Wenn Kinder in den Ferien freiwillig zur Schule gehen – Spielewoche lockt 200 Kinder

200 Kinder können nicht irren: Wenn Kinder trotz Schulferien gerne zur Schule gehen, muss das einen besonderen Grund haben. Eine Spurensuche.
Die Neustädter Grundschule in dieser Woche: Vor einigen Tagen gab es hier die lang ersehnten Ferien und dennoch wimmelt es im Erdgeschoss, in der benachbarten Turnhalle und auf dem Grundstück von Kindern. Sie haben nicht etwa das Ende des Schuljahres verschlafen, sie sind absichtlich hier, denn es findet der Klassiker der Neustädter Ferienbetreuung statt.
Die Spielewoche lockt täglich 200 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren ins Schulhaus. Sie werden von 40 Jugendlichen und Erwachsenen betreut. Die Betreuer sorgen für ein abwechslungsreiches Programm. Das Hüttendorf, in dem sich junge Handwerker mit Hammer und Säge versuchen können, gehört genauso dazu wie Kinderschminken, kreative Bereiche und Outdoor-Aktivitäten oder die Bauklötze in der Turnhalle.

Es gibt sogar Workshops. So hat Julia Guttenberger den Kindern erklärt, wie man Blumenkränze selbst binden kann und die Fußballerinnen des SV Hadrian Hienheim haben den Mädchen gezeigt, wie man gut Fußball spielt. Außerdem gibt es einen Schnitzkurs und Ausflüge – zum Beispiel zum Altenheim St. Josef, zur Neustädter Feuerwehr, dem BRK, der Firma Intertec oder zur Bücherei.
„Die Idee hinter der Spielewoche“, sagt Monika Weber, die bei der Stadt Neustadt a.d. Donau für die Generationenarbeit zuständig ist, „ist, dass die Kinder freiwillig kommen und hier das passende Angebot finden. Außerdem sollen sie am Ende mit einer schönen Erinnerung an die Spielewoche nach Hause gehen.“ Theresa Jobst, die sonst als Sozialpädagogin an der Anton-Balster-Mittelschule arbeitet, ergänzt: „Wichtig ist auch, dass bei den Kindern jeder mit jedem spielen kann.“
Feuerwehr begeistert
Wie zum Beweis geht es bei der Spielewoche mal lauter und mal ruhiger zu. Immer sind die Kinder aber gut gelaunt. Der Umzug der Traditionsveranstaltung vom Anton-Treffer-Stadion scheint der Freude der Kinder keinen Abbruch getan zu haben. Eher im Gegenteil. „Die Kinder kennen sich in der Schule aus. Sie wissen, wo beispielsweise die Toiletten sind. Sie bewegen sich in ihrem gewohnten Umfeld“, erklärt Monika Weber.
Selbst das schlechte Wetter am Montag, dem ersten Tag der Spielewoche, konnte die gute Laune nicht trüben. „Die Kinder waren trotzdem draußen aktiv“, sagt die Schulsozialpädagogin. Und der kleine Elias meint schlicht: „Ich komme morgen wieder. Dann kommt nämlich die Feuerwehr.“ So einfach kann Ferienspaß sein. Feuerwehr statt Freizeitpark.

Wobei das allein noch nicht das Geheimnis der Spielewoche ist. Es geht auch um das Gemeinschaftserlebnis, das Kennenlernen neuer Freunde und die Begeisterung für die angebotenen Beschäftigungen. Ursächlich für den Erfolg sind aber auch die Betreuer. Sie sind wie Michael (15) mit Herzblut dabei. Er sagt: „Ich habe schon früher als Kind selber an der Spielewoche teilgenommen.“
Jonathan (17) erklärt: „Ich bin sozial engagiert und zum Beispiel in der Bereitschaft des BRK in Neustadt aktiv. Ich liebe die Arbeit für und mit Menschen.“ Deshalb hat der Jugendliche auch schon feste berufliche Vorstellungen. Nach dem Fachabitur will er Notfallsanitäter werden oder in die Pflege gehen.

Philipp (13) gesteht, dass er auch pekuniäre Interesse verfolgt. Er will mit seiner Aufwandsentschädigung sein Hobby, das Angeln, finanzieren.
Es sind diese Betreuer, die den Betrieb am Leben halten, den Kindern Spiele erklären oder auch mal trösten, wenn etwas nicht so klappt und einfach immer für die Kinder da sind.

Disziplin beim Mittagessen
Wie routiniert und diszipliniert es bei all dem zugeht, zeigt sich jeden Tag, wenn es ums Mittagessen geht. Brav stehen die Kinder in zwei langen Schlangen, um an den beiden Ausgabestellen in der Turnhalle ihr Mittagessen in Empfang zu nehmen. Und wie wenn sie es seit vielen Jahren so machen würden, haben alle Kinder nach wenigen Minuten ihr Essen.

Vielleicht aber hat die Disziplin bei der Essensausgabe ihren Grund auch darin, dass das Essen, das von der Kinderküche Eichinger in Hienheim zubereitet wird, Kinderherzen höher schlagen lässt. So gibt es Gemüsesticks, Spaghetti, Kaiserschmarrn, Hähnchengeschnetzeltes und Gemüsebratlinge – außerdem Brezenstangen und Obst, die die Bäckerei Gabelsberger und Edeka Kirschner sponsern.