Im Metal-Himmel: Drummer aus Neumarkt spielt heuer vor 35.000 Menschen in Wacken

Als Kind trommelte er mit Kochlöffeln auf Töpfe, am Freitag steht Markus Felber auf einer der größten Metal-Bühnen Europas: Dem Neumarkter und seiner Band Induction werden dann bis zu 35 000 Menschen zujubeln. Der Weg dorthin war mit viel Fleiß verbunden – und einem Umweg über die klassische Musik.
Auf der Bühne wirkt Markus Felber wie entfesselt – ein dämonischer Wirbelwind hinter den Drums, wild und kraftvoll, dabei präzise bis ins letzte Detail. Der 28-Jährige sieht im Bühnenlook mitunter aus wie einem Horrorfilm entsprungen. Die Leidenschaft ist unverkennbar.
Abseits der Bühne ist Markus Felber ein anderer: Der ausgebildete Einzelhandelskaufmann arbeitet in Neumarkt als Veranstaltungstechniker. Zum Glück habe er einen äußerst verständnisvollen Chef, der auf Tour übrigens selbst am Mischpult sitzt. „Ich kann immer weg. Das war die Bedingung, bevor ich hier angefangen habe“, erklärt der Neumarkter.
Zum Proben kommt die Band aus halb Europa nach Neumarkt
Induction und die Musik habe für ihn Priorität. Die Band ist international aufgestellt. Zum Proben vor großen Auftritten oder Tourneen reisen die fünf regelmäßig aus halb Europa nach Neumarkt. In einer Halle von Markus Felbers Chef bei Lampenfieber Eventtechnology wird dann das Konzertset aufgebaut und jeden Tag stundenlang geprobt.
Gitarrist Tim Hansen ist Hamburger und der Sohn von Kai Hansen, Gründer und Songwriter der Band Helloween. Ihm ist es auch zu verdanken, dass Induction heute in dieser Konstellation spielt. Bassist Dominik Gusch studiert Bass an der Pop-Akademie in Mannheim, der neue Sänger Gabriele Gozzi kommt aus Mailand und Gitarrist Justus Sahlman hat es sogar noch weiter: Er kommt aus Finnland.
Über Kontakte in der Musikszene fanden sie zueinander. Eigentlich hielt er gerade Ausschau nach einem Produzenten für ein anderes Projekt, da erwähnte Tim Hansen, dass er einen Schlagzeuger für Induction suche. Das erste Vorspielen war aber eher eine Pleite. „Ich habe das total unterschätzt. Ich hatte auch nur ein paar Tage geübt. Aber ich wusste, ich kann das spielen“, erinnert sich Felber.

Mehr als ein halbes Jahr übt er jeden Tag, bis ihn der Band-Chef noch einmal vorspielen ließ. „Dann hab ich ihn weggeblasen“, sagt er und lacht. Vor knapp einem Jahr war das erst. Seitdem hat er mit Induction bereits Musikvideos aufgenommen, Tourneen gespielt und das dritte Album aufgenommen, das bald erscheint.
Kindheitstraum: Rund 5000 Menschen pro Konzert im Publikum
Im Schnitt vor 5000 Menschen spielte er bei der Tour im Juni – fünf Shows in London, Mailand, München, Zürich und Oberhausen. „Auf solchen Bühnen zu spielen, war für mich ein Kindheitstraum. Ich wollte dort spielen, wo ich als Teenager selbst meine Stars gesehen habe, zum Beispiel im Zenit in München“, blickt der 28-Jährige zurück. Auch das hat er bereits geschafft.
Dabei schlug er nach Schule und Ausbildung zunächst einen anderen Weg ein und ließ das Schlagzeug erst einmal links liegen. An der Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg lernte er zwei Jahre lang klassisches Schlagwerk, Klavier und Geige. Die Liebe zur Klassik ist ihm aus dieser Zeit geblieben.

In seinem eigenen Projekt, der Symphonic-Metal-Band Phantomia, kann er die klassische Ausbildung sogar einfließen lassen. Wenn er dafür Songs schreibt, ist meist auch ein Orchester dabei.
Auf die ganz große Show in Wacken hat ihn die Berufsfachschule freilich nicht vorbereiten können. Bammel hat der Neumarkter trotzdem nicht. Statt 5000 werden dann zwar bis zu sieben Mal so viele Menschen vor der zweitgrößten Doppelbühne des Festivals stehen, seinen Job will er aber machen wie immer: „Man ist da wie in einem Tunnel, wie mit dem Motorrad bei 200 auf der Autobahn. Man sieht die Menschenmassen eigentlich gar nicht.“
Nächster Traum: ein Konzert im Stadion
Erst nach dem letzten Schlag könne er abschalten und die Menge genießen. Alles andere würde ihn ablenken. Zwar ist das Spielen allein schon Hochleistungssport, trotzdem baut Felber jede Menge Tricks mit seinen Schlagzeugstöcken ein und macht allein schon eine große Show.
Dass ihn seine Leidenschaft einmal so weit führen würde, hätten sich Felbers Eltern wohl nicht träumen lassen, als sie ihm das erste Schlagzeug kauften, erinnert er sich: „Ich habe so lange mit Kochlöffeln auf Töpfen gespielt, bis ich mit 13 doch ein Schlagzeug bekommen habe. Eigentlich viel zu spät, um noch Profimusiker zu werden.“ Geschafft hat er es trotzdem. Er spielte in immer größeren Bands, trat mit der Gothic Metal Band Thanateros schon auf mittelgroßen Festivals auf und steht nun vor dem ersten Wacken-Gig. Die nächsten Ziele warten aber schon: „Nach Wacken ist noch mein Traum, ein Stadion zu füllen.“