Neue Firma, alte Technologie: Am Regensburger Biopark geht der Kampf gegen Keime weiter

Von Franziska Mahler · 27. Juli 2025 um 09:00

2023 mussten die 16 Mitarbeiter der Trioptotec GmbH ihre Sachen packen. Die zweite Insolvenz hatte dem vielversprechenden Biotech-Unternehmen mit Sitz am Regensburger Biopark das Genick gebrochen. Aber Andreas Späth wusste: Seine Technologie zur Bekämpfung von multiresistenten Keimen ist nicht das Problem. Mit der Dyphox GmbH soll nun im dritten Anlauf alles besser laufen.

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Die Trioptotec GmbH wurde 2010 aus dem Universitätsklinikum herausgegründet. Späth hatte ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Keime auf natürlichen Weg bekämpfen lassen. Basis dafür ist der Abwehrstoff der Bananenpflanze. Wie das funktioniert, zeigt sich anhand des Produkts Dyphox Universal: Es kann auf jede harte Oberfläche aufgetragen werden. Durch jeglichen Lichteinfluss startet ein photodynamischer Prozess – und die Oberfläche wird dekontaminiert. Die Hygienelösung Dyphox Solution wird in Wandfarben, Lacken, Silikon, Folien oder Reinigungsmittel gegeben und macht diese antimikrobiell. Die Fahrgastbereiche der RVV-Busse und Oberflächen in Regensburger Krankenhäusern waren zum Beispiel damit beschichtet. Zu den Kunden zählten aber auch Betriebe des öffentlichen Nahverkehrs zahlreicher deutscher Großstädte sowie Supermärkte, Einzelhändler, Industrie und Banken.

Erst ging es mit dem Biotech-Unternehmen auf- dann abwärts

Wie schon zu vermuten ist, boomte das Geschäft während Corona – auch international. Der Umsatz ist stark gewachsen und eine größere Investorengruppe kam zustande, erinnert sich Späth. Doch nach der Pandemie sparten Unternehmen im Hygiene-Bereich oder ihnen genügte Altbewährtes: Desinfektionsmittel. Auch die gesamtwirtschaftliche Lage und der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine trieben Trioptotec weiter in die Abwärtsspirale. Die Investoren zogen sich zurück und das Unternehmen rutschte 2022 in die Insolvenz – konnte diese jedoch in Eigenverwaltung erfolgreich beenden. 2023 folgte die zweite – das Ende des Start-ups.

Für Späth war das nicht leicht. „Das waren über zehn Jahre meines Lebens, wo ich viel Herzblut reingesteckt habe und auch eigenes Geld.“ Zwar hat der promovierte Chemiker in dieser Zeit durchaus andere Jobs angeboten bekommen. Aber für ihn war klar: „Ich glaube an die Sache.“ Er wolle mit seiner Technologie einen Beitrag leisten, ein Problem lösen. Und von multiresistenten Keimen gehe „eine riesige Gefahr“ aus, ist er überzeugt.

Kein Fokus mehr auf Großkonzernprojekte

Die 2024 gegründete Dyphox GmbH will flexibler vorgehen und legt den Fokus nicht mehr auf Großkonzernprojekte wie Kliniken oder Behörden. Zweifel an der Technologie habe es aus Sicht von Experten zwar nie gegeben. Aber: „Das System ist zu träge“, sagt Späth. Bis Kliniken statt nur auf Desinfektionsmittel auch auf die Dyphox-Mittel setzen, werde es noch Jahre dauern. Deshalb liegt ihr Fokus vorerst auf dem öffentlichen Sektor oder privaten Kunden wie Arztpraxen, „die einen erhöhten Anspruch haben“.

Dabei betont Dyphox-Geschäftsführer Dirk von Arndt: Mit der Basisbeschichtung würden Kliniken sparen, weil sie Flächen beispielsweise nur noch zwei statt fünf Mal desinfizieren müssten. Auch der Bedarf sei groß. Denn Desinfektionsmittel werde oft gar nicht richtig verwendet und schade den Oberflächen.

Grundsätzlich gebe es innerhalb der EU eine „gewisse Betriebsblindheit“, findet von Arndt. Asiatische und arabische Länder seien viel offener, was neue Technologien anbelangt – und deshalb in manchen Bereichen voraus. Die Dyphox-Technologie fällt in der EU unter das Biozidrecht, weil die Bakterien, Viren und Keime, die getötet werden, Lebewesen sind. Bedeutet: Es müssen die gleichen Voraussetzungen erfüllt werden wie für Gift. Das sei „extrem schwer nachzuvollziehen“ – und im Vergleich zu anderen Ländern kompliziert.

Bewährte Expertise mit innovativen Ansätzen

Dennoch sind Späth und von Arndt sich sicher, dass es mit der Dyphox GmbH nun klappt. „Wir haben die Zeit genutzt, uns neu zu erfinden“, sagt von Arndt. Auch die Investoren habe man mit dem neuen Businessplan wieder ins Boot holen können. Die bewährte Expertise werde nun mit innovativen Ansätzen kombiniert: Zu den etablierten Produkten gesellt sich Dyphox Light – ein Oberflächenreinigungsmittel für den Alltagsgebrauch. Ganz neu ist das Pflanzenstärkungsmittel Phytofortify, das auch auf dem natürlichen Selbstschutzmechanismus basiert.

Der Bedarf sei groß: Aufgrund des Klimawandels haben die Pilzerkrankungen auf Rasenflächen zugenommen – zum Beispiel auf Golfplätzen, so Späth. Statt mit Pestiziden zu arbeiten, stärke man den Rasen, „damit er sich selbst helfen kann“. Künftig könnte sich von Arndt auch einen Einsatz in Landwirtschaft vorstellen. Gerade starte die Firma mit dem Marketing und bald auch mit dem Verkauf. „Wenn jetzt in einem Bereich mal ein Sturm kommen sollte, dann haut es uns nicht gleich von den Füßen“, sagt von Arndt.

Weitere Infos zur Dyphox GmbH

• Kosten: Um eine gewöhnliche Arztpraxis mit der Dyphox-Beschichtung auszustatten, werden ein paar hundert Euro fällig, sagt Andreas Späth, Technischer Direktor der Dyphox GmbH.

• Haltbarkeit: Die Dyphox-Universal-Beschichtung hält ungefähr ein Jahr.

• Mitarbeiter: Das Dyphox-Team besteht aus fünf Mitarbeitern. Bei der Trioptotec GmbH haben 16 Menschen gearbeitet.

• Patente: Die damaligen Investoren der Trioptotec GmbH haben die sieben Patente der Firma übernommen. Die Dyphox GmbH nutzt sie.