Sie machen schon seit 20 Jahren Party: Rotzlöffel feiern Bühnen-Jubiläum mit neuem Album

„Ungehobelt und arrogant“ – so bezeichnet das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache in seinen Wortprofilen die Adjektive für „Rotzlöffel“. Aber das führt ein wenig in die Irre. Denn Christoph Plank, David Sorgenfrei, Sandro Augustin und Andreas Kirchberger, vier Musiker aus dem Landkreis Schwandorf, sind Garant für Party-Stimmung auf unzähligen Bühnen im In- und Ausland. Die Rotzlöffel gibt es schon seit 20 Jahren.
„Vor 20 Jahren waren wir auch körperlich noch echte Rotzlöffel, jetzt eher nur noch im Hirn“, scherzt Plank, im Interview mit dem Reporter der MZ. Nach der Philosophie ihrer gleichnamigen Band dürfen sie im Prinzip machen, was sie wollen, ohne dass ihnen jemand etwas übel nimmt. Und genau dieses Konzept, verbunden mit einem Höchstmaß an musikalischem Können und Gefühl für das Publikum, macht ihren großen Erfolg aus.
Hinzu kommt der stete Drang, sich weiter zu entwickeln. Im Jubiläumsjahr zeugen davon ein gerade in der Produktion befindliches Album mit ausschließlich eigenen Liedern und einer eigenen Konzerttour im Wirtshausformat, die im November im „Antik“ in Nittenau startet. Auch dafür steht bereits das eigens zusammengestellte Live-Programm.
Eine Einladung nach Las Vegas war ein Wendpunkt für die Band
Was mit der reinen Leidenschaft zur Musik 2005 begann, entwickelte sich immer mehr vom Hobby zum Beruf. So sind von der Gründungsformation nur noch Christoph Plank und David Sorgenfrei dabei. Bassist Matthias Zimmermann und Schlagzeuger Michael Niebauer wollten den Weg in den Profibereich nicht mitgehen“, erklärt Sorgenfrei. Für letzteren kam Sandro Augustin hinzu. Dessen ungeachtet verliefen die Trennungen absolut reibungslos, und die Freundschaften bestehen nach wie vor. Jüngster Neuzugang ist Bassist Andreas Kirchberger, der 2023 dazu stieß.
Ein echter Wendepunkt in der Bandgeschichte, darin sind sich beide einig, sei 2009 die Einladung zum Oktoberfest in Las Vegas/USA gewesen. Vier Wochen unbezahlten Urlaub vom Job daheim zu nehmen, sei schon nicht leicht zu organisieren gewesen. „Für mich hat das meinem Wunsch, Musiker zu werden, erst richtig Schub gegeben“, sagt Gitarrist David Sorgenfrei.

Las Vegas war nur der Anfang einer überragenden Präsenz auf Festen in Übersee bis nach Australien und Brasilien. Dort, in der deutschsprachigen Hochburg Blumenau, rockten sie eines der größten Oktoberfeste der Welt. Zuvor hatten sich ihre Gastspiele im Ausland eher auf Österreich und die Schweiz beschränkt.
Dass der Beruf auch schnell ins Leere laufen könne, habe dann Corona eindrucksvoll deutlich gemacht. 2020 wurde der Fasching noch durchgespielt, dann schneiten eine nach der anderen die Terminabsagen herein. Eine besondere Belastung sei es gewesen, dass das genau zum 15. Bühnenjubiläum passierte, für das schon viel geplant gewesen sei.
Die Band hat allerdings die Zwangspause kreativ genutzt, um an eigenen Songs zu arbeiten, Videos und Tonaufnahmen zu professionalisieren. Die Fans hätten diese Art von Aktivitäten sehr positiv aufgenommen. Mit dem Starkbierfest in Landshut starteten sie dann wieder richtig durch, wobei noch die 3G-Regel („geimpft, genesen oder getestet“) gegolten habe. Von düsteren Prognosen, wonach alles niemals mehr werde wie früher, sei zum Glück nichts geblieben, sagen beide. Und dass dem so ist, davon zeugt ein übervoller Terminkalender.
Neben ihren Auftritten auf den namhaftesten Festen in ganz Deutschland und im Fernsehen haben sie eine neue Leidenschaft entdeckt. Sie tingeln auf dem Kreuzfahrtschiff „Aida“ über die Weltmeere. Vom 15. bis 18. September geht es diesmal Richtung Norwegen. Auf diesen Touren sind sie hautnah und auf Augenhöhe unterwegs mit den ganz großen der Branche. Rein menschlich sage ihnen unter anderem Micki Krause sehr zu, der sich außerhalb seiner Ballermann-Kunstfigur stets als guter Kollege erwiesen und immer ein freundliches Wort habe.
Ein Heimspiel hatten sie kürzlich auf der Neunburger Wiesn deshalb, weil David Sorgenfrei aus Neunburg stammt, Sandro Augustin in Oberviechtach geboren wurde, Christoph Plank nicht weit entfernt in Stulln wohnt und Andreas Kirchberger aus Burglengenfeld auch nahe dran ist.
Manuel Stix sorgt für den perfekten Sound
Mit im Gepäck dabei hatten sie „den fünften Rotzlöffel“, Manuel Stix. Er sorgt für ihren unvergleichlichen Sound auf der Bühne, aber auch in seinem Tonstudio in Mils, unweit von Innsbruck. Einen Eindruck von der Jubiläums-LP mit eigenen Songs vermittelt schon mal die Auskopplung von „Ciao, Bella, Ciao“, die in der Vorwoche veröffentlicht wurde. „Wir hoffen, dass uns diesmal damit ein echter Hit gelingt“, sind sich beide einig. Klingen tut es schon mal super.
