11.000 Kubikmeter Sicherheit für einen kleinen Ort an der Donau

Hochwasserschutz bedeutete einst, dass in den Orten an der Donau Deiche, Polder und Spundwände gebaut wurden, um die Menschen vor den Fluten zu schützen. Doch neuerdings kommt das Wasser „von oben“ und überschwemmt Häuser und Grundstücke, die fern der Donau liegen. Im Ortsteil Hienheim wird deshalb jetzt ein neues Regenwasserrückhaltebecken gebaut. Es ist das vierte im Ort.
Die Menschen im Westertal erinnern sich noch gut an den Sommer vor neun Jahren. Ihre schmale Straße, die hoch über der Donau noch höher in die Felder führt, hatte sich binnen Minuten in einen Fluss verwandelt. Ein Starkregen hatte sich über Hienheim ergossen, das Wasser war von den Feldern oberhalb des Ortes über die Straße hinunter ins Dorf geschossen. In kürzester Zeit waren etliche Keller voll gelaufen.
„2016 war extrem“, sagt Stadtrat Alois Schweiger. „Das Wasser lief ein Meter hoch auf der Straße.“ In einer halben Stunde waren 50 Liter Regen pro Quadratmeter niedergegangen. „Die drei Regenwasserrückhaltebecken, die wir in Hienheim haben, waren in zehn Minuten gefüllt.“
Was der Ort an jenem Sommertag erlebt hatte, war zwar keine ganz neue Erfahrung. Kräftige Gewitter hatte es schon immer gegeben und Überschwemmungen auch. Aber bis dahin hatte es vor allem die Häuser nahe der Donau getroffen, wenn der Fluss mal wieder über die Ufer trat.

Dass Häuser in vermeintlich sicheren oben im Dorf überschwemmt werden könnten, schien äußerst unwahrscheinlich. Jetzt war es passiert, Das Phänomen, weshalb es dazu kommen konnte, hatte einen Namen: Starkregen. Auch den Ortsteil Mühlhausen hatte es an jenem Tag im Jahr 2016 getroffen. Straßen waren von den Fluten mit Erdreich überschwemmt worden.
Zuschuss vom ALE
Auch in Mühlhausen hieß die Lösung Rückhaltebecken. Hienheim bekommt jetzt ein weiteres. Die Planungen für Hienheim begannen 2017, erinnerte Bürgermeister Thomas Memmel am Montag beim Spatenstich. 2022 wurde der Planungsauftrag vergeben.
11.000 Kubikmeter soll das neue Becken fassen, das 6400 Quadratmeter groß sein wird. Der Schutzgrad ist so ausgelegt, dass das Becken einem 20-jährlichen Regenereignis standhalten soll. Das Einzugsgebiet des Beckens ist neun Quadratkilometer groß.
Die Kosten für das Bauvorhaben betragen 590.000 Euro. 100.000 Euro bekommt die Stadt Neustadt a.d. Donau als Zuschuss vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Niederbayern.
ALE-Leiter Hans-Peter Schmucker beschrieb die Notwendigkeit des Projekts beim Spatenstich: „Wetterextreme führen zunehmend zu kleinräumigen unkalkulierbaren Starkregenereignissen. Gleichzeitig kommt es immer häufiger zu anhaltender Trockenheit, so dass Wasser für Pflanzen knapp wird. Konsequenzen daraus sind der Verlust wertvollen Ackerbodens., Überflutungen, Stoffeinträge in Gräben und Gewässern sowie Dürreschäden.“
Diese aktuellen klimatischen Veränderungen mit zunehmenden Starkregenereignissen und Trockenphasen erforderten daher Anpassungen der Flurgestaltung und Bodennutzung.“ Die dezentrale Wasserrückhaltung in der Fläche stehe deshalb seit vielen Jahren im Fokus des ALE.

Schmucker betonte, dass es ihm wichtig ist, mit dem ALE helfen zu können. Er räumte ein: „Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie es ist, wenn man bei Gewitter mit sorgenvollem Blick zum Himmel blickt. Darum ist es mir ein besonderes Anliegen, schnell und unbürokratisch helfen zu können.“
Sicherheit verbessert
Mit dem Bau des Beckens, dass sich rund einen Kilometer oberhalb des Ortes befindet, soll in den nächsten Tagen begonnen werden. Das erforderliche Grundstück hat die Kommune von der Familie Kernl gekauft. Die Fertigstellung ist für Oktober diesen Jahres geplant.
„Die Bauphase bringt sicherlich die ein oder andere Einschränkung mit sich, das ist uns bewusst - aber sie ist eine Investition in die Sicherheit unseres Ortes“, betonen Erster Bürgermeister Memmel und der Hienheimer Stadtrat Wolfgang Maier.
Weiter sagen sie: „Mit dem Bau verbessern wir spürbar die Sicherheit für viele Bürgerinnen und Bürger – für Familien, für Hausbesitzer sowie für landwirtschaftliche Flächen und darum freuen wir uns, dass wir mit dem Projekt einen entscheidenden Schritt zum Schutz Hienheims gehen können.“