Einheimische als „Seele“ der Urlaubsregion: Tourismusverband setzt auf „Slow Travel“

Vor allem im ländlichen Raum setzt der Tourismusverband Ostbayern auf „Sanftes Reisen“. Wichtig sind dabei die Menschen vor Ort und deren Akzeptanz für Niederbayern und die Oberpfalz als Urlaubsregion.
Auch wenn für einige Bundesländer in diesen Tagen zumindest aus dem Blickwinkel der Schulferien der Sommerurlaub bereits beendet ist – generell kommt dem Thema Freizeit und Urlaubsgestaltung natürlich vor allem im Monat August eine besondere Bedeutung zu. Gerade in Ostbayern spielt der Tourismus mit 2300 gewerblichen Betrieben zudem eine nicht zu unterschätzende Rolle auch für die Entwicklung der gesamten Wirtschaftsregion. Immerhin wurde Ostbayern im ersten Halbjahr 2025 allein von 292 000 ausländischen Gästen besucht, die nicht weniger als 742 000 Übernachtungen auslösten. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Ostbayern beträgt seit langem 3,1 Tage.
Umso wichtiger erscheint es, dass neben dem geradezu boomenden Städtetourismus oder dem erfolgreichen Bayerischen Thermenland insbesondere der ländliche Raum mit dem Bayerischen Wald, dem Bayerischen Jura und dem Oberpfälzer Wald mehr denn je Beachtung findet.
TVO: Hohe Tourismusakzeptanz im Bayerwald
Speziell für den Bayerwald als dem touristischen Aushängeschild Ostbayerns – mit über 6,5 Millionen von insgesamt 17,3 Millionen Übernachtungen im Jahr – kommt es darauf an, dass sich die Einheimischen mit dem touristischen Angebot tatsächlich identifizieren. Diese sogenannte Tourismusakzeptanz liegt hier mit einem Wert von 88 Prozent positiver Stimmen deutlich über dem bayernweiten Durchschnitt. Darauf hatte kürzlich Professor Bernd Eisenstein vom Deutschen Institut Tourismusforschung bei der Jahreshauptversammlung des Tourismusverbands Ostbayern (TVO) hingewiesen.
Dieses Plädoyer für eine Weiterentwicklung des Tourismus in Richtung eines „sanften, naturverträglichen Urlaubs“ betrachtet der TVO schon seit langem als Auftrag seiner strategischen Ausrichtung. Wie Vorstand Dr. Michael Braun betont, müsse der Lebensraum touristisch weiterentwickelt, aber nicht über Gebühr beansprucht werden. Vor diesem Hintergrund bezeichnet Braun den Slogan „Slow Travel“ – also „Langsames Reisen“ – keineswegs als Modewort oder auch nur als wohlklingende, aber unverbindliche Vision. Vielmehr sei dies „das einzige Rezept, eine Urlausregion erfolgreich in die Zukunft zu führen.“ Den sanften, auf Qualität fokussierten Tourismus gelte es zu fördern: „Es geht darum, gute Lebensqualität für alle dauerhaft zu erhalten, eben für Einheimische und für unsere Gäste.“
Und wie erkennt man eine Region, die ganz bewusst auf „Slow Travel“ setzt? Der Verbandsvorstand ist davon überzeugt, dass die Menschen die „wahre Seele einer Urlaubsregion“ sein müssen. Schließlich suchen die Urlauber ja die Begegnung mit den Einheimischen: „Sie wollen Teil sein, sich integriert fühlen und nicht separat gesehen werden.“ Zusammen mit intensiven Eindrücken in der Natur, einem kulturellen Erlebnis, regionaler Kulinarik oder bei traditionellen Festen wolle man „Qualität statt Quantität“ bieten. Ganz konkret verweist Braun auf die zentrale Rolle der Infrastruktur im Bereich der Wander- und Radwege. Die Aufgabe des Verbands bei dieser strategischen Herausforderung bestehe wiederum darin, insbesondere die mittleren und kleinen Betriebe vor allem in ihrer digitalen Entwicklung zu unterstützen, und zwar sowohl die Gastgeber als auch die Erlebnisanbieter: „Damit sie wettbewerbsfähig bleiben.“ Dies sei vor allem deshalb wichtig, weil sie den „einzigartigen Charme unserer ländlichen Urlaubsregion“ prägen.
Urlaub in Ostbayern für alle Generationen
Auf die Frage, wen das Konzept des „sanften Tourismus“ besonders anspricht, antwortet Braun mit einem klaren „alle Generationen“. Gerade bei der jungen Generation sieht er einen spannenden Mix aus Vorliebe für digitale Informationen und Inspirationen sowie den authentischen Erlebnissen, die besonders geschätzt werden. Zwar streben auch junge Leute Fernreiseziele an, „doch langfristig sehen wir gute Ansätze, junge Menschen für unsere Regionen zu begeistern.“
Als entscheidend bezeichnet es Braun, dass das Angebot nachhaltig sei, das Preis-Leistungsverhältnis stimme, die jeweilige Urlaubsregion gut erreicht werden könne und die Möglichkeiten, sich zu erholen, „vielfältig und generationenübergreifend angelegt sind“. Mit dem ersten Halbjahr als Zwischenergebnis zeigt sich der Verband zufrieden, zumal die Onlinebuchungen quer durch die Regionen Ostbayerns sehr positiv ausgefallen sind. Die größten Steigerungsraten entfielen mit plus 3,5 Prozent auf den Städtetourismus und mit 876 000 Gästeankünften auf den Bayerischen Wald.