Überfall am Neustädter Bahnhof – Räuber biss Polizisten in den Arm

Von Jochen Dannenberg · 31. Juli 2025 um 11:00

Ein Raub am Neustädter Bahnhof (Landkreis Kelheim) hat jetzt sein gerichtliches Nachspiel gefunden: Das Amtsgericht Regensburg verurteilte einen 26-jährigen gebürtigen Rumänen wegen Raub und gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe.

Vorausgegangen war dem Prozess am Amtsgericht Regensburg ein dreister Überfall kurz vor Weihnachten am Neustädter Bahnhof. Opfer war ein 19-Jähriger, der am vierten Advent gegen 14.30 Uhr auf dem Bahnsteig zwischen den Gleisen 1 und 2 auf seinen Zug wartete.

Gerade hatte der junge Mann noch sein Handy benutzt und hielt es noch in der Hand, als sich plötzlich der 26-Jährige vor ihm aufbaute und das Handy des 19-Jährigen forderte. „Gib mir mein Handy zurück“, habe Cornel U. (Name geändert) gefordert und weil der 19-Jährige nicht sofort reagierte, habe er ihm augenblicklich das Handy aus der Hand gerissen. Der 19-jährige – kaum, dass sich seine erste Überraschung gelegt hatte – fackelte nicht lange und nahm dem Räuber das Handy wieder ab.

Am Hals gepackt

Der Überfall hätte in diesem Moment beendet sein können, doch der Räuber packte den 19-Jährigen mit beiden Händen am Hals, „drückte jedoch nicht zu“, wie die Staatsanwaltschaft im Prozess bemerkte, „und packte ihn im Anschluss an der offenen Jacke“, wobei das Opfer – das eigene Handy noch immer festhaltend – nur ein bis zwei Schritte vom Gleis entfernt stand „und drückte ihn in Richtung des Gleises“.

Der 19-Jährige wich aus und stürzte. Der Angreifer setzte nach, schlug vier Mal mit der Faust gegen den Kopf seines Opfers, doch der 19-Jährige rückte das Handy noch immer nicht heraus, weshalb der Räuber aufgab und flüchtete. Zufällige Zeugen waren zu Hilfe geeilt und alarmierten die Polizei, die gegen 14.50 Uhr am Bahnhof eintraf.

Die Streife suchte augenblicklich nach dem Täter, hatte Glück und entdeckte den Räuber nur ein paar hundert Meter vom Bahnhof entfernt auf einem Feldweg im Anschluss an die Leprosenstraße. Die Polizisten stoppten, der 26-Jährige wollte flüchten. Doch ein Polizist packte ihn, weshalb der erfolglose Räuber um sich schlug und mit den beiden zu Boden ging.

Der 26-Jährige war völlig außer sich, griff einem Beamten, der auf ihm lag, in den Mund, um ihn dadurch von sich herunter zu ziehen Und als das nicht zum Ziel führte, biss er den Beamten auch noch in linken Arm.

Und noch immer war der missglückte Raub nicht beendet: Dem Polizisten, den er gerade gebissen hatte, erschreckte der 26-Jährige auch noch mit dem Satz, er sei HIV positiv. Passanten halfen schließlich, den Mann bauchseitig am Boden zu halten. Erst dann konnte er gefesselt und abgeführt werden.

Die Bilanz: Der Polizist hatte eine schmerzhafte Verletzung am Mundinnenraum erlitten, seine linke Wange war aufgekratzt und das Zahnfleisch verletzt. Außerdem sorgte die Bisswunde für „nicht unerhebliche Schmerzen“. Und der junge Mann, um dessen Handy es ging, litt unter heftigen Schmerzen am Kopf und am Knie.

Schuldig gesprochen

Das Urteil am Amtsgericht Regensburg ließ keine Zweifel aufkommen. Der Angeklagte wurde des versuchten Raubes in Tateinheit mit Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit einem Angriff auf Vollstreckungsbeamte sowie Körperverletzung in zwei Fällen schuldig gesprochen.

Er wurde deshalb zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Hinter Gitter muss der 26-Jährige jedoch nicht. Die Vollstreckung der Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Das Urteil ist rechtskräftig. Die Behauptung, er sei HIV positiv, hatte sich übrigens als frei erfunden herausgestellt.