„Biotechnologie ist eine Zukunftstechnologie“: BioPark-Geschäftsführer im Interview

Von Lorenz Nix · 20. März 2025 um 19:00

Der Regensburger BioPark-Geschäftsführer Dr. Thomas Diefenthal spricht im Interview mit der Mediengruppe Bayern über die Branche, den Fachkräftemangel und Künstliche Intelligenz.

Die Zahl der Life-Science-Firmen in Ostbayern ist 2024 im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich geblieben. Das geht aus den Geschäftszahlen für die BioRegio Regensburg hervor. In dem Biotechnologie-Cluster sind Unternehmen aus der Oberpfalz und Teilen Niederbayerns zusammengeschlossen. Das Zentrum des Netzwerks ist der BioPark in Regensburg.

Herr Diefenthal, wie geht es der Life-Science-Branche in Ostbayern?

Thomas Diefenthal: Der geht es immer gut. Biotechnologie ist eine Zukunftstechnologie.

Den Geschäftszahlen zufolge ist die Zahl der Unternehmen im vergangenen Jahr aber nur um eine Firma auf 67 gewachsen. Auch im Vergleich mit 2023 gab es keinen nennenswerten Anstieg. Ist das beunruhigend?

Diefenthal: Wir dürfen nicht vergessen, dass die meisten unserer Firmen während Corona Gewinner waren. Dass jetzt eine Konsolidierungsphase folgt, ist logisch. Und es ist ja nicht nur die Region betroffen. Auch der deutsche Shootingstar Biontech schreibt aktuell zum Beispiel rote Zahlen. Aber das ist nur eine Momentaufnahme. Zwar ist der Verkauf der Corona-Impfstoffe und Diagnostika eingebrochen, die Entwicklung von Krebsmedikamenten wird aber natürlich weiterverfolgt und ist eines der großen Wachstumsfelder in der Biotechnologie. In unserer Branche dauert es eben oft lange von der Idee bis zur Markteinführung und da darf nichts schiefgehen. Durch den wegbrechenden Corona-Boom musste bei manchen Firmen der Gürtel nun enger geschnallt werden. Und das bedeutet teilweise auch eine Reduktion der Mitarbeiterzahlen.

Sie sprechen es an: In den Biotech-Firmen in Ostbayern waren es 2024 nur noch 732 Beschäftigte, 167 weniger als im Vorjahr. Und das, obwohl die Anzahl der Unternehmen um eins auf 28 gewachsen ist. Ein anderes Bild ergibt sich bei den Pharma-Unternehmen: Deren Zahl ist um zwei auf acht gewachsen. Und auch die Mitarbeiterzahl ging um 242 auf 1862 nach oben.

Diefenthal: Die Entwicklung der Pharma-Branche ist sehr erfreulich. Das Flaggschiff ist natürlich Bionorica aus Neumarkt. Es gibt aber weitere wichtige Akteure wie z.B. Aenova in Tegernheim, die gerade letztes Jahr ein neues Laborgebäude in Betrieb genommen haben und neue Mitarbeiter eingestellt haben. Die Pharma-Branche hat im vergangenen Jahr die Verluste anderer Bereiche auf jeden Fall etwas aufgefangen.

Eine weitere Kennzahl aus Ihren Geschäftszahlen ist die Belegung des BioParks. 90 Prozent der Flächen sind vermietet. Wie ist das einzuordnen?

Diefenthal: Wir planen immer mit 90 Prozent Mietauslastung und können ab hier schwarze Zahlen schreiben. In den letzten 25 Jahren lagen wir häufiger darüber und waren ausgebucht. Das war aber auch nicht gut, weil wir dann keinen Platz mehr für Gründer hatten und für Firmen, die wir ansiedeln wollen. Nur in der Anfangszeit, beim Neubau von BioPark I und II, haben wir mal rote Zahlen geschrieben. Ansonsten waren wir eigentlich immer über Soll und hätten eher gerne mit BioPark IV weiter gebaut, um den Bedarf zu decken. Aus dem Grund haben wir einige Firmen erfolgreich in den Gewerbepark im Regensburger Nordosten übergesiedelt.

Ein Beispiel dafür ist die Regensburger Firma Geneart, die 2000 aus dem BioPark in den Gewerbepark übersiedelte und 2014 vom US-Riesen Thermo Fisher Scientific übernommen wurde.

Diefenthal: Genau so soll das laufen. Wir wollen hier im BioPark für die Firmen in der Anfangszeit da sein. Aber wenn sie dann mehr Fläche brauchen, gibt es die in Regensburg auch anderswo. So war das auch im vergangenen Jahr bei der 2bind GmbH. Das ist eine Diagnostikfirma, die nun im Gewerbepark viel Platz hat, um sich auszubreiten.

Um zu wachsen, braucht es aber natürlich auch Mitarbeiter. Ein Dauerthema ist der Fachkräftemangel – auch in der Life-Science-Branche?

Diefenthal: Das ist sehr, sehr unterschiedlich. In den Ausbildungsbereichen Biologie, Biochemie oder Medizin ist es nicht schwierig, Leute zu finden. Aber es gibt auch ein paar Firmen, bei denen Künstliche Intelligenz eine große Rolle spielt. Da braucht es dann einen Softwareentwickler, was schon mit größeren Anstrengungen verbunden ist. Und generell ist es heute so, dass es natürlich schwieriger ist, zum Beispiel eine gute englischsprachige Sekretärin oder Buchhalterin zu finden. Da sind wir genauso betroffen wie andere Branchen.

Stichwort KI: Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in der Branche?

Diefenthal: Eine riesige. In der Gesundheitsdiagnostik, gerade in der Erkennung von Krankheiten, sei es Hautkrebs oder Demenz, ist KI immer mehr am Kommen. Die Technologie unterstützt den Arzt, hilft ihm, nichts zu übersehen. Man nutzt Künstliche Intelligenz auch immer mehr in der klassischen Diagnostik, zum Beispiel in der Blutanalytik. Das machen schon einige Firmen hier im BioPark: Mit dem Blutbild können dann frühzeitig Krankheiten erkannt werden.

Ein wichtiger Markt für viele deutsche Life-Science-Unternehmen sind die Vereinigten Staaten. Entsprechend groß ist die Sorge vor US-Zöllen. Wie wären die Auswirkungen auf Firmen in der Region?

Diefenthal: Von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Knapp die Hälfte der Firmen produziert, exportiert oder kooperiert mit US-Firmen. Dank des BioParks weiß mittlerweile auch das Zollamt in Regensburg, was Gene sind. Natürlich würden Zölle auf Biotechprodukte die Firmen treffen. Aber man darf die großen Unternehmen auch nicht unterschätzen. Die sind mit weltweiten Produktionsstätten gut aufgestellt und flexibel.

Über die Branche

Life Science: Übersetzt bedeutet der Begriff Lebenswissenschaft. Auch die Bezeichnung Biowissenschaft ist gebräuchlich.

Bereiche: Die Life-Science-Branche besteht aus drei Teilbereichen: Es gibt Biotechnologie-, Medizintechnik- und Pharmaunternehmen. Die Überschneidungen sind teilweise groß.