In Bad Kötzting wird erschlossen, saniert und ein Feuerwehrhaus neu gebaut

Von Stefan Weber · 6. August 2025 um 15:00

Die August-Sitzung des Bad Kötztinger Stadtrats war eine der umfangreicheren in diesem Jahr. Nach der Debatte um das geplante Großprojekt in der Innenstadt ging es um weitere große Themen, über die die Stadträte zu entscheiden hatten. Zu einer Aussprache kam es, als es um den Neubau des Feuerwehr-Gerätehauses in Wettzell ging.

Nachdem schon seit längerer Zeit klar ist, dass sich am Feuerwehr-Gerätehaus in Wettzell etwas verändern muss, sind die Planungen so weit fortgeschritten, dass dem Stadtrat eine Entwurfsplanung vorgelegt werden konnte. Die sieht den Abbruch des Bestands und einen Neubau an selber Stelle vor.

Hintergrund sei, so Kämmerer und Kreisbrandmeister Florian Heigl, dass ein zeitgemäßer Umbau im Bestand nach Kostenschätzungen inklusive staatlicher Förderungen teurer sei als der Neubau – und der werde bereits auf 700 000 bis 750 000 Euro geschätzt. Rund 340 000 Euro seien an Fördergeldern zu erwarten, so der Kämmerer.

Wer duscht im Gerätehaus?

Dafür werde die Wehr nicht nur 16 Stellplätze (entsprechend der Zahl der Sitzplätze in den Einsatzfahrzeugen) bekommen, sondern auch eine Büro für den Kommandanten, einen Aufenthaltsraum, der auch von anderen Vereinen genutzt werden könnte, und die Freiwilligen müssen sich nicht mehr in der Fahrzeughalle umziehen. Außerdem werde die dann auch so groß gebaut, dass alle Fahrzeuge, nicht nur eines, in der Halle stehen können.

Alles sinnvolle Maßnahmen, wie auch die Stadträte befanden. Aber: „Ich frage mich schon, warum es separate Duschen braucht“, sagte Rudi Hofmann. Für Berufsfeuerwehren sicher sinnvoll, doch wer dusche in Wettzell nach dem Einsatz sicher im Gerätehaus? Auch die Zahl der Parkplätze sah er als zu hoch an. „Hier geht es, weil der Stadt der Grund rund um das Gebäude gehört. Aber was macht man bei solchen Vorgaben, wenn die Stadt die Fläche auch erst noch kaufen muss?“

Einwände, die bei den Kollegen am Ratstisch auf Zustimmung trafen. Allein: Es nützt nichts. Will die Stadt die Fördermittel erhalten, dann müsse auch nach den bayernweit geltenden Richtlinien gebaut werden, erklärte der Kämmerer.

Erschließen will die Stadt selbst ein Neubaugebiet am Schinderbuckel. Fünf Parzellen sollen entstehen. Eigentlich waren die als echte Erweiterung mit der Bezeichnung „Schinderbuckel Nord“ geplant. Allerdings liegen die Parzellen im bereits bestehenden Bebauungsplan, und zwar als Ausgleichsfläche. Darum wurde nun erst einmal eine Änderung beantragt – die 19. im Baugebiet.

Bis zu fünf Bauparzellen werden am Schinderbuckel neu entstehen. - Foto: Landratsamt Cham

Fest steht nach den Stellungnahmen des Landratsamtes, dass ein Lärmschutzwall gebaut werden muss, da sich die künftigen Grundstücke direkt neben der Staatsstraße in Richtung Cham befinden werden. Darüber hinaus muss das Gelände massiv aufgefüllt werden. In Zeiten, in denen Lagerplätze für Erdreich Mangelware in der Region sind, ein Problem, das für die Planer mittelfristig als wenig dramatisch erscheint, wie Stadtbauamtsleiter Christian Kopf sich überzeugt zeigte. Erst die neue Geländehöhe werde übrigens als Urgelände gesehen.

