Wie groß darf Wenzenbach werden – und wo soll die Gemeinde wachsen?

Nicht nur die Schüler, auch die Gemeinderäte freuen sich allerorten auf die Sommerferien beziehungsweise die sitzungsfreie Zeit. Die Wenzenbacher Räte haben aber ordentlich Hausaufgaben mit in die Sommerpause bekommen. Die Gemeinde steht mit der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans vor einer Richtungsfrage – und vor schmerzhaften Entscheidungen.
Der Wunschzettel an Wohngebieten, den die Gemeinderäte in einem Workshop erarbeitet hatten, sprengt den Bedarf, den ihnen die Regierung zugesteht. Die Frage lautet also: Wo sollen Wohngebiete entstehen und welche Flächen streicht man wieder? Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem angedachten zweigeteilten Baugebiet im Norden von Grünthal zu.
Über den Durst geplant
Denn allein diese beiden Bauabschnitte summieren sich auf eine Fläche von zwölf Hektar. Allerdings gesteht die Regierung der Oberpfalz der Gemeinde nur soviel Hektar an zusätzlichen Wohngebieten zu, wie statistisch durch den erwarteten Bedarf gedeckt wird. In den nächsten 15 Jahren wird mit einem Bevölkerungszuwachs von 750 Einwohnern gerechnet, entsprechend können 18 Hektar an Wohngebieten im Flächennutzungsplan eingeplant werden – vorbehaltlich Nachverhandlungen mit der Regierung.
Die Planerinnen von Plankreis und WGF Landschaft haben nicht mehr sinnhafte Bauflächen aus dem bestehenden Nutzungsplan gestrichen. Doch selbst nach deren Rücknahme werden rund zehn Hektar Wohngebietsfläche aus dem Altbestand übernommen. Neu verplant könnten damit nur acht Hektar werden – außer man nimmt früher beschlossenes Bauland noch drastischer aus der Planung.
Wenn wir Grünthal I und II machen, können wir alles andere streichen.
Bernhard Pielmeier, CSU-Fraktionsvorsitzender
Die Wunschliste, die aus einem Workshop der Gemeinderäte im November entstand, umfasst neue Wohngebiete mit einer Fläche von über 17 Hektar. Diese Liste muss ordentlich eingedampft werden. „Wenn wir Grünthal I und II machen, können wir alles andere streichen“, fasste es CSU-Fraktionsvorsitzender Bernhard Pielmeier zusammen. Der erste Bauabschnitt schließt im Westen an die bestehende Siedlung an und wird verkehrlich durch die Wohnstraßen erschlossen. Städtebaulich interessant würde das Areal erst durch den zweiten Bauabschnitt. Dort sind ein Discounter, Kinderbetreuung und ein neues Feuerwehrgerätehaus eingeplant, auch die Verkehrserschließung würde verbessert.
Ausgewogene Entwicklung oder voller Fokus auf Grünthal?
„Wir müssen uns bekennen“, schlussfolgerte Wolfgang Brandl (Grüne). „Wollen wir die Entwicklung nur an einem Ort haben oder überall verteilen?“ Weitere Entwicklungszentren, die beim gemeinsamen Workshop ausgemacht wurden, sind Fußenberg zwischen Sandstraße und Kürner Straße, sowie die neu gebaute Westumfahrung von Wenzenbach mit Nahversorgungszentrum.
Die Fußenberger Fläche ist laut Bürgermeister Sebastian Koch gut an die B16 angebunden und sinnvoll, um den Gemeindeteil zu verjüngen. In der Diskussion um ein Umspannwerk am Ortsrand von Fußenberg war ein potenzielles Baugebiet zudem als Hinderungsgrund angeführt worden. Den Roither Berg nach Fertigstellung der Westumfahrung nicht weiter zu entwickeln, wäre völlig absurd, sagte Koch. Und auch in Irlbach gebe es eine „super attraktive“ Freifläche, die mit Wohnbebauung geschlossen werden könnte.
Es steht und fällt damit, welche Flächen verfügbar werden und wo sich ein Investor findet.
Sebastian Koch, Bürgermeister von Wenzenbach
Es gelte für den Gemeinderat die richtige Balance aus städteplanerischer Sinnhaftigkeit und realistischer Entwicklung zu treffen. „Es steht und fällt damit, welche Flächen verfügbar werden und wo sich ein Investor findet“, sagte Koch. Eine ausgewogene Entwicklung stieß zumindest bei einigen Gemeinderäten auf spontane Gegenliebe. Die Belastung werde so besser verteilt, argumentierte Brandl. Gerhard Bäumler (FW) fügte an, dass man sich dabei Flexibilität für Nutzungsplanänderungen behalte, wenn an manchen Orten die Wohngebietsgestaltung nicht wie erhofft voranschreite.
Ansage in Grünthal steht aus
„Das Akute ist jetzt die Kommunikation mit dem Investor in Grünthal Nord“, sagte Koch. Die nächsten Wochen müsse man sich durch den Kopf gehen lassen, „macht man nur Bauabschnitt I oder auch II – oder lässt man es ganz“. Über die städteplanerische Sinnhaftigkeit, die Möglichkeiten des Flächenerwerbs, die Richtung, in die sich Wenzenbach entwickeln soll, könne man nach den Worten Kochs „in den nächsten Wochen wunderbar am Badeweiher sinnieren“.