Regensburger Biotech-Unternehmen schlittert in die Insolvenz

Von Marion Koller · 3. Februar 2024 um 05:00

Das einst vielversprechende Start-up Trioptotec GmbH aus dem Regensburger Biopark hat erneut Insolvenz angemeldet. Bis Ende März müssen die 16 Beschäftigten gehen.

Abgewickelt werden auch die Firmenräume bei der Universität.Wichtigste Produkte von Trioptotec sind die antimikrobielle Oberflächenbeschichtung Dyphox Universal und die Hygiene-Lösungen Dyphox Solution, die Wandfarben, Lacke, Silikone, Folien und Reinigungsmittel antimikrobiell machen. Die Fahrgastbereiche der RVV-Busse und Oberflächen in Regensburger Krankenhäusern sind damit beschichtet.

Vor einem Jahr hatte die Firma eine Insolvenz in Eigenregie erfolgreich gemeistert. Diesmal wird sie wohl kaum überleben. Insolvenzverwalter Rudolf Dobmeier hält es für unwahrscheinlich, „dass jetzt noch ein weißer Ritter auftaucht“.

Namhafte Kunden

Ganz will das Geschäftsführer Xaver Auer nicht ausschließen. „Ob es eine Lösung zur Fortführung gibt, ist noch unklar“, sagt der Wirtschaftsingenieur. Nach der Insolvenz in Eigenregie habe die GmbH Verträge mit namhaften Kunden geschlossen. „Aber den zwei Investoren hat es zu lange gedauert, bis das Unternehmen profitabel war und sich selbst finanzieren konnte.“ Trotz der lebhaften Kundenresonanz und der hohen Wirksamkeit von Dyphox hätten sich die Investoren abgewandt.

Trioptotec hat mit Lack-, Wandfarben- und Reinigungsmittelherstellern zusammengearbeitet. Die Lacke, die mit Dyphox Solution mehr als 99 Prozent der Bakterien und Viren abtöten, sind an die Auto- und die Möbelindustrie gegangen. Zu den Kunden haben Betriebe des öffentlichen Nahverkehrs zahlreicher deutscher Großstädte wie Leipzig, Lübeck oder Ingolstadt gezählt. Supermärkte, Einzelhändler, Industrie und Banken haben ebenfalls auf die Hygiene-Lösungen aus Regensburg gesetzt.

Für diese Technologie benötigten Investoren einen langen Atem. Bis sie in Kundenprodukte umgesetzt wird, vergehen schon mal drei Jahre. Auer bedauert, dass private Investoren in Deutschland wesentlich vorsichtiger sind als in den USA. Die dortigen Risikokapitalgeber wagten mehr.

Seine Erfahrung: Während der Pandemie seien Kliniken und Praxen eher bereit gewesen, Geld für den präventiven Schutz vor Bakterien und Viren auszugeben. Zuletzt hat Trioptotec in China mehr Geschäft gemacht als in Deutschland. Das reichte jedoch nicht aus. „Tolle Technologien setzen sich nicht immer durch.“

Ausgründung der Uniklinik

Das Biotech-Unternehmen wurde 2010 als Spin-off des Universitätsklinikums gegründet. Wirtschaftsingenieur Xaver Auer ist im Oktober 2018 dazugestoßen. Ein Fünkchen Hoffnung hegt offenbar Biopark-Geschäftsführer Thomas Diefenthal. „Wir arbeiten an einer Auffanglösung für Trioptotec.“ Vielleicht gelinge es in der dritten Finanzierungsrunde, weiterzumachen. Das müsste jedoch geschehen, denn Xaver Auer orientiert sich bereits neu.

Rudolf Dobmeier sagt zu einer möglichen Lösung: „Das wird eher schwierig, weil sich kein Investor gefunden hat, zumindest Teile der Firma zu übernehmen.“ Man habe gekämpft, trotzdem sei es nicht gelungen. Das Unternehmen hält sieben Patente. Wenn sie zur Insolvenzmasse gehören, werden sie laut Dobmeier verwertet. Auch er findet die Pleite schade: „So eine interessante Technologie – und Top-Leute.“

Der Biopark

Firmen: 37 Mieter mit 683 Mitarbeitern forschen und arbeiten im Biopark.

Biopark Jump: Das ist eine Anlaufstelle für Gründungsinteressierte in der Gesundheitswirtschaft. Dort arbeiten Evanium, Medespro und GoEcoFit.

US-Anfrage: Dem Biopark liegt eine Anfrage aus USA für eine Niederlassung vor.

Geschäftsführer Xaver Auer orientiert sich neu. Foto: Trioptotec