Ein Schreinermeister steckt hinter der Lesung mit Weinprobe im Bürgersaal in Neustadt a.d. Donau

Wenn am Samstag zum ersten Mal nach der Renovierung im Bürgersaal wieder eine Veranstaltung stattfindet, ist das für sich schon ein besonderer Anlass. Dass der aber mit einer Lesung des Rotary Clubs Neustadt - Vohburg beginnt, hinter der ein Schreinermeister steckt, ist dann aber doch etwas ungewöhnlich.
Ein Schreinermeister bei Rotary ist etwas, was nicht den gängigen Klischees über den Club entspricht, wonach es sich um etwas steife Herrenrunden handelt, die in Edelhotels tagen und beim Zigarrenrauchen Geld spenden. Josef Huber entspricht so gar nicht dieser Vorstellung. Der Schreinermeister aus Hienheim läuft lieber in Jeans und T-Shirt rum – zumindest in seinem Betrieb. Bis vor kurzem war er dennoch Präsident der hiesigen Rotarier.
„Ich bin seit über zehn Jahren bei Rotary“, sagt Josef Huber. Der Kontakt zum Club sei eher zufällig gewesen. Eine Kundschaft hatte ihn angesprochen. Ihm gefiel es, er arbeitete mit. Von Sommer 2023 bis in den Sommer dieses Jahres war er sogar Präsident.
Das Amt fiel damit genau in die Zeit, in der in Neustadt a.d. Donau die Verleihung der Stadtrechte vor 750 Jahren gefeiert wurde. Auch die Rotarier wollten zeigen, dass sie dazu gehören und so kam Huber auf die Idee, eine Lesung anzubieten. Die Idee sei nicht ganz zufällig gewesen, gesteht Huber, er selbst baut in seinem Betrieb auch Bücherregale und ganze Bibliotheken, obendrein liest er auch noch gerne und bisweilen war er in den vergangenen Jahren sogar in Lesungen. Schließlich lernte er auch darüber Jörg Göhl kennen, der ebenfalls bei Rotary ist und über Jahre die „Lesungen in der Fabrikhalle“ bei der Firma Adfors (früher Kirson) im Ortsteil Mauern organisiert hatte.
Erfolg im vorigen Jahr
Die erste Rotary-Lesung im vorigen Jahr wurde auf jeden Fall ein großer Erfolg. Gerd Hachmöller und Samer Tannous lasen die aus ihren im Magazin „Spiegel“ geschriebenen Kolumnen „Kommt ein Syrer nach Rotenburg“.
Für Josef Huber geht unterdessen bei Rotary um mehr als um Bücher und Lesungen. „Man lernt interessante Leute kennen. Es gibt Input aus erster Hand“, sagt er. Es entstünden Kontakte und man könne was bewirken. So wurden unter anderem eine Schule in Beirut und ein Geburtenhaus in Sierra Leone unterstützt. Der Teamgeist, sagt der vormalige Club-Präsident, gefalle ihm. „Wir haben uns alle verpflichtet, im Club mitzuarbeiten.“
Und wenn er dann mal – außerhalb von Firma, Club und anderen Dingen – die Zeit hat, freut er sich auf seine Bücher. Selbst in der Firma hat er welche, unter anderem einen dicken Wälzer über traditionelle Architektur in Japan. „Ich lese gerne“, sagt der Schreinermeister. Das sei schon als Kind im Internat so gewesen.
Zuletzt hat ihn Andreas Eschbachs „Herr aller Dinge“ begeistert. Der Roman ist eine höchst spannende Geschichte, in der es vor allem auch um den Wert der Dinge geht.
Für dieses und all die anderen Bücher hat sich Josef Huber natürlich selbst ein Regal gebaut. Das Möbelstück ist für ihn ein Ort zum Wohlfühlen. Man müsse es mögen, betont er. „Auch eine Bibliothek muss ein Platz sein, an dem man sich gerne aufhält.“ Eine Bibliothek solle mehr als ein Aufbewahrungsort sein. Für Josef Huber ist es ein Ort, an dem Bücher präsentiert werden.
Und egal, ob es sich um eine Bibliothek oder ein Regal handelt, es müsse groß genug sein. Reserveflächen sollten vorhanden sein, weil der Bücherbestand meistens wächst, statt dass er schrumpft.
Mord im Winzermilieu
Leitern vor Bücherwänden mag der 59-jährige Schreinermeister übrigens nicht. „Man kann ganz nach oben auch die Bücher stellen, die man nicht so oft braucht“, rät er.
Die Rotary-Lesung findet übrigens am 12. Oktober im Bürgersaal statt. Uwe Ittensohn liest aus „Winzerblut“. In dem Krimi geht es um einen Mord im Winzermilieu. Dazu passend sind im Eintrittspreis ein Begrüßungssekt und zwei Gläser Wein enthalten. Beginn ist um 19 Uhr, Einlass ist um 18.30 Uhr. Eintrittskarten zum Preis von 20 Euro gibt es bei Hosen Hans in Neustadt a.d,. Donau und bei der Buchhandlung Nagel in Abensberg.