Zur Forderung nach mehr und längerer Arbeitszeit: Ende der Rentenmär

Von Gerd Schneider · 28. Juli 2025 um 05:00

Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) befürwortet eine längere Lebensarbeitszeit. Demnach verweigerten sich ihrer Meinung nach zu viele zu lange der demographischen Realität. „Wir müssen mehr und länger arbeiten“, sagte Reiche. Ein Kommentar dazu von Chefredakteur Gerd Schneider.

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Vom vorigen Kanzler Olaf Scholz (SPD) ist der Satz überliefert, es sei eine Frage des Anstands, den Status quo in der Rentenfrage zu belassen, wie er ist. Der Ausspruch ist beispielhaft für die Art Politiker, die den Wählern lieber sagen, was diese hören wollen, als ihnen reinen Wein einzuschenken. Um ehrlich zu sein: Es gibt leider zu viele davon.

Umso löblicher, dass Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nun Klartext spricht. Es geht ja nicht darum, aktuellen oder künftigen Rentnern den Ruhestand bei hoffentlich vernünftigen Bezügen zu missgönnen. Aber der Staat kann nur das verteilen, was in der Rentenkasse ist.

Eine Frage des Anstands

Fakt ist, dass immer weniger Beschäftigten, die die Kassen füllen, immer mehr Rentner gegenüberstehen. Daher wird niemand, der bei Verstand ist, anzweifeln, dass es höchste Zeit ist, unser Rentensystem endlich an die demografischen Verhältnisse anzupassen, sprich: zu reformieren.

Zur Wahrheit gehört, dass diejenigen, die dazu in der Lage sind, künftig länger arbeiten werden müssen. Man kann nur hoffen, dass weitere Politiker Reiches Beispiel folgen – es ist sogar, um noch einmal Olaf Scholz zu bemühen, eine Frage des Anstands.