Belästigung im rappelvollen Zug: 16-jähriges Mädchen war einem Neumarkter hilflos ausgeliefert

Von Kilian Graef · 4. August 2025 um 05:00

Erst behauptete er, es sei ein Versehen gewesen, dann betonte er mehrfach, dass er homosexuell sei und die Straftat deshalb nicht mit Absicht begangen habe. Doch diese Ausreden fruchteten beim Amtsgericht Neumarkt nicht. Am Ende der Verhandlung wegen sexueller Belästigung einer Minderjährigen wurde der 39-jährige Neumarkter sogar härter bestraft als vor der Verhandlung erwartet.

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An einem Montagabend Anfang Mai 2024 befanden sich sowohl das damals 16-jährige Opfer als auch der 39-jährige Angeklagte im Regionalexpress von Neumarkt in Richtung Nürnberg. Es war sehr voll und der 39-Jährige war angetrunken. Darin waren sich der Neumarkter, die heute 18-Jährige und eine Zeugin aus Berlin einig.

Unfall oder Absicht?

Bei seinen Aussagen widersprach sich der Täter jedoch immer wieder. Mal konnte er sich an nichts mehr erinnern, mal schilderte er den genauen Vorgang aus seiner Sicht: Er sei aus Regensburg nach Neumarkt gefahren und wollte gerade aussteigen. Durch die Bremsung und seinen betrunkenen Zustand, habe er das Gleichgewicht verloren und die 16-Jährige an der Brust gestriffen.

„Sie haben zwar versucht, das als Unfall darzustellen, aber das glaube ich Ihnen nicht“, sagte Richter Marcel Dumke am Ende der Verhandlung. Er glaubte den Aussagen der 18-Jährigen und der Zeugin. Kurz vor der Tat habe er Letztere im Vorbeigehen gezielt an der Schulter berührt. „Das fand ich eklig. Deswegen habe ich ihn und seine Gruppe mit meinen Augen verfolgt“, sagt die Berlinerin.

Weil der Zug so voll war, hatte die Gruppe den Ausstieg in Neumarkt verpasst. Was kurz nachdem sich die Türen geschlossen hatten, geschehen sei, habe die Berlinerin erst nicht glauben können: „Er hat mir im Vorbeigehen in die Brust gekniffen“, sagte die damals 16-Jährige. „Ich stand unter Schock und dachte aber gleich, dass ich das nicht so stehen lassen kann.“ Die Jugendliche gab der Berlinerin, die im vollen Zug Blickkontakt suchte, per Mimik zu verstehen, dass das sie sich nicht verguckt hatte.

Homosexualität per Attest

Die beiden stießen im Zug auf einen Polizisten und gingen mit diesem zu dem 39-Jährigen. Dieser habe der so getan, als wäre nichts gewesen.

Richter Marcel Dumke schenkte dem Opfer und der Zeugin Glauben. Ein Attest, dass der Neumarkter – biologischer Vater zweier Kinder – homosexuell sein soll, gemobbt werde und dadurch psychische Probleme habe, las Dumke zwar vor. Relevant für die Verhandlung sei das allerdings nicht. Noch dazu wurde es ein halbes Jahr nach der Tat ausgestellt.

Weil das Opfer 16 Jahre alt war, dem Täter im vollen Zug hilflos ausgeliefert gewesen sei und der 39-Jährige sich in seinen Aussagen mehrfach widersprochen hatte, verurteilte ihn Dumke zu 90 Tagessätzen zu je 40 Euro, also 3600 Euro Geldstrafe. Vor der Verhandlung waren zunächst 70 mal 20 Euro im Raum gestanden.