Rätsel über die Zukunft des „Großen Wirts“ in Neustadt – Eigentümer legen Pläne offen

Das Wirtshaussterben geht weiter – auch im Landkreis Kelheim. Jetzt ist auch das Schicksal einer Traditionsgaststätte aus einem Neustädter Ortsteil besiegelt. Und das sogar amtlich.
Es war der Bauausschuss des Stadtrats, der das letzte Wort in der Sache hatte. Dem lag nämlich ein Antrag für eine Nutzungsänderung vor: Das Gebäude des „Großen Wirts“ in Schwaig soll eine Arbeiterpension werden. Der Antrag für die Nutzungsänderung sei formell richtig und inhaltlich korrekt gestellt worden, sagte Neustadts 2. Bürgermeister Günter Schweiger, der die Sitzung geleitet hatte. Der Beschluss der Ausschussmitglieder fiel deshalb einmütig. Das bedeutet: Der „Große Wirt“ ist Geschichte.
Ganz überraschend kommt diese Entwicklung nicht. Zwar war gerüchteweise in Schwaig zu hören gewesen, dass die Gaststätte doch wieder eröffnet werden könnte. Tatsächlich gab es dafür aber keine Anzeichen. Im Gegenteil. So waren zunächst die Räume der früheren Bankfiliale, die im selben Anwesen untergebracht war, zu Wohnraum umgestaltet worden. Dann verschwanden zuletzt auch die Schaukästen neben dem Eingang zum Wirtshaus.

Auf Nachfrage erklärte Richard Ormann für die neuen Eigentümer des Anwesens: „Das Wirtshaus gibt es nicht mehr. Es wird alles umgebaut.“ Geplant sind Zimmer mit Dusche und WC. Die Familie Ormann betreibt nach eigenem Bekunden noch weitere Immobilien.
„Bisschen enttäuscht“
Dennoch ist Neustadts 2. Bürgermeister ein „bisschen enttäuscht“, wie er selbst sagt, dass Schwaig nun ein Wirtshaus weniger hat. Aber statt bisher drei Lokale sind es jetzt nur noch zwei. Andere Ortsteile von Neustadt a.d. Donau stehen weit schlechter dar. So haben beispielsweise Geibenstetten, Mühlhausen, Hienheim und Sittling seit Jahren kein Wirtshaus mehr. In Mühlhausen werden deshalb Anstrengungen unternommen, um über die Dorferneuerung zu verhindern, dass aus dem Dorf ein Schlafort wird.
Ganz so dramatisch ist die Situation in Schwaig jedoch nicht. Dennoch bedauert auch Stadtrat Mike Hartl, der wie der 2. Bürgermeister in dem Ortsteil lebt, dass es den „Großen Wirt“ nicht mehr gibt. Das Gasthaus habe zum Leben seiner Familie gehört. „Mit meinen Eltern und Geschwistern sind wir oft zum Essen beim ‘Wirt‘ gewesen“, sagt er. Das Wirtshaus sei auch für seine Stammtische und den Frühschoppen bekannt gewesen. „Der ‘Große Wirt‘ war einer der Mittelpunkte bei uns im Dorf“, stellt Hartl fest. „Es war eine urige Gaststätte. Man hat sich darin wohl gefühlt, es war wie ein Wohnzimmer.“

Das Ende des Wirtshauses, das es seit über 300 Jahren gab und dem einst auch der französische Kaiser Napoleon Bonaparte eingekehrt war, ist Anfang vorigen Jahres eingeläutet worden. Leni Kleindorfer, die den Gasthof „Zum großen Wirt“ besessen und mit ihrer Familie betrieben hatte, hatte die Immobilie im Internet annonciert. Lange hatten sich die Kleindorfers gegen die Veränderungen in der Branche gestemmt. Vater, Mutter und Tochter kochten, bedienten und vermieteten nebenbei auch noch Fremdenzimmer und Appartements. Die Mahlzeiten waren legendär groß und lecker und die Preise sensationell niedrig.
Lokal geschlossen
„Die Gaststätte wurde gut angenommen von den Vereinen, Jung und Alt fühlten sich bei uns wohl“, sagt Leni Kleindorfer. Hochzeiten, Geburtstage, Vereinsfeste und Theateraufführungen wurden hier gefeiert. In besten Zeiten wurden zahlreiche Helfer und Helferinnen in der Gaststätte beschäftigt. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Schließlich sperrten deshalb Leni Kleindorfer, die längst im Rentenalter war, und Tochter das Wirtshaus zu.
Lange hingen danach noch die Kästen mit den Bekanntmachungen der Vereine neben dem Eingang zur Gaststätte. Die Geflügelzüchter, der Burschenverein und der Sportverein hatten hier ihre Neuigkeiten mitgeteilt. Auch diese Kästen sind inzwischen verschwunden – genauso wie die handgeschriebene Speisekarte direkt neben der Tür.
Der „Große Wirt“ hat geschlossen. Für immer.