Alte Bühne wird wie neu

Auch waren diese Flächen zu Beginn der Baumaßnahmen am Schinderbuckel als Ausgleichsfläche vorgesehen. Da die nun bebaut werden soll, muss die Stadt „Ausgleich für den Ausgleich“ schaffen. Das geschieht vor Ort mit Obstbäumen und mit einer Bachbepflanzung entlang des Dampfbaches, wie Christian Kopf erklärte.

Im nicht öffentlichen Teil der Sitzung war auch die Sanierung Bühnenanlage in der Jahnhalle Thema. Der Auftrag, ihr wieder die ursprüngliche symmetrische Form zurückzugeben, ging an die Lorenz Holzwerkstatt aus Bad Kötzting und die Schreinerei Laumer aus Miltach. 30 000 Euro netto soll der Auftrag kosten. Der Unterbau werde bestehen bleiben, erklärte Bürgermeister Markus Hofmann, da er statisch prinzipiell in Ordnung sei.

Über mehrere Muster zur Fassadengestaltung am Parkhaus wurde auch noch gesprochen: Gestrahlt, gespitzt, gestockt oder geschliffen – wie soll die Außenhaut des Stahl-Beton-Gebäudes aussehen? Im Entwurf war eine sandgestrahlte Fassade vorgesehen. Mit Blick auf die Muster hat sich der Stadtrat nun entschieden, die Fassade stocken zu lassen.

Der Mehrpreis dafür liegt bei 50 000 Euro, die an die Firma Rädlinger gehen. Insgesamt liege das Projekt aber immer noch im Kostenrahmen, betonte der Bürgermeister. Etwas teurer wird es auch im Untergrund des Parkhauses: Schicht- und Sickerwasser gehören da dazu, und das sollte eigentlich in den Kanal abgeleitet werden, doch: Was wäre, wenn es nicht in den Mischwasserkanal, sondern eine Regenwasser-Zisterne an der Holzapfelstraße fließen würde? Eine Pumpe ist bereits eingebaut, und damit die das Wasser bald 80 statt zehn Meter weit pumpen kann, braucht es eine Investition von 2000 Euro. Geld, das die Stadträte gerne freigaben, um künftig Wasser – zum Beispiel bei der Bewässerung des geplanten Parks auf dem Parkhaus – sparen zu können.

Und weil der Heizkessel in der Spielbank defekt ist, wurde noch beschlossen, sich Angebote für einen neuen einzuholen, bevor die Nächte noch kälter werden, als in den vergangenen Wochen ohnehin schon.

Stellplatzverordnung

■ Ausgangslage: Um Bürokratie abzubauen, wurde die Vorschrift geändert, wonach für Wohn- und Geschäftsgebäude in Innenstädten Stellplätze für Fahrzeuge nachgewiesen werden müssen. „Nun muss sich jede einzelne Kommune damit beschäftigen“, stellte Bürgermeister Markus Hofmann fest.

■ Reaktion: Die Stadt erließ darum eine Satzung, die der vorhergehenden Regelung entspricht: Ein Stellplatz pro Wohneinheit.

Stellplätze in der Stadt werden teurer. - Foto: S. Weber

■ Ausnahme: Staatlich geförderte Bauprojekte – wie das zuvor besprochene in der Marktstraße – müssen nur noch einen halben Stellplatz pro Wohnung nachweisen. Damit sollen Bauherren entlastet werden.

■ Kosten: Die Stellplätze müssen dabei nicht wirklich gebaut werden – das ist Aufgabe der Kommune. Bauherren mussten bislang aber 3000 Euro pro Stellplatz bezahlen. Ein Wert, der auf 5000 Euro angehoben wurde. Aber, so der Bürgermeister: „In zehn Jahren habe ich das nur zweimal erlebt, weil es zahlreiche Ausnahmen gibt. Ein Projekt in der Innenstadt scheitert sicher nicht am Stellplatz.“ (wf)