Rentenbescheide falsch berechnet? Was hinter der angeblichen „Panne“ steckt

Von Christoph Eberle · 10. August 2025 um 07:30

Rund 22 Millionen Rentnern wurde im Juli bundesweit mehr Pflegeversicherung abgezogen. Eine Panne, berichteten mehrere Medien. Was der Hintergrund ist, um wie viel Geld es überhaupt geht und warum keine „Panne“ dahintersteckt, lesen Sie hier.

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Was ist passiert? Der Beitragssatz in der sozialen Pflegeversicherung wurde zum 1. Januar 2025 von 3,4 auf 3,6 Prozent plus Kinderlosenzuschlag erhöht. Für Rentner galt die Erhöhung aber zunächst nicht, sondern wurde erst zum Stichtag 1. Juli wirksam, also zeitgleich mit der diesjährigen Rentenerhöhung um 3,74 Prozent. Insofern mussten die Rentner den Pflegeversicherungsbeitrag für die ersten sechs Monate des Jahres nachzahlen. Wer die Zahlen in seinem Rentenbescheid in den Taschenrechner tippt, merkt aber: Berechnungsgrundlage dafür ist die erhöhte Rente gewesen – die von Januar bis Juni ja noch gar nicht galt.

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Warum ist für Rentner überhaupt einmalig ein höherer Pflegebeitrag fällig? Da der Beitragssatz zur Pflegeversicherung nach Angaben einer Rentenversicherungssprecherin noch am 20. Dezember 2024 von der ehemaligen Ampel-Regierung sehr kurzfristig zum 1. Januar 2025 angehoben wurde, fehlte nach Auskunft der Deutschen Rentenversicherung die Zeit, um die Bescheide für die bundesweit rund 22 Millionen Rentner anzupassen. „Aufgrund der sehr kurzfristigen gesetzlichen Umsetzung und in Kombination mit der Umsetzung der kinderbezogenen Staffelung der Pflegeversicherungsbeiträge wurde in der Verordnung festgelegt, dass die Deutsche Rentenversicherung die Anpassung erst zum Juli 2025 – zeitgleich mit der Rentenerhöhung – im Rahmen eines bundesweiten automatisierten Verfahrens umzusetzen hat“, so eine Rentenversicherungssprecherin.

Um wie viel Geld war der Pflegebeitrag im Juli höher? Der Beitragssatz im Juli 2025 ist laut Rentenversicherung einmalig 1,2 Prozentpunkte höher, das entspricht sechs Monaten mal 0,2 Prozent. Der allgemeine Beitragssatz im Juli 2025 beträgt damit einmalig 4,8 Prozent. Ab August 2025 liegt er dann wieder regulär bei 3,6 Prozent plus gegebenenfalls Kinderlosenzuschlag.

• Bei einer Rente von 1000 Euro sind das im Juli beispielsweise 12 Euro, die zusätzlich zu zahlen waren.

• Bei 1500 Euro Rente ging es um einmalig 18 Euro.

• Bei 2000 Euro Rente ging es um 24 Euro.

Ist die Berechnungsgrundlage eine „Panne“? Mehrere Medien berichteten groß von einer „Panne“. Eine Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung stellt jedoch gegenüber der Mediengruppe Bayern klar: Die Berechnung der Renten erfolgte korrekt und rechtskonform. Das Ganze war laut Deutscher Rentenversicherung bewusst so konzipiert – und zwar in der „Verordnung zur Anpassung des Beitragssatzes in der sozialen Pflegeversicherung 2025“. „Der Vorteil besteht darin, dass beide Anpassungen – die Erhöhung der Renten um 3,74 Prozent und die Anpassung des neuen Pflegebeitragssatzes in einem Schritt automatisiert umgesetzt werden konnten“, teilt die Rentenversicherung mit. Der Bundesverband der Rentenberater bezeichnete die Regelung dennoch als „ungerecht“.

Wie viel Geld wurde Rentnern zu viel abgezogen? Bei einer monatlichen Rente von 1000 Euro bedeutet die Regelung laut Rentenversicherung eine einmalige Abweichung in Höhe von 45 Cent brutto bezogen auf den bis Juni erhaltenen geringeren Rentenbetrag. Für den einzelnen Rentner also nicht viel, bundesweit kommt aber bei 22 Millionen Rentnern dennoch ein Betrag von über zehn Millionen Euro zusammen.

Wen es stärker trifft, sind alle, die erst im Frühjahr 2025 in Rente gegangen sind. Auch sie mussten laut Bundesverband der Rentenberater gemäß der Regelung die vollen 1,2 Prozent Einmalbetrag für den Zeitraum von Januar bis Juni zahlen, obwohl sie da gar nicht durchgängig Rente bezogen haben.