Polen-Bande scheitert bei BMW-Raubzug in Kelheim – Zwei Angeklagte beteuern Unschuld

Der große Klau ging gründlich schief. Sechs teure BMW wollten sieben mutmaßliche Täter von einem Firmengelände in Kelheim stehlen. Drei Beteiligte gingen der Polizei in die Fänge, fünf Autos blieben beschädigt zurück. Vor Gericht läuft seit Freitag, 1. August 2025, der Prozess gegen das Trio – zwei Angeklagte beteuern ihre Unschuld, einer sieht sich gar als unbescholtener Tourist.
Von sieben Tatbeteiligten spricht die Staatsanwaltschaft Regensburg, alle polnische Staatsbürger. Sie drangen in der Nacht auf den 5. Januar 2025 auf das Gelände des Auto-Terminals von BLG Logistics vor und klauten sechs BMW im Gesamtwert von 750.000 Euro. Allerdings geriet einer der Täter mit einem M4 nur kurz später bei Saal in eine Polizeikontrolle. Seine Flucht vor der Streife endete im Graben.
Die Beamten entdeckten vier weitere fahrbereit abgestellte Autos (zwei X5, zwei X3), teils beschädigt, weil die Täter beim Ausparken vom Gelände gegen eine Böschung fuhren. Drei Täter wurden am selben Tag geschnappt, von den anderen vier ist nichts bekannt. Nur ein X4 schaffte es ans Ziel des Vorhabens: nach Lodz in Polen.
Zur Tatvorbereitung hatten die Diebe am Vorabend in Kelheim Kennzeichen von sieben Pkw (KEH, RID, MAI) geklaut. Sie wurden an den BMW angebracht. Staatsanwalt Kugler klagte dies in Summe vor dem Amtsgericht Regensburg als schweren Bandendiebstahl und Sachbeschädigung an.

Die drei beschuldigten Männer (48, 44 und 41 Jahre) wurden aus der U-Haft vorgeführt. Ein Verteidiger regte zum Prozessauftakt eine Verständigung an: geringere Haftstrafen für Geständnisse. Der Staatsanwalt hatte zuvor bis zu drei Jahre als gefordertes Strafmaß angekündigt. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Anton Kreuzer ebnete den Weg zur Verständigung – doch nur der 44-jährige Angeklagte, ein gelernter Kfz-Mechaniker, war zu einem Geständnis bereit. Die beiden anderen Beschuldigten stritten eine Tatbeteiligung ab.
Nur auf Altstadt-Tour in Kelheim
So führte Verteidiger Adam Zurawel für seinen 48-jährigen Mandanten, von Beruf Tätowierer, aus, dieser habe lediglich einen Fahrer-Job angenommen, um mehrere Personen von Polen nach Deutschland zu bringen. Laut Anklage waren die Täter am 4. Januar in einem Transporter eingereist. Diesen Bus habe sein Mandant gefahren, „aber nichts vom illegalem Zweck gewusst“.
Vielmehr habe er in Kelheim ein Einkaufszentrum besucht und Bilder von der Altstadt seiner Familie in Polen geschickt. „So verhält sich kein Bandenmitglied.“ Regelrecht „schockiert“ sei der Angeklagte gewesen, als er ein geklautes Fahrzeug nach Polen zurückfahren sollte. „Da wusste er, dass etwas nicht stimmt.“
Meinem Mandanten wurde gesagt, er bekäme eine legale Arbeit in Deutschland. Mit dem Diebstahl hat er nichts zu tun.
Christian Meisl, Verteidiger
Auch der Verteidiger des 41-jährigen Angeklagten, ein Bauarbeiter, bezeichnete seinen Mandanten als unschuldig. Diesem sei gesagt worden, er bekäme eine legale Arbeit in Deutschland, erklärte Rechtsanwalt Christian Meisl. Weshalb er mitgefahren sei. Als ihm die verbrecherische Absicht bewusst wurde, sei er ausgestiegen. „Mit dem Diebstahl hat er nichts zu tun.“
Einzig der 44-Jährige gestand seine Beteiligung. Sein Verteidiger Alexander Greithaner verwies auf die schwierige Lebenslage des Polen: Er habe durch Unterhaltsleistungen Schulden gehabt und sei durch eine Trennung in Drogenkonsum gerutscht. Als er auch keinen Job mehr fand, hätte er das Angebot „eines Dritten“, ein Auto für 1200 Euro nach Polen zu überführen, angenommen. Und sich so an der Tat beteiligt.
Mitarbeiter der Firma sagt aus
Wie sieben Personen auf die Überwachungsvideos bei BLG Logistics kamen, wo doch zwei nicht dabei gewesen sein wollen, muss das Gericht klären. Der Technische Leiter des Unternehmens sprach im Zeugenstand anhand der Videos von „vier, fünf Personen, die sich gezielt die teuren BMW ausgesucht haben“, und zwei weiteren, die vor dem Gelände Schmiere standen.
Eine Kamera hatten die Täter abgezwickt, den Zaun um das Areal mit Bolzenschneidern durchtrennt. „Beim Rausfahren sind sie mit Gewalt gegen zwei Schotterhaufen gefahren“, sagte der BLG-Mitarbeiter. An den fünf aufgefundenen BMW – also samt dem verunfallten – entstand laut Anklage ein Schaden von fast 132.000 Euro. Der Technische Leiter berichtete zudem, dass die Autos unversperrt und mit den Schlüsseln im Wageninneren auf dem Gelände stünden, „um sie jederzeit bewegen zu können“. Ein Transportmodus verhindere aber, dass sie schneller als 30 km/h fahren.
Wie lange man denn mit Tempo 30 nach Polen brauche, hakte Verteidiger Zurawel nach. Nur über die Elektrik sei der Modus wieder aufzuheben, so der Zeuge. Der Verteidiger insistierte auch, dass die Personen auf den Videos wegen Dunkelheit und Kapuzen doch gar nicht zu erkennen seien. Seine Strategie deutete an, welche Aufgabe auch am nächsten Verhandlungstag (8. August) auf das Gericht zukommt: eine schlüssige Beweisführung für eine Beteiligung der nicht geständigen Angeklagten.