Maria Feldmanns Arbeit ist „Gold wert“: Das Vater-Tochter-Gespann freut sich über ihren Erfolg

Die 19- jährige Vergolderin Maria Feldmann aus Abensberg (Landkreis Kelheim) wurde für ihr Gesellenstück ausgezeichnet, bald wird sie die jüngste Vergolder-Meisterin in Deutschland sein.
In der Maria steckt viel Fleiß und Blut. Vater Dietmar Feldmann hatte die Marienfigur extra für „seine“ Maria, seine Tochter, schnitzen lassen. Als Gesellenarbeit sollte sie die Holzstatue einfassen, wie es im Fachjargon heißt, also sie mit Farbe und Gold bemalen: „Das war wirklich viel Arbeit, da muss man auf jeden Faltenwurf achten“, sagt Maria Feldmann. Alleine der Feinschliff vor dem Fassen habe drei Nächte gedauert.
Die Marienfigur hat für sie eine besondere Bedeutung, „da steckt ja viel von einem selbst darin“, sie ist aber auch der Abschluss ihrer Ausbildung im Betrieb ihres Papas. Und die hat sie mit Bravour bestanden. Im Rahmen der Deutschen Meisterschaft im Handwerk wurde Maria Feldmann für ihre hervorragenden Prüfungsergebnisse als Kammersiegerin prämiert.
Den Papa macht das natürlich ganz besonders stolz. 25 Lehrlinge hat Kirchenmaler- und Vergoldermeister Feldmann schon ausgebildet. Seine Maria allerdings war eine besonders harte Nuss. Nicht etwa, weil sie widerspenstig oder faul gewesen wäre, nein, sondern vor allem, den Feierabend zu respektieren, das sei, wenn man unter einem Dach zusammen wohnt, nicht immer einfach gewesen. „Ich habe mich extra bemüht, nicht ins Extrem zu fallen“, gibt der 55-Jährige zu.
Herausfordernde Rollen
Die Gratwanderung zwischen Chef- und Paparolle sei bisweilen herausfordernd gewesen: „Der Eine meint es wohlwollend, der andere muss streng sein.“ Deshalb woanders ausbilden lassen? Niemals. Es gebe ohnehin zu wenige Ausbildungsplätze in diesem Bereich. „Niemand will mehr ausbilden, weil es auch zu teuer wird“, sagt Feldmann. Seine fünf Gesellen, die derzeit bei ihm arbeiten, habe er alle selbst ausgebildet.
Maria Feldmann könnte jetzt eine von ihnen sein, aber momentan besucht sie montags bis freitags die Meisterschule in München, die einzige für Vergolder in Deutschland. Im Sommer, nach Abschluss der Schule, wird sie die jüngste Vergolderin Deutschlands sein.
Die Ausbildung zur Vergolderin war für die 19-Jährige fast eine logische Konsequenz, „ich stand ja schon als Kind hier mit meinem Papa in der Werkstatt“. Und trotzdem hatte sie eine gewisse idealistische, romantische Vorstellung, der freilich beim Realitätscheck etwas der Lack abplatzte. „Am Anfang, im ersten Lehrjahr auf der Baustelle oder beim Verputzen, das war teilweise eine richtige Drecksarbeit. Da dachte ich schon, ,ob ich das jetzt wohl drei Jahre aushalte‘, aber dann wurde es besser“, erzählt die 19-Jährige.
Dass die Gesellenprüfung dann so gut ausfällt, dass sie gar Kammerbeste bei den Vergoldern wird, das hat sie selbst fast am Allermeisten überrascht. „In der Zwischenprüfung dachte ich schon, ,oh Gott, das wird nie was‘. Auch in der Prüfung jetzt dachte ich nicht, dass ich die Beste sein werde.“ Neben dem Gesellenstück und der Theorie musste sie auch in der Praxis beweisen, dass sie das Vergolden, den Pinselstrich oder die Radierung beherrscht. Als sie Ende Juni das Ergebnis erfuhr, war die Freude natürlich groß. Vor Kurzem nun wurden Ostbayerns beste Gesellen, darunter eben auch Maria Feldmann, mit einer Medaille und einer Ehrenurkunde feierlich ausgezeichnet.
Dabei ist freilich nicht immer alles Gold was glänzt, nicht jeder Tag ein Fest. Dass das Geschäft mit dem Vergolden auch ein „knallhartes“ sein kann, wie Papa Feldmann sagt, dürfte die junge Frau in den vergangenen drei Jahren zu Genüge erfahren haben.
Feldmann, dessen Markenzeichen die wallende Mähne ist, nimmt Arbeiten aus der ganzen Welt an, leitet Vergolderarbeiten in Aserbaidschan oder in Thailand an, versieht einzelne Einbauten auf Superjachten mit Gold – freilich das Meiste in oder aus der eigenen Werkstatt heraus. Aber das Unterwegssein, das bleibt auch nicht aus. Schnell mal nach Holland oder Genua zu düsen, um ein fertiges Werkstück zu übergeben, gehört schon mal dazu, schließlich soll es heil beim Auftraggeber ankommen.
Was wohl die Zukunft bringt
In der Branche kennt man Feldmann, empfiehlt den erfahrenen Handwerker gerne weiter. Ein Selbstläufer sei sein Geschäft trotzdem nicht. Man müsse schon solide Arbeit abliefern. Seine Expertise, die Früchte seiner 30-jährigen Erfahrung, ist nun auch in einer Schulung in Paris gefragt, in einer renommierten Vergolderfirma soll er die Mitarbeiter in modernen Vergoldungstechniken, die er selbst entwickelt hat, schulen. Seine Tochter Maria kommt auch mit, unterstützt ihren Papa.
Also ist für sie beruflich schon alles vorgezeichnet? Mitnichten, denn die junge Frau hat noch viele Pläne: „Ich habe ja noch eine andere Leidenschaft, das Backen. Ich könnte mir gut vorstellen, noch einmal eine Lehre in diesem Bereich zu machen und Beides dann irgendwann miteinander zu verbinden. Ich will mich noch ausprobieren, schauen, was mir gefällt.“
Drei Kirchen pro Jahr werden restauriert:
30 Jahre: Der Betrieb Feldmann Restaurierung besteht seit 30 Jahren. Dietmar Feldmann macht nicht nur Vergoldungen, auch die Kirchenmalerei und Denkmalpflege gehören zum Portfolio des Betriebs. „Pro Jahr restaurieren wir bestimmt drei Kirchen“, so Dietmar Feldmann. Feldmann ist Kirchenmaler- und Vergoldermeister, zudem Restaurator im Handwerk.
Mitarbeiter: Insgesamt arbeiten zehn Menschen für den Betrieb in der Ulrichstraße 17 bis 19. Lehrlinge sind immer gern gesehen.

