Musikunterricht im Städtedreieck: Gelingt Dirigenten am Runden Tisch Rückkehr zur Harmonie?

Für die einen ist es ein absolutes Muss, für die anderen kommt es einem Sakrileg gleich: Die geplante Auflösung des Kommunalen Musikunterrichts (KM) Burglengenfeld-Teublitz, respektive die Eingliederung dieser Institution in die Volkshochschule (VHS) im Städtedreieck. Weil dazu zwei gegensätzliche Ratsbeschlüsse existieren, soll nun ein Runder Tisch einberufen werden. Gelingt dort eine einvernehmliche Lösung, die dem Bildungsauftrag gerecht wird?
Wie berichtet, hatten sich die Stadträte von Burglengenfeld und Teublitz in ihren jüngsten Sitzungen Ende Juli mit der Zukunft des Kommunalen Musikunterrichts zu befassen. Dabei war die Ansage der Verwaltung klar: Aus organisatorischen, wirtschaftlichen, aber auch rechtlichen Gründen sollte die 1999 gegründete Schule aufgelöst werden, um das Angebot ab Herbst 2026 unter dem Dach der VHS fortzusetzen – also auch unter Beteiligung der Stadt Maxhütte-Haidhof, die bisher nicht im Boot ist.
Doch im Burglengenfelder Rat regte sich Widerstand. Vor allem 2. Bürgermeister Josef Gruber (CSU) geißelte das Vorhaben als schweren Fehler. Die Musikschule gelte es unbedingt in der bisherigen Form zu erhalten. Andernfalls drohe die Idee der Gründerväter verloren zu gehen, wonach jedes Kind, egal welcher sozialen Schicht, in den Genuss musikalischer Früherziehung kommen sollte. Die Stadtväter hätten jedenfalls keinen Einfluss mehr auf die Preisgestaltung.
Das kleine Teublitz als treibende Kraft
Nachdem die Leiterin des KM, Rita Rauscher, auch noch erklärt hatte, sie habe von den Bestrebungen der Kommunen quasi erst aus der Zeitung erfahren, änderten auch mehrere Räte, die den Beschlussvorschlag ursprünglich unterstützen wollten, ihren Kurs um 180 Grad. Letztlich gab es nur vier Befürworter.
Anders tags darauf in Teublitz: Einstimmig und ohne jede Diskussion erteilten die Räte der Verwaltung den Auftrag, am Ziel festzuhalten, den Musikunterricht in die VHS zu integrieren. Bürgermeister Thomas Beer (CSU) wurde gebeten, einen Runden Tisch zu initiieren, um in Burglengenfeld letztlich eine erneute Abstimmung herbeizuführen.
„Konstruktive“ Dabette - mit vorgegebenem Ziel?
Diesen Runden Tisch soll es nun inmitten der großen Ferien geben, bestätigten Beer, sein Burglengenfelder Amtskollege Thomas Gesche (CSU) und der Vorsitzende der VHS im Städtedreieck, Sebastian Hauser, auf Anfrage in einer gemeinsamen Presseerklärung. Noch im August wolle man „alle beteiligten Akteure“ versammeln, um in einem nicht-öffentlichen Rahmen „offen und konstruktiv über alle Perspektiven zu sprechen“.
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Ziel aller Bemühungen sei es, das bestehende Bildungsangebot „in vollem Umfang zu erhalten“. Das „Wie“ scheint allerdings unverändert vorgegeben zu sein. Die Verfasser der Stellungnahme lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie die angekündigte Veränderung für alternativlos halten. Wörtlich schreiben sie: „Die rechtliche Situation macht ein Handeln nötig. Ein ,Weiter-so‘ ist – egal unter welchem Träger – ausgeschlossen.“ Manchmal sei es eben notwendig, alte Pfade zu verlassen, um neue Wege zu ermöglichen.
Leiterin der Musikschule übt sich in Zurückhaltung
Angesichts des bevorstehenden Gesprächskreises hält es KM-Leiterin Rauscher momentan für klüger, sich zurückzuhalten. Sie möchte kein Öl ins Feuer gießen, um sich eine Chance zu wahren, den Musikunterricht in seiner bisherigen Form zu retten.
Wie sie aber schon in der Ratssitzung Ende Juli erklärte, gibt es aus ihrer Sicht eben keinen zwingenden Grund, die Musikschule aufzulösen. Das jährliche Defizit im unteren fünfstelligen Bereich sei für die Kommunen zu verschmerzen und zu rechtfertigen. Immerhin sei es von Anfang an die Absicht gewesen, allen Familien ein möglichst günstiges Angebot für die musikalische Früherziehung ihrer Kinder zu bieten. Das Modell habe sich ungezählte Male bewährt.
Wie teuer wird der Unterricht künftig sein?
Unter der Regie der VHS sei indes zu erwarten, dass nur noch die schwarze Null zähle, fürchtet Rauscher. Vorsitzender Hauser habe nur für ein Jahr stabile Gebühren zugesagt. Zur Frage, wie sich die Dinge entwickeln würde, habe er keine beruhigende Antwort geliefert. Mithin sei ein deutlicher Anstieg der Gebühren für Eltern sehr wahrscheinlich. Dazu brauche man nur einen Blick in das aktuelle Kursangebot der VHS zu werfen. Die Preise für Musikunterricht lägen dort schon heute deutlich über denen der Musikschule.
Burglengenfelds 3. Bürgermeister Sebastian Bösl (SPD) begrüßt es, dass ein Runder Tisch einberufen wird. Einen solchen hätte es nach seiner Überzeugung schon vor den Sitzungen, in denen über die Zukunft des KM entschieden werden sollte, geben müssen.
Drängende rechtliche Fragen
Am Runden Tisch gelte es nun eine Lösung anzustreben, die für alle tragbar sei, fordert Bösl. Dies könne ein Musikangebot unter dem Dach der VHS oder unter dem der Musikschule sein, allerdings dann auch mit Maxhütte-Haidhof.
Geklärt werden sollten laut Bösl vorab zentrale rechtliche Fragen: Müssen die Verträge mit den Lehrern, die aktuell als Honorarkräfte arbeiten, alle geändert werden oder nicht? Oder reicht für Rechtssicherheit gegen den Verdacht der Scheinselbstständigkeit eine „kleine Korrektur“?
Ein Urteil, das für Verunsicherung sorgt
Auslöser für die Unsicherheit ist ein Urteil des Bundessozialgerichts. Dieses hat 2022 entschieden, dass Honorarkräfte an Musikschulen, die wie Angestellte tätig sind, als sozialversicherungspflichtig gelten. Seitdem sehen sich deutschlandweit Schulen gezwungen, für ihre Musiklehrer eine Festanstellung zumindest in Erwägung zu ziehen. Viele treibt die Angst um, dass Versicherungsbeiträge nachzuzahlen sind.
Zurzeit sind für die Musikschule neun Lehrerinnen und Lehrer tätig. Sie unterrichten 445 Schüler. 316 wohnen in Burglengenfeld, 108 in Teublitz und 21 in Maxhütte-Haidhof. Ihre Vergütung sowie die Gebühren sorgten in den vergangenen Jahren immer wieder für Diskussionen