Evangelische Kurkirche in Bad Gögging steht zum Verkauf

Von Wolfgang Abeltshauser · 5. August 2025 um 11:00

Seitdem Pfarrer Michael Murrmann-Kahl in Pension gegangen ist, klafft eine große personelle Lücke bei der evangelischen Kirche in Neustadt a. d. Donau im Landkreis Kelheim. Die gute Nachricht ist, dass die Pfarrgemeinde mit viel Einsatz das bisher besser kompensiert als womöglich erwartet. Trotzdem müssen die evangelischen Christen auf einen liebgewonnen Baustein des Gemeindelebens endgültig verzichten.

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Das war so Ende des vorigen Jahren nicht unbedingt zu erwarten: Laut Pfarrerin Anne-Katrin Streeck habe man es geschafft, sowohl für die Abensberger als auch die Neustädter Gemeindemitglieder die gewohnten Gottesdienst-Angebote zu machen. Die Pfarrgemeinde umfasst beide Kommunen. „Das hat sich bisher ganz gut eingespielt.“ Sicherlich bedeute das für sie, die eine oder andere Überstunde zu machen.

Darüber will sie aber gar nicht viel Aufhebens machen. Denn der eigentliche Grund, dass die Betreuung der Gläubigen in der Gemeinde trotz des Fehlens eines zweiten Pfarrers doch ganz gut funktioniere, liege bei Leibe nicht nur an ihr. Viele Mitglieder würden viel Einsatz zeigen, um Angebote aufrecht zu erhalten. Vor allem habe man eine Lektorin und einen in Ausbildung befindlichen Prediger in den eigenen Reihen, die seit geraumer Zeit auch Gottesdienste übernehmen.

Sogar ein zusätzliches Angebot

Und so war es sogar möglich, in Neustadt a. d. Donau ein zusätzliches Angebot an den Start zu bringen. Kirche Kunterbunt heißt es - und richtet sich laut Streeck an alle Kinder mitsamt deren Eltern Großeltern, Tanten, Onkeln und Paten. Hier könnten sie einmal Kirche ganz anders erleben: Zeit miteinander verbringen, mit anderen ins Gespräch kommen. Kreativ sein und wild. Dazu Geschichten hören und sich begeistern lassen. Es gebe immer ein Programm zu einem bestimmten, im Vorfeld bekanntgegebenen Thema. Der nächste Termin ist nach ihren Worten am Sonntag, 21. September, von 10 bis 13 Uhr im Gemeindezentrum Irene. Im Dezember des Vorjahres hatte Streeck zwar gehofft, dass sich das alles so entwickeln würde. Sicher konnte aber niemand sein.

Trotz dieser positiven Zeichen ist Streeck froh, dass die derzeit nicht besetzte Stelle in der Pfarrgemeinde mittlerweile ausgeschrieben ist. Und sie habe von den übergeordneten Stellen auch klare Signale bekommen, dass man sie tatsächlich auch besetzen will. Letzte Zweifel bleiben bei ihr aber, ob das auch gelingt. Sie verweist auf den Pfarrermangel, den es auch in der evangelischen Kirche gebe.

Jeder evangelische Theologe ist willkommen

Allerdings müsse es kein Pfarrer sein, der in der Pfarrgemeinde Abensberg/Neustadt künftig seinen Dienst tut. Wie bereits berichtet wird eine religionspädagogische Fachkraft gesucht, die der mittlerweile geltende Stellenplan vorsieht. Und das könne letztendlich jede Person sein, die Theologie studiert hat. Auch ein Diakon könnte sich etwa darauf bewerben. Diese Mitarbeiterin oder dieser Mitarbeiter soll die Pfarrerin vor allem in der Gemeindearbeit abseits der Gottesdienste, etwa der Jugendarbeit, unterstützen. Die Aufteilung der Aufgaben soll laut Streeck aber erst dann erfolgen, wenn die Stelle besetzt ist. Und man die Qualifikation der neue Kraft kenne.

Bisher gab es diese Stelle bei der Pfarrei noch nicht, dafür war die Kurseelsorge in Bad Gögging ein Teil des Aufgabengebiets des ausgeschiedenen Murrmann-Kahls. Dies ist in dieser Form wie bereits berichtet nicht mehr vorgesehen. Streeck weiß, dass mittlerweile die Stelle eines Klinikseelsorgers für die Reha-Einrichtungen ausgeschrieben ist. Wie genau die Betreuung der Gläubigen, die zur Kur in Bad Gögging sind, aussehen wird, ist derzeit also nicht zu sagen.

Keine Gottesdienste mehr in Bad Gögging

Fest steht laut Streeck, dass es künftig keine evangelischen Gottesdienste in der Kurkirche mehr geben wird. Die ist endgültig geschlossen. Auf einem Aushang an der Informationstafel des Gotteshauses ist zu lesen: Aus gegebenem Anlass finden keine weiteren Gottesdienst und Veranstaltungen in der evangelischen Kurkirche mehr statt.

Viel Grün umgibt die evangelische Kurkirche - Foto: Wolfgang Abeltshauser

So mancher, der die Verhältnisse in Neustadt a. d. Donau kennt, bedauert das. Es habe immer eine besondere Atmosphäre in und rund um das kleine Gebäude geherrscht. Schon das viele Grün außen herum mache das Gotteshaus zu einer speziellen Kirche. Innen erinnere sie weniger an einen nüchternen Gebetsraum, sondern eher an einen wohligen Wohnraum.

Der ehemalige stellvertretende Dekan Uwe Biedermann hat schon vor einigen Monaten auf ein Sparkonzept der Kirche verwiesen, bei dem es darum gehe, sich von Immobilien zu trennen. Die Gögginger Kirche stehe auf der Streichliste. Laut Dekan Jörg Breu laufe die Suche nach einem Käufer für das Gebäude, ohne dass es bisher ein Ergebnis gebe. Normalerweise sei es laut Biedermann so, dass man erst einmal an die Kommune herantrete, um abzuklären, ob diese interessiert sei, den Bau zu erwerben. „Für uns kommt das aufgrund unseres Defizits derzeit nicht in Frage“, stellt Bürgermeister Thomas Memmel auf Nachfrage dieser Zeitung klar.

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Dazu bestätigt er Verkaufsgespräche zwischen Kirche und Interessenten. Grundsätzlich sei es schon im Sinne der Stadt, das Gebäude sinnvoll weiterzunutzen. Und so verrät er Weiteres: In Zukunft könnte die Stadt die Räume hin und wieder nutzen: Es gebe mittlerweile eine Nutzungsvereinbarung für Veranstaltungen der Volkshochschule.

Auf Gottesdienste müssen evangelische Kurgäste in der Region aber auf keinem Fall verzichten. Schon im Dezember hatte Streeck diese eingeladen, die Angebote in Neustadt a. d. Donau wahrzunehmen. Im Internet sei sie längst als Ansprechpartnerin auf der Seite der evangelischen Kurseelsorge hinterlegt.