin. Und für sie sei ihre Tätigkeit nicht nur Beruf, sondern Berufung. Es sei zwar bisweilen ziemlich anstrengend, den Bedürfnissen des Nachwuchses gerecht zu werden, räumt die Teublitzerin ein, aber was man als Tagesmutter erlebe und zurückbekomme, „gibt es in keiner anderen Arbeit“.
Auch das ist gut zu wissen
Seit Einführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes 1991 ist die Kindertagespflege im Sozialgesetzbuch verankert. Zwei Jahre später unterzeichneten der Landkreis Schwandorf und der Sozialdienst katholischer Frauen SkF) einen Kooperationsvertrag. Der SkF ist seitdem für die Ausbildung, Betreuung und Vermittlung von Tagespflegepersonen zuständig, berichtet Behördensprecher Manuel Lischka. Wer Fragen zum Thema hat oder Kontakt zu Gabriele Röckl aufnehmen möchte, wende sich an den SkF in Schwandorf, Telefon (0 94 31) 9 62 82. Er ist montags und mittwochs, jeweils 9 bis 12 Uhr, sowie donnerstags, 14 bis 17 Uhr, erreichbar.