Reparieren, warten, umbauen: In Bad Abbach arbeiten die Nothelfer der Feuerwehrautos

Nanu, Großeinsatz im Industriegebiet Lengfeld? Könnte man meinen, wenn mal wieder ein Feuerwehrauto von weit her dort hinsteuert. Aber es kommt „in eigener Sache“: Hier in Bad Abbach ist eines von bundesweit vier Kundencentern der Unternehmensgruppe Rosenbauer, die auf Feuerwehr-Fahrzeuge und -Technik spezialisiert ist.
Vom Karosseriebauer bis zum Heizungsbauer haben sich in der 3300 Quadratmeter großen Halle im Industriegebiet Lengfeld verschiedenste Handwerker auf eine Tätigkeit verlegt, die wohl der Traumjob vieler Blaulichtfans wäre.
Das Zwölfer-Team wartet, repariert und konfiguriert die Fahrzeuge, Löschsysteme und Ausrüstung des österreichischen Feuerwehrfahrzeug-Herstellers Rosenbauer, schildert Standortleiter Max Schönberger, selbst Kfz-Meister und studierter Betriebswirt. Egal, welche Ausbildung – etwa ein Jahr Einarbeitungszeit braucht hier jeder (und jede, wenn sich denn eine interessierte Handwerkerin bewerben würde). Denn „jedes Fahrzeug ist anders“, erklärt Schönberger.
Viele Feuerwehrler haben Extrawünsche
Die in Leonding ansässige Rosenbauer AG setzt auf – zugekaufte – Standard-Untergestelle den feuerwehrtechnischen Aufbau jeweils individuell nach Kundenwunsch. Und irgendwann landet jedes Gefährt mal zum Kundendienst, zur Reparatur in einem der Kundencenter. Aber auch Extrawünsche der Fahrzeugbesatzungen versuche man zu erfüllen. Etwa, wenn zusätzliches Spezialgerät mit an Bord soll.
„Neulich haben wir zum Beispiel eine Halterung für sechs Akkus gebaut – die sind vorher immer herausgefallen“, erzählt der Standortleiter. Eine Wehr wollte eine Zusatz-Leiter gut verstaut wissen, „für die haben wir ein Scharnier-System entwickelt.“ Wieder eine andere Truppe brachte ein gebraucht gekauftes Fahrzeug plus drei schon vorhandene Boxen mit Material nach Abbach. „Da mussten wir erst mal gemeinsam einen Verladeplan erarbeiten…“
Bis zu 400 Kilometer Anreise haben die Fahrzeuge. Ihre Betreiber: Kommunen respektive deren Freiwillige Feuerwehren mit ihren Einsatz- und Drehleiter-Fahrzeugen; Industriebetriebe mit Werks-Wehr; und Flughäfen samt ihrer spezialisierten Löschfahrzeuge. Mitunter stehen außerdem Spezialfahrzeuge von Bundeswehr oder Polizei am Gelände an der B16. Das demnächst um rund 1000 Quadratmeter erweitert wird, und vor allem „erhöht“: In der geplanten neuen Halle kann das Werkstattteam dann auch Drehleitern ausfahren; „das geht bislang nur am Hof.“

Feuerwehren braucht es immer – das Metier von Rosenbauer ist daher krisensicher. Eine Krise hatte sich das Unternehmen freilich Anfang des vorigen Jahrzehnts selbst eingebrockt – es war in Deutschland in das so genannte „Feuerwehrfahrzeug-Kartell“ zulasten von Kommunen verwickelt und musste eine millionenschwere Geldbuße zahlen. Passé, beteuert Schönberger: „Seither gelten strenge Compliance-Regeln“.
Aktuell baut Rosenbauer in Österreich und Deutschland insgesamt rund 1200 Neufahrzeuge pro Jahr; wegen des Nachhalls der Lieferketten-Probleme seit Corona und Ukraine-Krieg „hat man aktuell zwei Jahre Wartezeit bis Baubeginn“, berichtet der Standortleiter. Der Bau dauert im Schnitt ein halbes Jahr. So lange steht ein Fahrzeug in Lengfeld normalerweise nicht.
Wenn ein Fahrzeug wegen einer Störung bei der Einsatzleitstelle abgemeldet werden musste, versuche man, es möglichst am nächsten Tag wieder flott zu bekommen. Oft deutlich langwieriger sind indes Reparaturen von Unfallschäden.
Unfallschäden an Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr oft komplex
„Wir hatten mal eines, das frontal in einen Traktor gekracht ist – danach war das Führerhaus im Mannschaftsraum…“ Der Fahrer musste von den eigenen Leuten herausgeschnitten werden, kam aber ohne schwere Verletzungen davon. Das Gefährt war nach zehn Monaten wieder fahrtüchtig – gerade rechtzeitig zur 150-Jahr-Feier der Wehr.

Gefragt sei in jedem Fall Flexibilität beim Arbeiten, fasst Schönberger zusammen: „Man kann an einem Tag ein 30-jähriges Fahrzeug mit robuster Mechanik vor sich haben, und tags drauf ein modernes elektrisches, das über ein CAN-Bus-System gesteuert ist.“ Denn erste Städte wie Berlin und auch Flughäfen stellen ihre Flotten bereits um auf voll-elektrische Löschfahrzeuge, mit Verbrenner-Motor nur noch als Rückfallebene.
Für all das schult das Unternehmen sein Personal in einem eigenen Trainingszentrum in Österreich sowie vor Ort an den Standorten. Eines hilft aber auch oft sehr weiter: Rund zwei Drittel der Belegschaft engagieren sich ehrenamtlich selbst bei der Feuerwehr.
