Frühes Aus im Kampf gegen Leerstand: Chamer Standortkoordinatorin streicht die Segel

Von Christoph Klöckner · 8. August 2025 um 05:00

Im August 2024 hat sie sich im Stadtrat in Cham vorgestellt – gut ein Jahr später sagt sie bereits Servus: Standortkoordinatorin Anja Frühbeißer verlässt die Stadt früher als geplant und damit auch den Kampf gegen die Leerstände an Marktplatz und in der Innenstadt. Jetzt wird eine Neue oder ein Neuer für den Job gesucht – dieses Mal aus der Region.

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Zuletzt waren Anja Frühbeißer, die von der Stadt engagierte imakomm Akademie, bei der sie angestellt ist, und ihr Chef im Stadtrat in hohen Wellengang geraten: CSU-Fraktionssprecher Günther Lommer hatte seinem Unmut über die seiner Meinung nach wenig effektiven Bemühungen Frühbeißers und der imakomm für eine Belebung der Innenstadt Luft gemacht. Es werde nur geredet, aber es passiere nichts. „Sie müssen jetzt mal liefern!“, hatte Lommer gefordert.

Unbegründete Vorwürfe

Die Vorwürfe seien sachlich unbegründet gewesen, meint makomm-Geschäftsführer Dr. Peter Markert. Die Motivation Lommers, sich hierzu im Stadtrat zu melden, sei wohl eher von seinem Stammtisch ausgegangen. Lommer wisse, was die imakomm geliefert habe – sie sei vor allem engagiert, um Impulse und Ideen zu geben. Daher sei zum Start auch der Name der Stelle geändert worden – von Citymanagerin auf Standortkoordinatorin.

Der Citymanager investiere Zeit in Events, um Städte zu beleben, der Koordinator berate Verantwortliche, etwa wie bauliche Vorgaben genutzt werden könnten, um Leerstände zu beseitigen. Darunter falle zum Beispiel die Besichtigung von Immobilien in der Innenstadt, um deren Nutzung für Handel, Gastro oder Kultur zu überprüfen.

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So habe man auch vor der jüngsten Stadtratssitzung eine Immobilie angeschaut, denn „Anfragen für Räumlichkeiten sind da“, so Markert. Doch oft seien die Eigentümer nicht bereit zu investieren. „Viele der Gebäude müssen saniert werden“, stellt der imakomm-Experte fest. Man könne ein Gründerzentrum machen oder etwas für die Kultur, so Markert zur letzten Besichtigung, „aber ein Einzelhändler geht da nicht rein.“ Das habe ihm der Frey-Unternehmensleiter Helmut Hagner bestätigt. Da habe mancher Rat falsche Vorstellungen.

Nicht alles kaufbar

Letztlich habe die Stadt durch die imakomm-Expertise 150 000 Euro Sanierungskosten gespart. Sicher könne die Kommune auch nicht fünf Immobilien kaufen und sanieren – „das kann keine Stadt!“ Daher arbeite man auch an einem Belebungskonzept ohne Immobilien – etwa über Foodtrucks oder ähnliches. Anders sei es bei Vorzeigeobjekten am Marktplatz direkt. Hier sei es überlegenswert, als Stadt in eine Immobilie zu investieren, um etwas zu bewegen.

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Mit der jüngsten Attacke im Stadtrat habe der Rückzug der imakomm-Mitarbeiterin in Cham nichts zu tun, sagt am Mittwoch Geschäftsführer Markert. Anja Frühbeißer habe sich entschlossen, das Unternehmen imakomm Akademie zu verlassen und im Oktober wieder an die Universität zu gehen und den Master in Geografie zu machen. Bis Ende September sei sie noch in Cham beschäftigt, so Dr. Markert.

Ab 1. Oktober werde nun ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gesucht, der oder die die staatlich geförderte Stelle besetzen kann. Dem Wunsch der Stadt entsprechend werde eine Person gesucht, die einen Bezug zur Region und zur Stadt habe, also im besten Falle aus Cham oder Umgebung komme – und somit auch die Menschen und deren Charakter kenne und damit umgehen könne. Denn Zeit bleibt nicht mehr viel – nur bis Ende Juni 2026 wird die Personalstelle, die jetzt Anja Frühbeißer innehat, noch gefördert. Somit bleibt dem neuen Kämpfer gegen den Leerstand nicht einmal ein Jahr, um sich einzufinden und Ergebnisse zu liefern.

Mit Weiterbeschäftigung?

Um die Attraktivität zu erhöhen, gebe es jedoch – wenn alles passe – die Chance, dass die Stadt hier eine Stelle schaffe und die Person dann von Cham weiterbeschäftigt werde. Diese Möglichkeit sei auch im Text der Stellenanzeige formuliert. Nur für den ausstehenden Förderzeitraum einen Fachmann zur Unterstützung der Stadt bei der Belebung oder Wiederbelebung des Marktplatzes und der Innenstadt zu finden, da ist der imakomm-Geschäftsführer Dr. Markert eher verhalten optimistisch. „Falls das nicht klappt, suchen wir aus unserem Netzwerk einen“, sagt er. Die Befristung auf 30. Juni sei dabei natürlich schwierig, doch vielleicht könne das Angebot der Stadt auf Weiterbeschäftigung helfen.

Dr. Markert sieht in Cham durchaus Potenzial. Die Stadt habe eine schöne Kulisse und viele tolle Firmen. Daher laute die Aufgabe für imakomm auch nach Tiefschlägen: „Aufstehen und weiterarbeiten!“

Hilfe über die Förderstelle

Über staatliche Fördertöpfe der Regierung der Oberpfalz wird die Stelle der Standortkoordinatorin, die gerade Anja Frühbeißer innehat, zu 60 Prozent gefördert. Sie soll dazu dienen, den Städten beim Kampf gegen Leerstände zur Seite zu stehen und die Innenstädte wiederzubeleben. Die Stelle in Cham ist auf zwei Jahre befristet, beauftragt zur Beratung der Stadt und zur Betreuung und Besetzung der Stelle ist die imakomm Akademie aus Aalen. Danach läuft die Förderung automatisch aus.

Anja Frühbeißer stellte sich im August 2024 dem Stadtrat im Beisein von Bürgermeister Stoiber und Dr. Christian Eckert (li.) von der imakomm vor. - Foto: Christoph Klöckner