Oberpfälzer Metall- und Elektroindustrie rechnet mit Stellenstreichungen bis Ende 2025

Die Metall- und Elektrounternehmen in der Oberpfalz bewerten ihre aktuelle konjunkturelle Lage im Schnitt etwas besser als noch vor einem Jahr. Allerdings: Der aktuellen Umfrage zufolge werden bis Ende 2025 offenbar zahlreiche Jobs wegfallen.
Obwohl laut Umfrage der bayerischen Metall- und Elektroindustrie die Oberpfälzer Unternehmen den konjunkturellen Tiefpunkt durchaus als überwunden betrachten, kommt den strukturellen Herausforderungen eine umso umso größere Bedeutung zu. Wie Dr. Stefan Klumpp in seiner Eigenschaft als Vorstandsvorsitzender der Arbeitgeberverbände bayme und vbm in der Region Oberpfalz bei der Präsentation der neuesten Zahlen hervorhob, werde die wirtschaftliche Lage unterm Strich besser bewertet als vor einem halben Jahr – „zumindest gibt der größte Teil der Befragten an, dass sich die Geschäftslage nicht weiter verschlechtert hat“, so der Unternehmer.
Stefan Klumpp: „Optimismus sieht jedenfalls anders aus“
Mit Blick auf die künftige Entwicklung überwiegt offenbar ebenfalls die Zuversicht, beim Export freilich weit stärker als in Bezug auf das Inlandsgeschäft. Während die Unternehmen der Metall- und Elektrobranche ihre Produktionspläne leicht positiv einschätzen, wollen nur 13 Prozent der befragten Firmen ihre Investitionen im Inland erhöhen, dagegen sehen sich fast 21 Prozent zur Reduzierung gezwungen.
„Optimismus sieht jedenfalls anders aus“, kommentiert Klumpp diese aktuellen Werte und fordert nicht zuletzt deshalb die Politik, sprich die neue Bundesregierung auf, weiterhin entschlossen zu handeln: „Dann wird sich die bessere Stimmung auch in den Konjunkturzahlen niederschlagen.“ Obwohl die Oberpfälzer Metall- und Elektro-Betriebe hinsichtlich ihrer Beschäftigungspläne etwas optimistischer gestimmt sind als im Winter, befürchten 19 Prozent von ihnen, dass sie schon bald zu einem Stellenabbau gezwungen sein könnten. Im Verlauf des Jahres 2025 dürfte die Zahl der Beschäftigten der Metall- und Elektrobranche in der Oberpfalz nach Auffassung der beiden Verbände jedenfalls um 2500 auf dann 95 500 sinken. Für Niederbayern hatte Vorstandsmitglied Andreas Prager kürzlich einen Rückgang um 1500 Stellen auf 91 500 vorhergesagt.
Angesichts dieser Aussichten verweist Klumpp auf die sehr differenzierte Ertragslage der Betriebe, kommen doch fünf Prozent über eine schwarze Null nicht hinaus, während 16 Prozent mit einer Nettoumsatzrendite von lediglich ein bis zwei Prozent rechnen. 52 Prozent der Unternehmen hoffen immerhin auf eine Marge von mehr als vier Prozent. Klumpp zeigte sich überzeugt, dass insbesondere die Beschäftigten in den Unternehmen die Leidtragenden einer „lange verfehlten Industrie- und Standortpolitik“ seien und warnte gleichzeitig vor purem Aktionismus: „Die Wirtschaftswende hat begonnen, wird aber noch Zeit in Anspruch nehmen.“
Standort Oberpfalz als Ganzes stimmt Klumpp positiv
Die Politik müsse nach Auffassung von Klumpp angesichts der Vielzahl von Standortproblemen – von den Arbeits- und Energiekosten über die Bürokratie bis zur Reform der Sozialen Sicherungssysteme – diese strukturellen Herausforderungen mutig anpacken. Letztlich gehe es um die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, „um endlich auf den Wachstumspfad zurückzukehren“. Der Standort Oberpfalz als Ganzes stimme ihn positiv – wegen seiner ausgeprägten Branchen-Vielfalt.
Eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland insgesamt sei schon deshalb erforderlich, weil etwa die Zollpolitik der USA oder auch die Abhängigkeit von China – bei seltenen Erden wie bei der Entwicklung neuer Technologien – als besondere Herausforderungen betrachtet werden müssten. Immerhin stellen die USA gerade für Bayern den größten Exportmarkt dar, von den Ausfuhren der Metall- und Elektrobranche im Freistaat gehen über 15 Prozent in die USA. In der Oberpfalz exportieren mehr als 60 Prozent in die USA, konkret von Zollsteigerungen betroffen waren bereits 70 Prozent von ihnen.
Stefan Klumpp, Vorstand der Hamm AG mit Sitz in Tirschenreuth, begrüßt zwar die aktuelle Zoll-Einigung der EU mit den USA, plädiert aber dafür, Zölle und Handelsbarrieren generell abzubauen. Die Zusage aus Brüssel, Energie, KI-Chips oder Rüstungsgüter aus den USA zu beziehen, werde jedenfalls zu Lasten Europas gehen.