Kinderbetreuung: Stadt Burglengenfeld kann Bedarf bei weitem nicht decken

Von Thomas Rieke · 2. Mai 2025 um 19:00

Die für ihre Familienfreundlichkeit mehrfach prämierte Stadt Burglengenfeld hat weiter ein ungelöstes Problem: Sie kann den Rechtsanspruch vieler Eltern auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder nicht erfüllen, und zwar bei weitem nicht. Durch die kürzlich von zwei engagierten Frauen gegründete Großtagespflege „Dschungelbande“, eine krippenähnliche Einrichtung für derzeit acht Kinder, hat sich die Lage nur unwesentlich entspannt.

Doch der Reihe nach: Die jüngste Bedarfsermittlung für das kommende Kindergartenjahr brachte laut Verwaltung folgendes Ergebnis: Für 521 Buben und Mädchen im kindergartenfähigen Alter gibt es auf dem Papier zwar mehr Betreuungsplätze als nötig, nämlich 567. Doch weil Nachwuchs mit integrativem Förderbedarf vierfach zählt, „existiert dieser Überhang in der Praxis nicht“, erklärte Kämmerin Elke Frieser im Stadtrat. Außerdem können die Plätze in Gänze nur zur Verfügung gestellt werden, wenn genügend Personal vorhanden ist, was in den vergangenen Jahren auch nicht immer der Fall war.

Am deutlichsten drückt sich der Mangel im Betreuungsangebot bei den Kindern unter drei Jahren aus. Für 256 Zwergerl im Alter bis 34 Monate gibt es, trotz der neuen Großtagespflege, nur 109 Plätze. Theoretisch würden also mehr als doppelt so viele benötigt. Zum Glück für die Stadt pochen jedoch längst nicht alle Eltern auf den Betreuungsanspruch für ihren Nachwuchs, berichtete Frieser.

Planungen für neue Kita „laufen auf Hochtouren“

Um die Situation grundlegend zu verbessern, hat die Kommune den Bau zweier Kitas beschlossen und in die Wege geleitet. Durch sie sollen der Don-Bosco-Kindergarten in der Kallmünzer Straße sowie das Johanniter-Kinderhaus in der Ludwig-Erhard-Straße nicht nur ersetzt, sondern die Kapazitäten insgesamt hochgefahren werden. Mit der Umsetzung beauftragt wurde die Stadtbau GmbH, deren Geschäftsführer Johannes Ortner versichert, dass „die Vorbereitungen für die Bauleitplanung auf Hochtouren laufen“. Bis zum Spatenstich ist demnach weiter Geduld gefragt, erst recht bis zur Inbetriebnahme.

Im Stadtrat ging es jüngst sowieso nur um die Großtagespflege, die im März in Betrieb gegangen – und schon wieder ausgebucht ist. Die Mandatsträger sollten die finanzielle Förderung nachträglich absegnen, die die Verwaltung den Betreiberinnen Romina Allmeier und Sabrina Bauer in Aussicht gestellt hatte.

Für die Erstausstattung sollten demnach 1000 Euro pro Betreuungsplatz gewährt werden und darüber hinaus ein monatlicher Betriebskostenzuschuss von 200 Euro pro tatsächlich belegtem Platz. Das bedeutete laut Verwaltung unterm Strich eine höhere Förderung als es bei einer gewöhnlichen Krippe der Fall ist. Pro Kind und Jahr gibt es rund 340 Euro mehr.

Vor der Abstimmung hatten zahlreiche Räte darauf gedrungen, sich erst selbst einen Eindruck von der „Dschungelbande“ in der Laßlebenstraße 37 verschaffen zu dürfen. Daher gab es am 8. April einen Besichtigungstermin. Das Ergebnis: Sebastian Bösl, Sprecher der Fraktionsgemeinschaft von SPD, Grünen und Die Linke, sah keinen Grund mehr, die Fördermittel zu verweigern. Die Leiterinnen der Großtagespflege erlebte er als „sehr engagiert“. Und weil die Kommune ja unbestritten dringenden Bedarf an Betreuungsplätzen habe, solle man ihnen eine Chance geben. CSU-Fraktionschef Michael Schaller lobte die „sehr familiäre Atmosphäre“, die in der Einrichtung zu spüren gewesen sei. Auch hatte ihn beeindruckt, dass die Eltern, die ihr Kind in der „Dschungelbande“ betreuen lassen, keine Alternative hätten.

Landratsamt: Stütze sollte zeitlich begrenzt sein

Bei Allmeier und Bauer hat das positive Feedback große Freude ausgelöst. Im Gespräch mit der MZ machten sie deutlich, dass ihr Modell nur mit der finanziellen Unterstützung funktioniere. Denn allein die Miete schlage monatlich mit 1300 Euro zu Buche. Nun wolle man sich wieder voll auf die Kinder konzentrieren, die ihnen anvertraut worden sind.

Allerdings gibt es einen Wermutstropfen: Das Landratsamt legte der Stadt ans Herz, die Förderung nur zeitlich begrenzt und mit Verweis auf das fehlende Betreuungsangebot zu gewähren.

Betreiberinnen sind verunsichert

Diese Auflage bereitet Allmeier und Bauer Kummer. Und sie können sie auch kaum nachvollziehen. Vor der Gründung ihrer Einrichtung hatten die Frauen nicht nur eine Ausbildung zur Tagesmutter absolviert, sondern sich auch informiert, wie vergleichbare Institutionen in anderen Landkreisen gefördert werden. Nirgendwo habe man von ähnlichen Einschränkungen gehört.

Nun hofft das Burglengenfelder Duo, dass der Ernstfall nie eintreten möge. Eine Streichung der Gelder „wäre unser Untergang“, sagen sie. Würde der Rotstift vor Ablauf der ersten beiden Jahre angesetzt, träfe das die Frauen doppelt hart. Dann müssten sie auch den Zuschuss, der ihnen für die Erstausstattung gewährt worden ist, anteilig nach Monaten zurückzahlen.