Buttercreme statt Blattgold: Wie eine junge Frau aus Abensberg alles wieder auf Anfang setzt

Von Lucia Pirkl · 4. August 2025 um 11:00

Maria Feldmann aus Abensberg ist die jüngste Vergolder-Meisterin in Deutschland – Nun fängt sie noch einmal von vorne an.

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Ein Meistertitel: Für viele Menschen dürfte das ein Ziel sein, auf das sie lange hinfiebern. Auch Maria Feldmann könnte sich jetzt eigentlich ein bisschen zurücklehnen. Denn die vergangenen Monate waren stressig für die junge Abensbergerin. Nach der Gesellenprüfung im Vergolderhandwerk legte sie noch eins drauf und besuchte in München die Meisterschule – tägliche Hin- und Rückfahrt von Abensberg nach München inklusive, und das elf Monate lang. Nun hält sie den Meisterbrief in der Hand. Papa Dietmar Feldmann ist sichtlich stolz auf seine Tochter. Doch die hat schon wieder ganz andere Pläne.

Ihr Meisterstück wurde im Rahmen der Meisterfeier präsentiert. - Foto: Feldmann

„Ich bin erleichtert, dass es endlich vorbei ist“, so Tochter Maria. Die vergangenen elf Monate seien sehr intensiv gewesen. Denn im Gegensatz zur Gesellenprüfung ging es jetzt auch um Dinge, die zwar mit dem Vergolderhandwerk an sich nicht direkt etwas zu tun haben, aber Rüstzeug für eine spätere Selbstständigkeit liefern sollen. Auf dem Stundenplan stand zum Beispiel BWL oder auch Kunstgeschichte, „vor allem der Wechsel der Themen, das war teilweise schon schwierig“.

Meisterliche Fertigkeiten

Am Schluss musste sie noch das Meisterstück anfertigen. Einen originalen Rahmen aus der Renaissance nachzubauen, war das Ziel. „Dafür haben wir ewig lang gesucht“, als Vorlage diente schließlich ein Rahmen aus der Zeit rund um das Jahr 1500. Für die Realisierung musste sie verschiedene Techniken anwenden, die sie gelernt hatte, so die Vorgabe.

Backen und vor allem das Gestalten ist ihre Leidenschaft. - Foto: Feldmann

Die angehenden Meister sollen so zeigen, dass sie sauber arbeiten können, dass sie verschiedene Techniken, auch unterschiedliche Aufträge, zeitgleich im Blick haben können und nicht zuletzt, dass sie Zeitmanagement beherrschen – unbedingte Voraussetzung für eine gute Betriebsführung. Und weil dazu auch gehört, sich gut zu verkaufen, wurden die Werke anschließend in einer Ausstellung im Rahmen der Meisterfeier präsentiert. Auch die Einladungen dazu konzipierten die Prüflinge selbst.

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All das liegt nun hinter ihr. Feldmann könnte jetzt eigentlich erst einmal durchatmen, sich etwas Urlaub gönnen, was sie auch tut.

Vater Dietmar Feldmann ist stolz auf seine Tochter. - Foto: Pirkl

Am 1. September geht die Reise weiter. Und zwar in eine ganz andere Richtung, und gleichzeitig ein Stück weit zurück zu sich selbst. Sie wird noch einmal von vorne anfangen. Dann nämlich beginnt die 19-Jährige eine neue Lehre, und zwar als Konditorin. Damit erfüllt sie sich einen Kindheitstraum. Denn Feldmann liebt es, feine Torten zu backen, sie schön zu gestalten. „Schon als Kind habe ich Macarons verkauft.“ Ihren Berufswunsch Patissier hat sie deshalb nie aus den Augen verloren. In Deutschland braucht man dafür eine Ausbildung zum Koch oder zum Konditor. Danach kann man sich zum Patissier weiterbilden.

Konditoren gibt es mittlerweile eigentlich viel zu wenige. Es müsste also ein Leichtes sein, eine Lehrstelle zu finden, möchte man meinen. Ganz so einfach war es dann nicht, „ich habe ewig lange gesucht“. Schließlich landete Feldmann bei eine der „besten Adressen in München für Patisserie“, bei Alexa von Harder. „Das war für mich Liebe auf den ersten Blick“, so Feldmann.

Auch, wenn ihr die Jahre als Vergolderin sehr gut gefallen hätten, sei es jetzt Zeit, ihren alten Traum, für den sie damals nach der Schule zu jung war, in die Realität umzusetzen.

Vom Gelernten profitieren

„Ich freue mich jetzt schon darauf.“ Auch deshalb, weil in den vergangenen Wochen unter Dauerstress ihre Leidenschaft für das Backen ein bisschen in den Hintergrund gerückt ist.

Vater Dietmar Feldmann, selbst Vergolder, hofft, dass die Lehre als Vergolderin seiner Tochter auch im Gestalterischen weiterhilft, sie Ideen einbringen kann, die andere vielleicht nicht haben. Schließlich braucht man ja sowohl im Vergolder- als auch im Konditorenhandwerk ein gewisses Händchen für Gestaltung.

Fürs Erste jedenfalls legt seine Tochter Spachtel und Pinsel zur Seite, modelliert künftig mit Buttercreme statt mit Blattgold. Wobei: Auch das hält ja bekanntlich mehr und mehr Einzug in die Küche.