Frey-Unternehmensleiter fordert klaren Plan für Neubelebung der Chamer Innenstadt

Als Mathias Frey 1901 sein Chamer Geschäft ins Handelsregister eintragen ließ, dürfte es am Marktplatz vor Menschen nur so gewuselt haben. Wenn Frey-Unternehmensleiter Helmut Hagner heute Mittag von Mathias aus auf den Marktplatz runter schaut, hält sich das Gewusel mehr als in Grenzen: Nur beim Dönerstand ist eine Schlange. Sonst ist der Platz leer.
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Mathias, so heißt der Besprechungsraum ganz oben im Frey-Modeerlebnishaus am Marktplatz, der nach dem Urahn der heutigen Frey-Generation benannt ist. Nächstes Jahr feiert Frey das 125-Jährige – seit dem Start verteidigt das Unternehmen den Hauptsitz in Toplage am Marktplatz in Cham. Damals gegen Mitkonkurrenten am Platz, heute etwa gegen den Online-Handel.
Was ist mit Pop-up-Stores?
Helmut Hagner hat die jüngste Debatte um ein Pop-up-Konzept im Stadtrat verfolgt und kann CSU-Stadtrat Günther Lommer verstehen, dem die Hutschnur geplatzt ist und der endlich Lösungen von der beauftragten imakomm Akademie fordert. Als Hauptmagnet in der Innenstadt sieht er durchaus Bedarf, sich hierzu auch zu Wort zu melden.
Das Unternehmen imakomm, das mit Anja Frühbeißer auch in Cham eine Standortkoordinatorin initiiert hat, stellte im Stadtrat ein Pop-up-Konzept vor, das Leerstände füllen und für mehr Frequenz sorgen soll. Um hier Neues zu schaffen, hatte der Stadtrat bereits einige Immobilien am Marktplatz besichtigt, wie zuletzt etwa die leerstehende HypoVereinsbank. Die Gebäude könnten von der Stadt gekauft und dann kostenlos oder kostengünstig an Pop-up-Interessierte abgegeben werden.
Auch Hagner sieht wenig, was Dank der imakomm vorwärtsgegangen ist. In Großstädten könnten solche Pop-up-Stores mehr Frequenz bringen – in Cham funktioniere das nicht, so der Frey-Chef. Grundsätzlich begrüße Frey als größter Einzelhändler in der Chamer Innenstadt mit fast 10 000 Quadratmetern Verkaufsfläche jede Initiative, die sich mit der Zukunft der Innenstadt auseinandersetze. Pop-up-Stores könnten eine Ergänzung sein, „aber sie sind nicht die Lösung für das zentrale Problem unserer Zeit.“ Es gelte, die nachhaltige Rückgewinnung von Kundenfrequenz in den Innenstädten zu schaffen.
Zu wenig gute Flächen
Die Zeit könne man nicht zurückdrehen, doch es gelte heute, das Beste aus der Lage zu machen. Die Stadt könne hier nicht als Unternehmen Leerstände füllen, sondern nur den Rahmen schaffen. Etwa, gute Verkaufsflächen für eine Neunutzung anzubieten. Doch schon da werde es schwierig, „denn gute Flächen gibt es nur wenig. Viele sind nicht vermietbar.“ Die Stadt kann für eine saubere Stadt sorgen, für ein ordentliches Aussehen. Denke er allein an die Judenstraße, gebe es da noch viel zu tun. „Das Ortsbild ist nicht attraktiv“, sagt er – auch nicht am Marktplatz, wo manche Fassade bröckele. Sicher seien Blumen und Grün in der Stadt schön und er sehe viele, die Fotos davon machen würden, doch deshalb komme keiner extra in die Stadt,
Wo es auch aus seiner Sicht Nachholbedarf gibt, ist bei der Imagewerbung. Kulturangebote wie etwa der Sommer am Regenbogen würden völlig untergehen. Die Stadt verkaufe sich unter Wert, „es braucht mehr Marketing!“ Vor allem, um als Oberzentrum gegen Regensburg und Straubing bestehen zu können. Es gebe hier noch einige, die als Händler in Cham gut dabei seien, wie K+B, Zitzmann, Schierer, Brückl oder auch Gruber. Nicht umsonst habe die Stadt Cham mit 280 eine Zentralitätskennziffer, die zu den Spitzenwerten in Bayern gehöre. Doch müsse dieser Wert immer wieder erarbeitet werden. Eines sei auch klar: „Die Stadt kann nicht die Probleme des Handels lösen!“
Es fehlt einiges
Es mache große Sorgen, wenn wie aktuell, Frequenzbringer wie Ärzte oder Apotheke aus der Stadt vor die Stadt auswandern würden. Solche Abwanderungen verringere schleichend die Frequenz. Dazu fehle am Marktplatz eine aktive Gastronomie, es fehle an einem lebendigen Umfeld durch eine durchdachte Mischung an Geschäften, relevanten Sortimenten, an einladenden Plätzen, gutem und bezahlbarem Wohnraum und abgestimmten Öffnungszeiten vor allem bei Gastronomie und Eisdielen. Der Handel sei bis heute ein identitätsstiftender Faktor.
Frey habe viel investiert und sei Risiko gegangen, um eine gute Frequentierung zu haben. Früher habe man von Marktredwitz nach Cham geschaut, um zu sehen, wie es dort gemacht wird, heute sei es umgekehrt. „Wir stellen uns die Frage: Warum sollte ein Kunde herfahren?“ Für Frey sei die Triebfeder, etwas Einzigartiges zu bieten. Diese Frage müsse sich auch die Stadt stellen, um die Ursachen zu bekämpfen. Er sehe viel Positives, doch werde das schlecht kommuniziert. Mit Schema F seien die Probleme nicht lösbar.
Keine gute Entwicklung
Hagner beobachtet zudem am Markt nichts Gutes. Seit Jahren gebe es die Online-Konkurrenz und die Billiganbieter – bisher sei das immer wellenartig verlaufen – mal surfte der stationäre Handel auf der Welle, mal sei er im Tal unterwegs gewesen. Doch heute gebe es nur eine Welle nach unten.

Die Folge: Keiner wolle im Handel mehr ein Risiko eingehen, daher finde sich auch kein Geschäftsmann für die Leerstände. Dazu fehle auch die konjunkturelle Belebung. „Wir müssen wieder vor die Welle kommen.“ In Großstädten sei das Thema leichter zu handhaben, da dort die Umwandlung in Wohnungen bleibe.
„Die 1000-jährige Handelsstadt Cham braucht einen klaren Plan, wie sie die Transformation schaffen will“, fordert Hagner.