Debatte in Berching: Sollen einheimische Handwerker den Vorzug erhalten?

„Geht im Bauamt der Stadt Berching alles mit rechten Dingen zu?“, fragt sich CSU-Stadtrat Josef Leidl und entfacht damit eine Diskussion im Stadtrat in Berching (Landkreis Neumarkt). Im Blickpunkt steht die Vergabe für die Zimmerer-Arbeiten für den Dorfstodl in Erasbach.
Der Zimmerer aus Holnstein ist verärgert, weil die Arbeiten für den Dachstuhl des Dorfstodls in Erasbach nicht von einem Handwerker aus der Gemeinde Berching ausgeführt werden. Stattdessen kommt ein Holzbaubetrieb aus einer Nachbargemeinde zum Zug. „Wir haben vier Zimmererbetriebe in Berching. Und keiner bekommt den Auftrag. Das ist schon komisch“, wurde Leidl in der Stadtratssitzung am Dienstagabend deutlich. Drei der vier Zimmerer aus der Gemeinde Berching seien nicht einmal angefragt worden, sagte Leidl.
Das bestätigte Erasbachs Ortssprecher und CSU-Stadtrat Willi Bauer in der Sitzung. Einen der vier Berchinger Zimmerer habe er angefragt, aber dieser habe kein Angebot abgegeben. „Und dann arbeite ich mit der Firma zusammen, die ich kenne“, sagte Bauer.
Diese Aussage ließ Leidl und Melanie Altrichter (CSU) aufhorchen: „Entscheidet der Ortssprecher über öffentliche Gelder?“, fragten sie sich. „Das ist ja hammermäßig“, legte Leidl am Mittwoch nach.
Drei Unternehmen für Zimmererarbeiten angefragt
Christian König, der am Dienstagabend nicht in der Sitzung war, stellte am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung die Sicht des Bauamtes dar. Der Ortssprecher habe drei Unternehmen für die Zimmererarbeiten angefragt, darunter sei eine Berchinger Firma gewesen. Diese habe aber kein Angebot abgegeben, bestätigte auch König. „Dann wurde im Rathaus das wirtschaftlichste Angebot angenommen und die Stadt hat mit der Unterschrift des Bürgermeisters den Auftrag erteilt“, schilderte König den Fall, der aus seiner Sicht „so bei anderen Projekten“ abgelaufen sei.
Eine Ausschreibung sei nicht notwendig gewesen, weil das Angebot deutlich unter der vorgegebenen Grenze lag. Erst ab 250.000 Euro müsse die Stadt bei Projekten, die über das Amt für Ländliche Entwicklung laufen, ausschreiben.
Stadtrat Leidl kritisierte, dass die Firma aus einer anderen Kommune den Dachstuhl in Erasbach errichtet. Die Gewerbesteuer, die das Unternehmen zahlt, geht dann auch an die Nachbargemeinde – und fließt nicht in die Berchinger Stadtkasse. Leidl habe nichts gegen die ausführende Firma, wie er am Tag nach der Sitzung am Telefon betonte. Ihm gehe es darum, dass die Steuergelder in der Gemeinde bleiben. „Andere Kommunen machen das auch so“, sagte Leidl.
Die Diskussion im Berchinger Stadtrat lässt den Firmenchef der ausführenden Firma übrigens kalt. „Es war ein ganz normales Vorgehen wie bei anderen Projekten auch“, sagte der Unternehmer des benachbarten Holzbaubetriebes, der viel im Landkreis Neumarkt tätig ist. „Wir sind angefragt worden, haben schriftlich ein Angebot abgegeben und haben den Auftrag erhalten“, teilte er auf Anfrage mit.