Chams Stadrat Lommer platzt bei Debatte der Kragen: „Sie müssen jetzt mal liefern!“

Von Christoph Klöckner · 2. Juli 2025 um 19:00

Wortmeldungen im Chamer Stadtrat halten sich in Grenzen – das Meiste ist im Vorhinein in den Fraktionen besprochen. Doch am Donnerstag gab es eine unerwartete Grenzüberschreitung: Günther Lommer, CSU-Fraktionssprecher, platzte der Kragen. „Ich bin jetzt 41 Jahre im Stadtrat, aber so etwas Flaches haben ich selten gehört“, griff er Dr. Markert an, der gerade sein Pop-up-Konzept für Cham vorgestellt hatte.

Und damit nicht genug. „Sie sind jetzt zwei Jahre hier in Cham, sie müssen jetzt mal etwas liefern!“, legte er nach: „Das ist aber nicht der Fall.“ Dr. Peter Markert, Geschäftsführer der Firma imakomm Akademie, hatte dem Stadtrat ein Pop-up-Konzept vorgestellt. Die imakomm Akademie aus Aalen berät die Stadt in Sachen Innenstadtbelebung und hat mit Anja Frühbeißer seit 2024 eine Standortkoordinatorin vor Ort, um hier etwas zu bewegen.

„Was machen Sie?“

Das Konzept kam bei Lommer offensichtlich alles andere als gut an. Cham habe schon viel probiert und viel versucht, um mehr Menschen in die Innenstadt zu bringen. Auch Pop-ups hätten dazu gehört – die seien aber alle wieder weg. Es fehle ihm der Impuls, den eigentlich die beauftragte imakomm Akademie liefern solle. An den Kosten könne es jedenfalls nicht scheitern, so Lommer.

In einer Nachbarstadt sei es gelungen, gleich sieben Leerstände durch solche Pop-ups wiederzubeleben. „Was machen Sie?“, fragte er provokant Dr. Markert. Hier würden keine Lösungen vorgeschlagen, sondern nur Erklärungen vorgetragen, warf Lommer dem Geschäftsführer Untätigkeit vor: „Das hilft uns nicht weiter!“

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Nach dem Ausbruch Lommers versuchte Bürgermeister Martin Stoiber zu erklären, worum es hier gehe. Es würden Gebäude gesucht, die die Stadt anmieten wolle, um solche Pop-up-Stores dort zu installieren. In der besagten Nachbarstadt seien es ehrenamtliche Initiativen, die die sieben Geschäfte mit ihren Ideen füllen würden, erklärte er Richtung Dr. Markert. „Alles gut. Ich bin höflich“, entgegnete der imakomm-Geschäftsführer.

In seinem Pop-up-Konzept hatte Markert beschrieben, worauf es bei Standorten für Pop-up-Stores ankomme, damit sie funktionieren würden. Gefragt seien Immobilien in bester Lage in der Innenstadt mit hohen, großen Räumen, Schaufenstern, Barrierefreiheit und einer Nutzung durch gleich mehrere Anbieter, um mehr Frequenz zu erreichen. Die Stadt miete die Räumlichkeiten an und gebe sie für ein, zwei oder drei Monate, je nach Bedarf, an Pop-up-Interessierte bei freier oder geringer Miete weiter.

Gesucht: Geeignete Räume

Ziel sei es, durchgehend übers Jahr die Räume mit Handel, Gastronomie, Kunst, Vereinen oder anderem zu füllen und damit Bewegung in die Stadt zu bringen. Daraus ergäben sich dann eine Stärkung des Handels, ein Imagegewinn für die Stadt und soziale wie kulturelle Impulse. Überall in der Republik werde das probiert, so Dr. Markert. In Cham gelte es, die richtigen Räume zu finden.

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An geeigneten Immobilien hapert es offensichtlich, obwohl der Stadtrat schon einige besichtigt hat. Es gebe solche Gebäude in Toplage, die das bieten würden, entgegnete Lommer „Ist mit den Besitzern gesprochen worden?“, hakte er nach. Am Stammtisch werde massiv geschimpft, dass sich in Cham nichts mehr bewege: „Und es gibt keine Idee, wie es weitergeht!“ Cham könne es sich nicht erlauben, so wenig Leben in der Stadt zu haben.

In nichtöffentlicher Sitzung wurde die Diskussion fortgesetzt – sie sei gut gewesen, so Stoiber. Letztlich habe sich herauskristallisiert, dass die Stadt eine Immobilie erwerben und womöglich sanieren müsse, um hier weiterzukommen.

Die Chamer Kläranlage muss saniert werden. - Foto: Simon Taschnnerl

Ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung war die Kläranlage in Cham. Die Generalsanierung der Chamer Kläranlage wird teurer als zunächst gedacht. Im Stadtrat wurde am Donnerstag die Entwurfsplanung des Bauabschnitts II vom neuen Stadtbaumeister Tiefbau, Josef Ried, erläutert und dabei auch die erwartete Kostensteigerung angesprochen.

Notwendig wurde die Sanierung der 1973 gebauten städtischen Kläranlage und letztmals im Jahr 2000 auch, weil die Einleitungsgenehmigung für sie zum 31. Dezember 2022 abgelaufen ist. Dadurch ergab sich Handlungsbedarf, um die wasserrechtliche Neugenehmigung zu erhalten.

Sanierung wird teurer

Die Vorentwurfsplanung wurde Ende 2024 verabschiedet – kosten sollte die Umsetzung knapp 4,4 Millionen Euro. Nun liegt die Entwurfsplanung zum Bauabschnitt II vor, die das Bauprojekt detaillierter berechnet hat. Die Umsetzung soll nun 4,644 Mio. Euro teuer sein – also 285 000 Euro mehr.

Bürgermeister Martin Stoiber erläuterte, dass die Maßnahme mit 70 Prozent gefördert werde. Dafür müsse die Sanierung bis 2027 beendet sein. Da es ein Spezialbau sei, dessen Aufträge 2025/26 EU-weit ausgeschrieben werden, glaube er nicht, dass es unter fünf Millionen Euro kosten werde.