Online-Handelsriese führt „fortgeschrittene Verhandlungen“ mit Konzernmutter Ceconomy

Wird MediaMarktSaturn chinesisch? Eine Entscheidung darüber könnte in nächster Zeit fallen. Wie Ceconomy am Donnerstag bekannt gab, gibt es „fortgeschrittene Verhandlungen“ über eine mögliche öffentliche Übernahme.
Interesse an der MediaMarktSaturn-Mutter hat das Internetunternehmen JD.com Inc. Es zählt mit seiner gleichnamigen E-Commerce-Plattform zu den größten Online-Händlern Chinas.
Laut Mitteilung zieht JD in Erwägung, den Aktionären von Ceconomy ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot in Form eines Barangebots für sämtliche auf den Inhaber lautende Stammaktien zu unterbreiten. Konkret erwägen die Chinesen Unternehmensangaben zufolge einen Angebotspreis von 4,60 Euro je Aktie.
Erfolgreiche Transformation sorgt für Aufmerksamkeit
Rechtlich bindende Vereinbarungen wurden bislang aber noch nicht unterzeichnet. Zurzeit sei daher nicht absehbar, ob es tatsächlich zu einem Übernahmeangebot kommen wird oder nicht, hieß es weiter. Die Aktie des Düsseldorfer Handelskonzerns legte dennoch zu. Weitere Angaben wollte Ceconomy auf Anfrage unserer Zeitung aber nicht machen.
Angesichts der schwachen Binnenkonjunktur in China wolle JD.com mithilfe von Akquisitionen expandieren, schreibt das „Manager Magazin“. Im vergangenen Jahr hatte JD.com eine Übernahme des britischen Elektronikhändlers Currys angestrebt. Das Vorhaben scheiterte. Nun also ist das Interesse an der Mutter der Ingolstädter Elektronikhandelskette erwacht. Das hat mehrere Gründe, wie es vonseiten des Konzerns heißt: „Unser Unternehmen ist auf einem sehr erfolgreichen Weg. Und es liegt in der Natur der Sache, dass erfolgreiche Unternehmen und ihre Transformationsprozesse Aufmerksamkeit auf sich ziehen“, sagte eine Ceconomy-Sprecherin am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung. „Unser Fokus liegt klar auf der weiteren konsequenten Umsetzung unserer Strategie hin zu einer führenden Omnichannel-Service-Plattform. Unser Geschäftsmodell ist robust, die Transformation schreitet planmäßig voran und wir sind für die Zukunft bestens aufgestellt.“
Gute Geschäftszahlen dank Wachstum und Kostendisziplin
Dass MediaMarktSaturn wieder auf einem guten Weg ist, haben auch die Zahlen für das zweite Quartal des aktuellen Geschäftsjahres gezeigt, es läuft von September bis September. Damals meldete der Konzern ein bereinigtes Ebit von zehn Millionen Euro. Das bedeutet beim Gewinn das neunte Wachstumsquartal in Folge. Der Umsatz legte im erste Halbjahr des Geschäftsjahres um knapp sechs Prozent von rund 12,3 Milliarden auf 12,8 Milliarden Euro zu.
Man fühle sich, sagte Interims-Chef Kai-Ulrich Deissner bei der Vorlage der Zahlen im Mai, „bestens positioniert, um die Zukunft des Handels aktiv zu gestalten“. Der Nachfolger von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) rechnete damals mit einem moderaten Umsatzwachstum und einem deutlichen Anstieg des Gewinns. Dazu sollten verstärkt Eigenmarken beitragen, bei denen man sich bewusst vom Image der Billigprodukte verabschieden wolle.
Aktuell in 13 europäischen Ländern vertreten
MediaMarktSaturn ist aktuell in 13 europäischen Ländern vertreten. Lediglich in der Schweiz und Polen ist die Elektronikhandelskette nicht Marktführer. Zuletzt setzte der Konzern – nach Jahren mit Gewinneinbrüchen – auf strikte Kostendisziplin. Dieses Rezept ist offenbar aufgegangen. Seit über zwei Jahren ist Ceconomy auf Wachstumskurs. Zum 30. September 2024 wies der Jahresabschluss einen Bilanzgewinn in Höhe von rund 242 Millionen Euro aus. Aktionäre und Aktionärinnen mussten in jüngster Vergangenheit dennoch auf eine Dividende verzichten. DK