Tourismus-Bilanz in Regensburg: Bei der Aufenthaltsdauer ist noch mehr drin

Von Marion Koller · 15. Juli 2025 um 13:10

Bei der Aufenthaltsdauer der Touristen in Regensburg dürfte noch mehr drin sein, denn derzeit bleiben sie rund zwei Tage. Die Stadt möchte spendable Kongressgäste und Städtetouristen anziehen, die länger bleiben.

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Vor wenigen Tagen waren neben vielen anderen auch Oberbayern im Welterbe unterwegs. Sie lobten: „Die Altstadt ist schön, überschaubar und nicht überlaufen.“

Franz und Heidi Hechenberger begutachten am Donnerstag das Schaufenster von Bürsten Ernst. Ihre Freundin Hilde Prambs verlässt das Geschäft mit einem hölzernen Handbesen. Sie hat in einem TV-Bericht von dem inhabergeführten Laden erfahren und wollte ihn unbedingt sehen. Die achtköpfige Besuchergruppe ist durch die Altstadt und über die Steinerne Brücke geschlendert. Das Mittagessen im Biergarten „Alte Linde“ haben die Oberbayern genossen. Franz Hechenberger, der Regensburg von der Meisterschule kennt, lobt: „Die Altstadt ist schön, überschaubar und nicht überlaufen.“

Am Donnerstag war es bewölkt und kühl. An sonnigen Sommertagen aber ziehen Besuchermassen durch die Altstadtgassen. Jakob Reitinger, der neue Chef der Regensburg Tourismus GmbH (RTG), freut sich natürlich über die 750 000 Ankünfte und die 1,36 Millionen Übernachtungen vom Vorjahr, doch er möchte die Gäste für mehr als die durchschnittlichen 1,8 Übernachtungen gewinnen. Einzelhandel, Hotels und Gaststätten sollen stärker profitieren. Nach dem ersten Halbjahr geht Reitinger davon aus, dass sich die Zahlen auf einem ähnlichen Niveau wie 2024 bewegen werden, „mit einem möglichen leichten Anstieg“. Auch die Lenkung der Touristenströme ist ihm ein Anliegen. Regensburg bietet mehr als die Gassen im historischen Zentrum.

Zu den Gästen, die vor Ort mehr ausgeben, zählen Kongressbesucher. Heuer tagen im Marinaforum renommierte Unternehmen und Institutionen wie Heise Medien, Globus, Aareon IT-Systeme für Immobilienverwaltung, DERTour, das Auswärtige Amt, Infineon und medizinische Fachgesellschaften. Für Anfang 2026 ist der Bayerische Hausärztetag in Regensburg geplant. Auch das Max-Planck-Institut tagt an der Donau.

Kritik an Graffiti

Geschäftsleute in den Lauflagen freuen sich über den Andrang, der die Kassen klingeln lässt. Christian Plotzki, Inhaber des Gumprecht Concept Stores mit Schreibwaren und Geschenken, spricht von einem hervorragenden Halbjahr. „Ich bin äußerst zufrieden. Wir haben mehr Kunden im Laden, die auch was kaufen, als im letzten Jahr.“ Darunter sind viele internationale Gäste. Auch in den traditionell schwächeren Monaten zum Jahresbeginn rollte der Rubel. Anton Schuller leitet Beatnuts am Domplatz. „Die Touristen kommen gerne zu uns“, sagt er. Nicht nur die Italiener, die Skateboards, Snowboards und Kleidung erstehen. US-Amerikaner greifen bei Nike-Sportsachen, aber vor allem bei jungen, deutschen Marken wie Cleptomanicx oder Goodbois zu. Nach dem Weihnachtsgeschäft war es im Januar und Februar etwas ruhiger.

Die Einzelhändler schätzen das Lichtkunstfestival Relight. „Veranstaltungen bringen Frequenz und Umsatz“, erlebt Plotzki. Doch er appelliert an die Stadt, etwas gegen die Graffiti und Leerstände zu unternehmen. „Regensburg soll attraktiv bleiben.“ Schuller kann sich wieder so etwas wie die Dom-Illumination im Jahr 2019 vorstellen. Er wünscht sich, dass die Stadt vor allem junge Leute bei der Veranstaltungsplanung einbezieht.

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Zufrieden mit der internationalen Kundenresonanz ist Heidi Spreitzer, Mitarbeiterin bei Kunstgewerbe Gewürz-Eckerl Unter den Schwibbögen. Die Touristen erwerben dort Schaltücher, Taschen und Geschenke für die Kinder, Fingerpuppen und Fahrradklingeln. Vor allem US-Amerikaner, die mit dem Kreuzfahrtschiff anreisen, decken sich bei ihr ein. Häufig fragen die Besucher nach einem Kaufhaus, weil sie etwa ein Käppi als Sonnenschutz haben wollen. Seit der Galeria-Schließung, die Spreitzer sehr bedauert, schickt sie die Gäste in die Arcaden. Dem langjährigen Gästeführer Wolfgang Ederer von Kulttouren fällt auf, dass weniger Busgruppen kommen. Es würden deutlich mehr Einzelführungen der RTG wahrgenommen. Ederer liegt daran, Geschichte an den Originalschauplätzen lebendig werden zu lassen. An der Porta Praetoria führt er in die Römerzeit, beim Alten Rathaus erzählt er vom Immerwährenden Reichstag, dem „ersten europäischen Parlament“.

Nebelduschen zur Abkühlung

RTG-Chef Jakob Reitinger (44) setzt auf die Mischung aus Kultur-, Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort. Er erlebt Regensburg als „unglaublich lebendig“, auch dank der 30.500 Studierenden. Mit der Lichtshow Infinity ab November 2025 in der Minoritenkirche, mit Relight im März 2026, den Jazzkonzerten Sparks & Visions, dem Drumweekend und den Domspatzen will die Stadt mehr Besucher auf das Welterbe aufmerksam machen.

Im Sommer ist die Stadt voll, auch wenn heuer wegen des mehrwöchigen Niedrigwassers weniger Kreuzfahrtschiffe anlanden. Das Stadtwerk erwartet 775 Schiffe. Im Vorjahr waren es rund 900 gewesen. Eine ganze Reihe von Hitzetagen stehen Regensburg noch bevor. Die RTG sorgt ein wenig vor. In der Tourist-Information sind Übersichtskarten mit kühlen Orten, Fächer und Stadtpläne zu haben, die die Trinkbrunnen-Standorte zeigen. Bald sollen auch Nebelduschen wie in Wien installiert werden, die abkühlen.

39 bis 184 Euro

Ausgaben: Für den höchsten Umsatz sorgen Regensburg-Touristen, die in Hotels übernachten: 184 Euro pro Tag. Am wenigsten investieren Tagesgäste: 39 Euro (dwif-Studie). Gesamtumsatz: 2023 waren das 835,8 Millionen Euro.