Der Ofen als KI-Assistent: In Regensburg entwickelt BSH die digitale Zukunft von Hausgeräten

Von Lorenz Nix · 28. Juli 2025 um 19:00

Jeder kennt die Haushaltsgeräte des Münchner Konzerns BSH. Von Regensburg aus wird die weltweite Elektronikentwicklung des Unternehmens gesteuert. Für zwei dort ansässige KI-Projekte gab es nun Förderungen.

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Wer sich eine neue Waschmaschine, einen Ofen oder einen Kühlschrank anschaffen möchte, hat die Qual der Wahl. Zahlreiche Anbieter werben mit innovativen Technologien um die Gunst der Kunden. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings hoch, dass das neue Gerät aus dem Hause BSH stammt: Der Münchner Konzern produziert unter anderem die bekannten Marken Bosch, Siemens und Neff – insgesamt umfasst das weltweite Markenportfolio zehn Namen.

Was viele nicht wissen: Ein wesentlicher Teil der Elektronik für die Geräte entsteht in Regensburg. Im Zuge der Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt der Standort in der Oberpfalz zunehmend an Bedeutung.

Insgesamt hat der Konzern rund 57.000 Beschäftigte – etwa 450 davon in Regensburg. Im Gewerbepark im Nordosten der Stadt befindet sich der Hauptsitz für Elektronikentwicklung von BSH. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung laut Unternehmensangaben bei 5,5 Prozent des Umsatzes. Regensburg habe daran einen großen Anteil gehabt, sagte Hans-Joachim Gast, bei BSH zuständig für die Optimierung von Abläufen und die Zielerreichung, am Montag im Rahmen einer Förderbescheidübergabe an den Konzern.

BSH-App setzt Eier automatisch auf Einkaufsliste

Gerade für die starken BSH-Marken wie Siemens oder Bosch würden die Kunden immer die neuesten Technologien erwarten, erklärte der Manager. Mit der Digitalisierung gebe es zahlreiche Anwendungsfälle, die man anbieten könne. So könnten sich beispielsweise Geschirrspüler in Zukunft genau dann einschalten, wenn der Strom besonders günstig ist.

Gast präsentierte auch eine App auf seinem Handy: Wenn er wolle, könne er von Regensburg aus die Dunstabzugshaube bei ihm zuhause in München anmachen. Die Software hat aber auch etwas sinnvollere Anwendungsmöglichkeiten. Zum Beispiel können BSH-Kunden damit von unterwegs aus einen Blick in ihren heimischen Kühlschrank werfen und wissen so, was sie für das Lieblingsgericht noch einkaufen müssen. Die Technik ist sogar noch weiter: Gehen zum Beispiel die Eier zuneige, setzt die App diese automatisch auf eine Einkaufsliste.

Die BSH-Manager Hans-Joachim Gast (links) und Bernhard Kobl (rechts) bekamen von Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt (Freie Wähler) in Regensburg zwei Förderbescheide überreicht. - Foto: BHS Hausgeräte GmbH

Möglich macht das Künstliche Intelligenz, die bei BSH in verschiedenster Form zum Einsatz kommt. Für zwei entsprechende Projekte wurde das Unternehmen nun mit insgesamt rund 3,3 Millionen Euro durch den Freistaat Bayern gefördert. Übergeben wurden die zwei Bescheide am Montag von Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt.

Entwicklung und Forschung „auf einem hohen Niveau zu halten“, sei die „Zukunftsgarantie für den Standort Bayern“, sagte der Freie-Wähler-Politiker. Die „wegweisenden Projekte“ von BSH seien „gerade in unsicheren Zeiten ein klares Zeichen“ für die Innovationskraft der regionalen Wirtschaft und der Arbeitsplätzesicherung.

KI-Projekt in Regensburg: Bessere Produktivität als Ziel

Eines der beiden Projekte dreht sich um die interne Nutzung von generativer KI bei BSH – unter anderem im Bereich der Softwareentwicklung. Das Ziel sei eine höhere Produktivität sowie bessere Qualität, heißt es vom Unternehmen.

Direkt in Kontakt kommen die Kunden des Konzerns aber wohl mit dem zweiten geförderten Projekt. Modernste Öfen haben mittlerweile über 400 verschiedene Programme. Das Problem: Hier den Überblick zu behalten, fällt schwer. Meist nutze man dann eben doch immer wieder „Ober/-Unterhitze“ bei 180 Grad Celsius, sagte am Freitag Bernhard Kobl, Leiter der weltweiten Elektronikentwicklung bei BSH und Regensburger Standortchef. Nicht immer sei die Einstellung aber am besten geeignet für das gewünschte Gericht.

Die Lösung: Ein Ofen mit Sprachsteuerung. Dabei reicht es zum Beispiel, dem Gerät zu erzählen, welche Zutaten der eigene Kühlschrank aktuell hergibt. Die KI schlägt dann ein Gericht vor und startet auf Wunsch auch das passende Ofenprogramm. Demnächst soll die Technologie in den ersten Haushalten getestet werden. Etwas vergleichbares gebe es nicht am Markt, sagte Kobl. Ihm zufolge soll der sprachgesteuerte KI-Assistent in einem weiteren Schritt dann auch mit anderen Haushaltsgeräten verbunden werden können.

Über den BSH-Konzern, seine Marken und den Standort Regensburg

• Zusammenschluss: Die BSH Hausgeräte GmbH wurde 1967 als Joint Venture von Bosch und Siemens gegründet. Seit 2015 ist das Unternehmen eine hundertprozentige Bosch-Tochter. Die Firma fertigt aber weiterhin Geräte unter beiden Markennamen. Andere in Deutschland bekannte Marken des Konzerns sind Neff oder Gaggenau.

• Regensburg: Der Standort entstand 1998 aus der Eingliederung der Siemens-Abteilung Electronics, Drives and Systems (EDS) in BSH. Seitdem befindet sich dort das globale Kompetenzzentrum des Konzerns für Elektronik und Antriebe. Weltweit beschäftigt BSH in dem Bereich 810 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon in Regensburg.