Ein Dorf packt an: Erasbacher errichten Stodl und Jugendheim

Von Bernhard Neumayer · 24. Juli 2025 um 17:00

Nach dem Friedhof und dem neuen Freizeitareal um den Weiher läuft das nächste Projekt im Berchinger Ortsteil. Es entstehen eine Multifunktionssportanlage und zwei neue Gebäude – dank der fleißigen Helfer im Dorf.

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Vom Regen lässt sich Willi Bauer nicht aufhalten. „Schlechtes Wetter gehört dazu“, sagt der Ortssprecher, während er am Donnerstag mit Christian König vom Bauamt im Rohbau des späteren Dorfstodls in Erasbach steht.

Wie viele andere Helfer aus dem Dorf verbringt er zahlreiche Stunden auf der Baustelle neben dem BSV-Sportplatz. „Für den Rohbau haben wir bisher 750 Stunden Eigenleistung erbracht“, sagt Bauer.

Neben dem Tennisheim errichten die Erasbacher derzeit ein Gebäude für einen Jugendtreff sowie den Dorfstodl. Dieser soll aber nicht für große Feiern genutzt werden, wie Bauer betont. Die 19 Meter lange, zwölf Meter breite und 4,50 Meter hohe Halle dient als Lager. Bierbänke, Tische, Hüpfburg, Gerüste, Deko und weiteres Equipment von Vereinen wird im Stodl Platz finden.

Treffpunkt für Feiern soll das BSV-Sportheim bleiben. Für Jugendliche soll der Neubau dagegen ein neuer Treffpunkt werden. Bisher verabreden sie sich in einem Bauwagen. Künftig sollen sie im 6,50 mal zehn Meter großen Jugendraum feiern. „Uns war wichtig, dass die Jugend einen Platz bekommt“, sagt Bauer.

Kunstrasenplatz beim BSV Erasbach ist fraglich

Dort, wo früher die Tennisplätze in Erasbach waren, sollen Stockbahn, Boccia-Bahn, Beach-Volleyballplatz entstehen. - Foto: Bernhard Neumayer

Neben Stodl und Jugendtreff entsteht eine Multifunktionssportanlage. Dort, wo früher die Tennisplätze waren, entstehen Stockbahn, Boccia-Feld und Volleyball-Platz. Zudem schwebt Bauer eine Tennisfeld große Freifläche aus Kunstrasen vor. Mit einem mobilen Netz soll dort Tennis gespielt werden können. Auch andere Sportarten sind dort denkbar. Doch weil es an der Förderung hakt, ist das Kunstrasenfeld noch in der Schwebe.

Aus Erasbachs Löschweiher wurde ein Freizeitareal

Die Arbeiten für Stodl, Jugendheim und Sportanlage sind die dritte Maßnahme im Zuge der Dorferneuerung vom Amt für Ländlichen Entwicklung (ALE). 2022 wurde der Friedhofsvorplatz neu gestaltet, danach wurde der Löschweiher (700 Stunden Eigenleistung) mit Steg, Tische, Bänke und Pavillon zu einem Treffpunkt im Sommer verschönert.

Die Erasbacher haben ihren Löschweiher zu einer Freizeitanlage umgebaut. - Foto: Bernhard Neumayer

Nun ist der Dorfstodl dran. Um die 200.000 Euro kostet der Neubau, schätzt Bauer, der für alle drei Projekte mit rund einer halben Million Euro rechnet. 45 Prozent davon fördert die Stadt, den Rest sollte eigentlich das ALE beisteuern. Laut Bauer wurde die Förderung etwas gekürzt, weshalb das Defizit nun mit Eigenleistung aufgefangen werden soll.

Das Amt für Ländliche Entwicklung teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass 570.000 Euro an Zuschüssen eingeplant seien. Die Behörde bezieht sich dabei aber nicht nur auf die drei Projekte (Dorfstodl, Weiher und Friedhofsvorplatz), sondern auf alle Einzelmaßnahmen im Rahmen der Dorferneuerung. Neun Stück seien in diese Finanzierung einbezogen. Als Gesamtkosten für alle Maßnahmen nennt das ALE eine Summe von 1,12 Millionen Euro.

Amt für Ländliche Entwicklung lobt das Dorf Erasbach

Allerdings hänge es von mehreren Faktoren ab, welche Maßnahmen auch wirklich umgesetzt werden. Elementar sei dabei die Bürgerbeteiligung von Beginn an: Der Vorstand erarbeite mit Dorfbewohnern und der Kommune ein Paket und priorisiere die Maßnahmen. Die Realisierung erfolge anhand der Prioritäten auf Basis der zur Verfügung stehenden Fördermittel und der möglichen Eigenleistungen.

4,50 Meter hoch soll der neue Dorfstodl in Erasbach werden. - Foto: Bernhard Neumayer

In Erasbach hatte das bürgerschaftliche Engagement bereits ein sehr hohes Ausgangsniveau, teilt das Amt für Ländliche Entwicklung mit. „Ortsprecher Willi Bauer ist mit seinem Team die treibende Kraft.“ Die Bürger seien engagiert, offen für Neues, motiviert und vor allem pflichtbewusst. „Wo viele mit anpacken, kann auch mehr geschaffen werden – das ist in Erasbach der Fall“, schreibt das ALE.

Ortssprecher Willi Bauer aus Erasbach lobt die Stadt Berching

An das alte BSV-Tennisheim (links) schließt sich der Neubau für das Jugendheim (mittig) und der 4,50 Meter hohe Dorfstodl (rechts) in Erasbach an. - Foto: Bernhard Neumayer

Ortssprecher Willi Bauer lobt die Stadt für die unbürokratische und schnelle Unterstützung bei der Dorferneuerung. König sagt, dass das Bauamt mit den Projekten in Erasbach nicht viel Arbeit habe: „98 Prozent macht der Willi selbst.“

Der Ortssprecher kann dabei auf 45 Erasbacher bauen, die sich absprechen, wer wann zum Arbeitsdienst erscheint. „Es ist schon außergewöhnlich, wie die Erasbacher anpacken“, lobt König. Weil viele Handwerker im Dorf leben und auch die örtlichen Firmen unterstützen, könne man zahlreiche Arbeiten selbst erledigen, sagt Bauer, der selbst gelernter Maurer ist: verputzen, Estrich gießen, Fliesen legen, Dach decken, pflastern. „Ohne so viel Eigenleistung wäre das alles nicht möglich.“

Dorferneuerung: Kommt nach Erasbach Raitenbuch zum Zug?

Bis Ende des Jahres soll der Rohbau fertig sein. Wenn alles nach Plan läuft, können Stodl und Jugendtreff ab Herbst 2026 genutzt werden. Dann könnte ein anderer Berchinger Ortsteil bei der Dorferneuerung zum Zug kommen. Raitenbuch wartet schon seit Jahren darauf. Nach Angaben vom Amt für Ländliche Entwicklung ist im aktuellen Plan vorgesehen, 2027 die Dorferneuerung in Raitenbuch einzuleiten.