Erst warf sie ihn aus dem Café, dann wurde Hans ihr Faschingsprinz

Von Alexandra Nurtsch · 17. Februar 2023 um 15:00

Vor dem Faschingszug in Langquaid am Sonntag plaudert Hans Stummer aus dem Nähkästchen. Seine Prinzissin war zunächst recht resolut zu ihm.

Wenn am Sonntag ab 14 Uhr die Narren durch Langquaid ziehen, wird Hans Stummer an der Strecke stehen und sich an die Zeit erinnern, als er selbst als 23-Jähriger beim Umzug dabei war und den Zuschauern zuwinkte. Das war 1962. Schon damals nahmen 29 Fahrzeuge und Reitergruppen am Umzug teil. Mehr als 5000 Zuschauer säumten die Straßen. Am Sonntag werden es einige mehr sein.

Eigentlich habe er mit Fasching gar nicht so viel am Hut, erzählt Hans Stummer. Doch damals sei ein Prinz für Prinzessin Sieglinde Dengler gesucht worden. „Aber will sie mich überhaupt?“, habe er sich damals gefragt, denn kurz vorher sei er aus ihrem Café geworfen worden, erzählt er mit einem Lachen.

Kutsche tagelang geputzt

Sieglinde Dengler wollte und so musste Hans Stummer erst einmal das Tanzen lernen. „Es war eine schöne Zeit und wir haben uns gut verstanden“, blickt er zurück. Sie seien viel unterwegs gewesen und jeden Samstag habe ihn seine Prinzessin mit einem neuen prunkvollem Kleid überrascht.

Für den Faschingszug haben die Faschingsfreunde dann die Kutsche aus dem Huberbräu-Stadel geholt und tagelang hingeputzt und das Leder poliert, damit für den großen Umzug alles glitzerte und glänzte.

Von dieser Zeit ist auch im „Faschingsbuch für den Staat Langquaidia“ zu lesen, wie von der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Ab 1938 wurde es von der Faschingsgesellschaft Langquasia geführt, um davon zu zeugen, „dass man es im schönen Markte Langquaid verstand, einen zünftigen Fasching zu feiern“, ist im Vorwort zu lesen. Die Buchdeckel sind aus Holz und kunstvoll bemalt. Im Buch enthalten sind alte Zeitungsberichte, Faschingsballplakate und viele Fotos von Prinzenpaaren, den Garden, Faschingsbällen und Umzügen auf feinem Pergamentpapier. „Es ist wie eine große Festschrift“, sagt Bürgermeister Herbert Blascheck.

Erster Umzug in Langquaid fand 1910 statt

Doch die Anfänge des Langquaider Faschings gehen noch weiter zurück. Erna Babel hat viele Jahre im Langquaider Standesamt und im Archiv gearbeitet. Mit der Langquaider Geschichte kennt sie sich aus. 1910 sei im Markt bereits Fasching gefeiert worden, sagt sie. Belege dafür finden sich in einem Band der vom Bürgerverein herausgegebenen Reihe „Rund um Langquaid“. Auch von einem Faschingszug 1910 ist darin die Rede.

Nach 1938 wurde zwölf Jahre lang kein Fasching mehr in Langquaid gefeiert. Erst 1950 ging es weiter. „Damals war der Fasching eine Institution. Alle Honoratioren von Langquaid waren in der Faschingsgesellschaft dabei“, sagt Blascheck.

Viele Jahre wurde ausgiebig gefeiert. 1979 gab es die letzten Aktivitäten der Faschingsgesellschaft und somit enden auch die Einträge im Faschingsbuch. Schon die Zeit vorher sei nur mehr alle zwei Jahre Fasching gefeiert worden. Den Grund sehen Blascheck, Babel und Stummer darin, dass es ab der Zeit keinen Saal mehr in Langquaid gab. 2005 löste sich die Faschingsgesellschaft offiziell auf und viele Seiten des Faschingsbuchs blieben leer. Nur einige lose Zeitungsartikel von der Zeit ab 2005, als es wieder einen Faschingszug im Markt gab, liegen im Buch.

Seiten wurden porös

„Eigentlich müsste es weitergeführt werden“, sagt Marina Doblinger, die Assistentin des Bürgermeisters. Das „wie“ sei noch die Frage, denn es gibt Überlegungen das kostbare Werk zu digitalisieren. Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. In den vergangenen Jahren war es immer wieder ein beliebtes Nachschlagewerk für Bürger, die sich für die Faschingsvergangenheit interessierten.

Doch das Pergamentpapier ist sehr empfindlich. An den Ecken wurde es porös und auf einigen Seiten sind große Löcher. Darum wurde das Buch restauriert und kommt nun ins Archiv des Marktes. Damit auch in Zukunft Faschingsinteressierte nachlesen können, wie denn früher in Langquaid Fasching gefeiert wurde.

Fest in Narrenhand

Wann:Am Faschingssonntag, 14 Uhr, beginnt in Langquaid der Faschingszug. Start ist am Bahnhofsgelände. Von dort geht es über die Leierndorferstraße zum Marktplatz und weiter in die Rottenburger Straße und zurück.

Teilnehmer:Rund 20 Fußgruppen und 39 Wägen sind angemeldet.

Party:Nach dem Umzug findet bis 20 Uhr auf dem Marktplatz die Faschingssause statt. DJ General D sorgt für die Musik und die Siegenburger Garde tritt auf.

Die Deckel des Langquaider Faschingsbuchs sind aus Holz und kunstvoll bemalt.
Die Deckel des Langquaider Faschingsbuchs sind aus Holz und kunstvoll bemalt.
Hans Stummer, Erna Babel und Bürgermeister Herbert Blascheck (v.l.) blättern im Faschingsbuch.