Sozial, streitbar und erfahren: 400 Mitarbeiter der Caritas im Kreis Kelheim bekommen eine Chefin

Tina Rosenhammer heißt Kelheims neue Caritas-Vorständin. Sie ist ein echtes „Eigengewächs“. Ab Januar folgt sie auf Hubert König. Dafür steht die 47-Jährige, die in der Region aufgewachsen ist.
Ihr Gerechtigkeitssinn und ihre soziale Ader waren schon in der Grundschule ausgeprägt. Mit Freundinnen ging Tina Rosenhammer als Neunjährige spontan auf die Straße, um Geld für „arme Leute“ zu sammeln. Das ist knapp 40 Jahre her. Nun übernimmt die gebürtige Neustädterin beim Kreis-Caritasverband Kelheim Leitungsfunktion. Seit einem Monat ist sie neue Vorständin. Ab Januar wird sie Chefin des Sozialverbands.
Bis Jahresende führen der langjährige Geschäftsführer und heutige Vorstands-Vorsitzende Hubert König und Tina Rosenhammer die Kelheimer Caritas im „Doppelpack“. Im Dezember geht König in Ruhestand.
Bis dahin arbeitet er die 47-Jährige ein. Vieles kennt Tina Rosenhammer bereits und viele kennen Tina Rosenhammer. Ihr Name war bislang eng mit der gemeinnützigen Caritas-Tochter Carida verknüpft. Rosenhammer hatte einst die Idee dazu, hat den Inklusionsbetrieb auf- und ausgebaut – und vor einem Monat in andere Hände übergeben.
Schreibtisch steht nun in der Pfarrhofgasse
Nun ist sie von der Donaustraße ins Sozialzentrum in der Pfarrhofgasse umgezogen. Viel Zeit, um ihrem Büro eine persönliche Note zu geben, war noch nicht. Und doch hängt da etwas neben dem neuen Schreibtisch, das sie wohl ausmacht. Das Carida-Team hat zum Abschied für sie ein Bild gestaltet. Darauf bescheinigen ihr die Kollegen Qualitäten, die sie auch künftig gut gebrauchen kann: „Eine gute Chefin ist wie ein Fels in der Brandung. Sie kann Steine ins Rollen bringen und manchmal sogar Berge versetzen“, ist da neben Dankesworten zu lesen.
„Eine gute Chefin ist wie ein Fels in der Brandung. Sie kann Steine ins Rollen bringen und manchmal sogar Berge versetzen.“
So charakterisierte das Carida-Team Tina Rosenhammer zum Abschied
„Ich bin ein streitbarer Mensch“, sagt Tina Rosenhammer über sich selbst. „In einem positiven Sinn.“ Sie versuche etwas zu bewegen, für Menschen, die ihre Interessen selbst nicht so gut vertreten könnten.

Der direkte Klientenkontakt wird ihr fehlen, sagt sie. Künftig wird sie mehr mit Vertretern von Bezirk, Regierung, Diözese, Landkreis, Kommunalpolitik, Jobcenter, Arbeitsagentur und Pflegekassen zu tun haben. Doch aus den vergangenen 24 Jahren bei der Caritas weiß sie bei vielem, worum es da geht.
Tina Rosenhammer ist ein „Eigengewächs“. Viele Jahre arbeitete sie als Hubert Königs Stellvertreterin. Seit einigen Jahren besitzt sie Prokura. Dennoch saugt sie derzeit von Termin zu Termin auch viel Neues auf. Insbesondere in den weiteren Fachabteilungen, den Sozialen Diensten und der Altenhilfe.
Die Region kennt Tina Rosenhammer bestens. Sie ist in Neustadt aufgewachsen, in der früheren Metzgerei Rosenhammer. Ihr Abitur machte sie in Rohr. Dann studierte sie Soziale Arbeit in Landshut. Später hängte sie berufsbegleitend ein Aufbau-Studium „Systems Engineering“ hinzu. Damit hätte sie auch in der Automobil-Industrie anheuern können. Wollte sie aber nie.
Eine Arbeit, die Sinn macht
Wenn sich eines durch ihr Leben zieht, dann ist es der „soziale, kirchliche Faden“, sagt die neue Caritas-Vorständin. Klar, in der Wirtschaft könnte sie mehr verdienen. Aber ihr sei es schon immer wichtig gewesen, dass sie eine Arbeit mache, „die einen Sinn hat“.
