Regensburger Biopark feiert Erfolgsgeschichte: „Wir waren mutig“

Von Marion Koller · 20. Juli 2024 um 10:00

Das Regensburger Gründerzentrum wird 25 Jahre alt. In die Lebenswissenschaften in der Region sind in dieser Zeit 839 Millionen Euro geflossen. Viele innovative Firmen wurden gegründet.

Zwei Gäste beim Stehempfang im Biopark strahlten besonders, hielten sich aber im Hintergrund: Alt-OB Hans Schaidinger und der frühere Wirtschaftsreferent Dieter Daminger. Sie hatten die Idee für ein Biotechnologie-Cluster (Netzwerk) sowie für die enge Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft gehabt. Vor 25 Jahren haben sie die Biopark Regensburg GmbH gegründet. „Wir waren mutig und blicken mit Stolz darauf zurück“, sagte Daminger (67). Schaidinger (75) erinnerte sich, dass damals im Stadtrat auch Kritik laut geworden sei.

Die Erfolgsgeschichte gibt ihnen recht. Die Biopark GmbH baute das erste Technologie- und Gründerzentrum vor Ort und mit der Bioregio Regensburg das erste Cluster auf. Was 1999 auf der grünen Wiese der Universität begann, ist heute der zweitgrößte Biotechstandort in Bayern. Die regionale Pharmaindustrie, Medizintechnik, Diagnostik, Analytik und Gesundheitswirtschaft kooperieren.

71 Start-ups begleitet

Geschäftsführer Thomas Diefenthal, der den Biopark seit dem Start leitet und weiterentwickelt, führte den Gästen bei der Jubiläumsfeier den neuen, attraktiven Imagefilm vor, der die mittlerweile drei Gebäude und die Forschungsarbeit genauso vorstellt wie die Stadt.

In den 25 Jahren hat der BioPark 71 Start-ups erfolgreich begleitet, darunter die Firma GeneArt, die heute mit über 400 Mitarbeitern Teil des US-Unternehmens Thermo Fisher Scientific ist. Seit dem Markteintritt im Jahr 2000 ist GeneArt zu einem der weltweit führenden Spezialisten bei der Herstellung synthetischer Gene geworden und stellt Schlüsseltechnologien bereit für die Entwicklung und Produktion neuer Medikamente. Eine Niederlassung von Thermo Fisher Scientific - GeneArt liegt mittlerweile im Gewerbepark.

Bei PreSens handelt es sich um eine weitere Ausgründung der Hochschulen. Die Firma entwickelt und produziert chemisch-optische Sensoren und Mess-Systeme, etwa für die Medizintechnik. Numares Health wiederum stellt erfolgreich Testsysteme für die Humandiagnostik her.

Im Biopark mit seinen 37 Firmen sind heute fast 700 Mitarbeiter tätig. Der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume dankte den Gründungsvätern für ihre Weitsicht. Es sei ein Kraftzentrum entstanden – in der Nähe der Hochschulen, des Leibniz-Instituts für Immuntherapie und weiterer Forschungseinrichtungen.

„Da liegt so viel Gold“

Die Stadt stärkt den Biopark mit einer konsequenten Wirtschaftsförderung. OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer plädierte für Mut und Zuversicht, Neues zu wagen. Regensburg setze auf einen zweiten Tech-Campus, auf AIR Artificial Intelligence Regensburg, eine 2020 gegründete Initiative von Unternehmen, Hochschulen und Stadt, sowie auf das Kreativareal Westhafen. „Es soll innovativ und am Puls der Zeit weitergehen.“

Seit Jahren plant die Stadt ein viertes Bioparkgebäude. Wirtschaftsreferent Stephan Georg Barfuß sagte, dass ein Gebäuderiegel oder Stockwerk des künftigen Tech-Campus II Raum für Biotechnologie bieten könne. Schon vor der Jubiläumsfeier hatte er betont, es sei sehr beeindruckend, dass die Unternehmen des Clusters Bioregio Regensburg, darunter 66 Life-Sciences-Firmen mit 5600 Mitarbeitern, bisher 839 Millionen Euro investiert hätten. Den Löwenanteil von 414 Millionen Euro mache Eigenkapital aus, gefolgt von Wagniskapital in Höhe von 242 Millionen und Fördermitteln von 183 Millionen Euro.

Bei einer Podiumsdiskussion zum „Innovationstreiber Biopark“ appellierte Professor Achim Göpferich, den Studierenden die Selbstständigkeit nahezubringen. Gründer Thomas Schubert von 2bind forderte, Hochschulen und Biopark-Firmen noch stärker zu verknüpfen. „Da liegt so viel Gold.“ Der Moderator Prof. Michael Nerlich empfahl, Coffeeshops im Biopark einzurichten. Die Treffpunkte förderten die Innovationskultur.

Stolz auf das Erreichte: Biopark-Geschäftsführer Thomas Diefenthal, Alt-OB Hans Schaidinger und der frühere Wirtschaftsreferent Dieter Daminger (v. l.) Foto: Lex