Pfarrwiderstand und Planschvergnügen: Erinnerungen an das Flussbad in Langquaid

Von Alexandra Nurtsch · 8. August 2025 um 09:49

Einst war die Laber Langquaids beliebtester Badeplatz – bis der Pfarrvorstand eingriff. Doch es wurde weitergebadet. Die Erinnerung an das einfache Flussbad lebt. Zeitzeugen erzählen von Astlöchern, Schwimmversuchen und einem kleinen Bretterhäusl.

Endlich klettern die Temperaturen wieder über 25 Grad und die Langquaider zieht es ins Freibad nach Niederleiderndorf. Früher brauchten sie für die Fahrt zum Baden nicht einmal ein Fahrrad. Da reichten ein paar Schritte und schon waren sie an der Laber. Dort, zwischen dem Meidinger-Steg und dem Ehrenleitner, lag das einfache, aber beliebte Flussbad, gegen das einst sogar der Pfarrvorstand wetterte – und den Betrieb untersagte.

„Da bin ich immer zu Fuß runter, es war ja nicht weit“, erzählt Isolde Huber. Die heute 85-Jährige wurde 1939 geboren und kann sich noch gut an das Laberbad erinnern. „Das Wasser war schön und nicht tief – das hat gereicht. Wir haben uns nichts anderes gewünscht.“ Das Bad war mit einem Bretterzaun umgeben und zum Umziehen gab es ein Bretterhäusl mit zwei Räumen. „Ich weiß noch, dass einmal die Buben durch ein Astloch zu uns Mädchen geschaut haben. Als wir es bemerkten, gab es ein furchtbares Gekreische. Das Astloch haben wir gleich mit Gewand verdeckt.“

Isolde Huber erinnert sich noch gut an das Flussbad. - Foto: Alexandra Nurtsch

An die Bretterwand mit den Astlöchern kann sich auch Hans Stummer noch gut erinnern. Der 86-Jährige hat in der Laber das Schwimmen gelernt. „Da war immer was los“. Aus ganz Langquaid seien die Badegäste gekommen. Stummer ging oft mit Freunden an die Laber. Am liebsten seien sie reingesprungen und eine Runde geschwommen. Auch eine kleine Liegewiese habe zu dem Badeplatz gehört, erinnert er sich.

In der Laber wurde die Wäsche gespült

Doch die Laber war nicht nur Bade- sondern auch Waschplatz. Auch Isolde Huber zog mit der Wäscherin und einem Leiterwagerl zum Fluss. Dort wurde die Wäsche, die vorher in der Waschküche in kochendem Seifenwasser mit Waschbrett, Bürste und Stampfer gereinigt wurde, gespült, erzählt sie.

Von diesen Geschichten weiß auch Erna Babel, hat sie aber nicht mehr selbst erlebt. Sie kennt die alten Bilder und Dokumente aus dem Archiv. Sie war 42 Jahre beim Markt Langquaid beschäftigt und in der Zeit unter anderem für das Archiv zuständig. Sie weiß genau, wo sie hingreifen muss, um Unterlagen über das einstige Flussbad zu finden, dessen Geschichte vor 1930 beginnt.

Sprungturm geplant

In einem Brief des Bürgermeisters an das Bezirksamt Rottenburg aus dem Jahr 1935 ist zu lesen, dass der Pfarrer dem Markt 1928 ein Grundstück für die Errichtung eines Flussbads zur Verfügung gestellt hatte. Damit sollte das „wilde Baden an öffentlichen Wegen“ unterbunden werden. Das Bad wurde mit einem Bretterzaun umgeben und das Badehäusel gebaut.

"Ich weiß noch, dass einmal die Buben durch ein Astloch zu uns Mädchen geschaut haben. Als wir es bemerkten, gab es ein furchtbares Gekreische.

Isolde Huber

Kinder waren im sogenannten „Familienbad“ nicht erlaubt – auch nicht in Begleitung Erwachsener, heißt es in der Badeordnung aus dieser Zeit, die Babel im Archiv entdeckt hat. Für die Buben und Mädchen gab es zu jener Zeit zwei eigene Badehäuser unterhalb des Hammerwerks Ehrenleitner.

Doch nicht jedem gefiel das Flussbad. Der Pfarrvorstand störte sich daran, dass dort Frauen und Männer gemeinsam badeten, und untersagte den Betrieb. Daraufhin wollte der Markt das Grundstück tauschen. Ob das gelang, geht aus den Unterlagen aus dem Archiv nicht hervor. Sicher ist: Frauen und Männer badeten weiterhin gemeinsam und das Flussbad wurde immer beliebter. Bald war es zu klein und der Markt spielte mit dem Gedanken, „durch bedeutende Erweiterung ein allen modernen Anforderungen entsprechendes Bad zu schaffen“, schrieb der Bürgermeister damals.

Auch auf einer alten Ansichtskarte von Langquaid war die Badestelle in der Flussbiegung verzeichnet. - Foto: Archiv Markt Langquaid

Noch weiter gingen die Pläne während der Zeit des Nationalsozialismus. Das Bad sollte einen Sprungturm, Wettkampfschwimmbahnen, Nichtschwimmerbecken, Planschbecken und mehr erhalten. Doch daraus wurde nichts. Die Ausführung des Projekts müsse aufgrund der politischen Lage vorerst eingestellt werden, schrieb der damalige Bürgermeister im September 1939, dem Geburtsjahr von Isolde Huber. Ihre Erinnerungen und die von Hans Stummer zeigen, dass auch in den folgenden Jahren das Flussbad gern genutzt wurde.

Doch im Laufe der Jahre wurden es immer weniger Badegäste, auch weil das Wasser „nicht richtig sauber“ war, sagt Stummer. Isolde Huber ist dann lieber mit dem Rad zum Kerberger Weiher nach Niederleierndorf gefahren. Dort habe sie das Schwimmen gelernt. Der Weiher war am Ufer schön flach und wurde nur langsam tiefer. „Einmal hat mich ein Mädel aus Angst ins Tiefe gezogen, sie hat sich an mich geklammert.“ Ein Mann am Ufer habe dies beobachtet und die Mädchen gerettet, erinnert sie sich.

Plötzlich war es vorbei

Wann schließlich das Badevergnügen in der Laber endete, können Huber und Stummer nicht sagen. In einem alten Zeitungsartikel aus dem Jahr 1959 aus dem Archiv des Marktes ist noch die Rede von „unhaltbaren Zuständen“ und „wenig Aussicht auf Besserung“. „Auf einmal war‘s vorbei“, sagt Hans Stummer und der Zaun wurde abgerissen. Das Flussbad war Geschichte.

Die Holzstelen erinnern an den einstigen Badeplatz. - Foto: Alexandra Nurtsch

Auch wenn heute dort nicht mehr gebadet wird, lebt die Erinnerung an die einstige Badestelle weiter – zum einen in den Geschichten von Isolde Huber und Hans Stummer, zum anderen in den Holzstelen, die mittlerweile an dem früheren Badeplatz stehen. Wer dort vorbeikommt, kann nachlesen, wie es damals war, als die Langquaider zu Fuß zum Baden gehen konnten.