Und nichts macht für sie mehr Sinn, als sich für Schwächere stark zu machen. Für Menschen mit Handicap, Senioren, Menschen mit Suchtproblemen, Wohnungslose oder Migranten. Allein in der Altenhilfe ist die Spanne, für die sie künftig zuständig ist, groß. Da sind sechs Sozialstationen – von Bad Abbach bis Rottenburg. Zudem gibt es drei Tagespflege-Einrichtungen in Kelheim, Bad Abbach und Pfeffenhausen mit knapp 60 Plätzen. Heute feiert eine weitere, das Projekt „Gulia“ (Gut Leben im Alter) in Mainburg, Richtfest. Hier entstehen 20 Plätze in der Tagespflege und eine erste, ambulante Senioren-WG mit zwölf Plätzen. Die Menschen wollen auch im Alter nah am Wohnort leben und betreut werden, weiß Rosenhammer. Und auch, dass der Bedarf stetig steige. Die Caritas wolle wachsen, „aber nicht um jeden Preis“. Schließlich brauche man für alles auch Personal.
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Um dieses zu „finden und zu binden“, gehe man neue Wege. Die Mitarbeitenden sollen Job und Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen verbinden können. Seit man Bewerbungen digitalisierte oder auf QR-Codes in Social Media setzt, „hat uns das viel gebracht, bei der Qualität und Reichweite“, so Rosenhammer. Gleichzeitig wolle man ältere Bewerber nicht abhängen. „Beides ist wichtig.“
Ab Herbst wird es erstmals eine Weiterbildung zur qualifizierten Pflege-Hilfskraft geben. Damit könnten Interessierte nach zehn Wochen eine Perspektive in der Tasche haben. Generell spürt Tina Rosenhammer bei Bewerbungen „einen Gegentrend“. Viele wollten heuer bei der Carida lernen. Auch „sehr gute Leute ohne Handicap“. Auch bei Vorstellungsgesprächen, etwa für Stellen in der Verwaltung, klinge öfter durch, dass die Bewerber nicht nur einen sicheren Job suchten, sondern auch eine Arbeit „mit Sinn“.
Eine solche hat die neue Chefin längst gefunden. Sie schätzt Vielfalt und Abwechslung bei der Caritas, sagt sie. Die ist zweifelsohne gegeben: Vom Vorantreiben der Digitalisierung über die Finanzierung von Projekten, die Umrüstung des Fuhrparks bis hin zur weiteren Sanierung des Sozialzentrums, in dem auch sie ihr Büro hat. Damit sie ab Januar nicht alles alleine stemmen muss, kommt ein neuer, zweiter Vorstand.
Caritasverband im Landkreis Kelheim
• Wechsel: Ende 2025 geht der langjährige Kreis-Caritas-Geschäftsführer und heutige Vorstand Hubert König (65) in Ruhestand. Seine Nachfolgerin ist Tina Rosenhammer.
• Kontinuität: „Ich freue mich, dass mit Tina Rosenhammer eine bewährte Führungskraft aus dem Verband die Leitung der Caritas Kelheim übernimmt. Sie steht für Kontinuität und hat bereits bewiesen, dass sie für unsere Werte – tätige Nächstenliebe, Gemeinwohlorientierung, Nachhaltigkeit und regionale Vernetzung – steht“, sagt König, der aktuell in Urlaub ist.
• Organisation: Die Caritas in Kelheim hat sich vor einiger Zeit neu aufgestellt. De Mitgliederversammlung gibt es nach wie vor. Aber den früheren ehrenamtlichen Kreisvorstand ersetzen nun zwei hauptberufliche Vorstände: Hubert König und Tina Rosenhammer. Der Caritasrat ist das Aufsichts-Gremium. Diesem steht Benedikt Grünewald vor, Gertrud Enzinger ist seine Stellvertreterin. Weitere Mitglieder sind Marianne Bäumler, Pfarrer Georg Birner, Alfred Gaffal, Beate Schneider, Bernhard Schöfer, Elke Stark und Pfarrer Thomas Stummer.
• „Standbeine“: Neben den Zentralen Diensten gibt es drei Fachabteilungen: die Sozialen Dienste, die Altenhilfe sowie Beschäftigung & Qualifizierung. Unter dem Dach des Caritas Kreisverbands Kelheim gibt es zudem die beiden gemeinnützigen GmbHs Caritas-Seniorendienste und Carida.
• Mitarbeiter: Mit knapp 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Caritas quasi ein „Mittelständler“. Sie zählt zu den größeren Arbeitgebern der Region.
• Jahresumsatz: knapp 12 Millionen Euro